Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Gezeichnet G. Schüll
Die Michaelskirche auf dem Michaelsberg in Neustadt
  St. Gertrud 

Erstellt am 08.03.2006

 

 

Die Gertrudiskapelle

 

Karl Martell, der fränkische Hausmeier, hatte ein den fränkischen Königen gehöriges Jagdhaus dem von Bonifatius gerufenen Mönch Burkardus und dessen Mitbrüdern in Neustadt zur Wohnung angewiesen. Damals hieß der Ort Rorlacha, und das Jagdhaus stand auf dem Michelsberg. In jener Zeit wohnte die hl. Gertraud auf der Karlburg. Sie hatte erfahren, dass den Mönchen zu Rorlacha ein Gotteshaus fehlte. Deshalb ließ sie ihnen eine Kirche bauen. Gar oft kam Gertraud von der Karlburg herüber, den Kirchbau zu leiten. Zumeist war sie begleitet von ihrer Magd, die Wein und Essen für die Bauleute trug.

An einem Sommertag kam sie einst wieder des Weges. Alles versengend fielen die Sonnenstrahlen nieder. Gertraud war so matt, dass sie kaum mehr weiter konnte. Auf einem Stein am Wege sank sie müde zu Boden. Gertraud flehte zu Gott um Hilfe, um Stärkung, um einen frischen Trunk. Auf einmal sprudelte hinter dem Stein eine frische Quelle. Gertraud dankte für die wundersame Hilfe und konnte erfrischt ihren Weg fortsetzen. An der Stelle, wo das Brünnlein aus der Erde floss, wurde 1616 eine Kapelle gebaut, die heutige Gertraudenkapelle bei Waldzell. Manchmal zieht eine Prozession zur Kapelle im Wald und Kranke suchen Heilung im Wasser der Gertraudenquelle; sie soll eine wundertätige Heilkraft bei Augenleiden haben.

Löcher im Stein an der Quelle sollen von den Fußstollen des Tragkorbes herrühren, den Gertraud und ihre Begleiterin auf den Stein gestellt hatten.

 

Ernst Englert, Windheim

 

 

 

Der erstarrte FrevIer

 

Die heilige Gertrud soll oft in Neustadt gewesen sein. In einer Nische an der äußeren Turmfront der Kirche befindet sich ein Gemälde, auf dem zu sehen ist, wie sie vor einem Bild des Gekreuzigten betet. Darunter ist ein lateinischer Text in den Stein gehauen folgenden Inhaltes:

"Beschaue und nimm das Vorbild, o Leser, die Merkmale der hl. Gertrud, die um das Jahr 700 durch anhaltendes Gebet eingedrückt und der Nachwelt als ein Beispiel der Frömmigkeit so viele Jahrhunderte durch Gottes Zulassung erhalten wurde.

Julius Schultes hat aus frommem Herzen dieses machen lassen 1586."

Hiervon erzählt die Sage:

Gertrud kniete oft vor dem Bilde des Gekreuzigten, wobei sich ihre Knie tief in den Boden drückten. Jahr für Jahr sah man diese Eindrücke, kein Wetter konnte sie verwischen, kein Gras wuchs darüber. - Nun lebte einmal in Neustadt ein Mann, den die Male der heiligen Gertrud ärgerten und er beschloss, sie zu vernichten. In finsterer Nacht schlich er sich auf den Michelsberg, um mit einer Hacke die Wunderzeichen zu beseitigen. Gott ließ den Frevel nicht zu. Als er die Hacke erhob, erstarrte er und konnte sich nicht mehr bewegen. So fanden ihn am nächsten Tag Leute, die ihn nach Hause trugen. Von großen Schmerzen geplagt lag er da. Nachdem er seine Schuld den Neustädter Mönchen bekannt hatte, genas er wieder, war von seinem Zweifel geheilt und wurde ein frommer Mann.

 

Ernst Englert, Windheim

 

 

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