Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Lehrer in Marienbrunn
GOTTHARD S. H. SCHÜLL
  2 Legenden aus Erlach am Main 

Erstellt am 12.03.2006

 

 

Vom feurigen Spuk am "Schergschlag"

 

Die Tochter eines Bäuerleins aus Erlach, die behauptete, sich vor nichts zu fürchten, sollte einmal in Urspringen eine Kuh holen. Sie hatte mit ihrem Vater verabredet, er solle ihr des besseren Heimfindens wegen mit einer Laterne entgegengehen. Zwar versprach's der Alte, aber dabei blieb's, und er dachte, die Tochter solle nur allein heimfinden, da sie sich ja so sehr gebrüstet hatte, weder Tod noch Teufel zu fürchten.

Inzwischen war es Mitternacht geworden, und die Tochter trieb dort ihre Kuh, wo unten am "Schergschlag" der Krebsbach kurz vor seiner Mündung gluckst. Mit einem Male sah sie oben im Wald ein Licht. Meinend, es sei der Vater, rief sie hinauf: "Komm doch herunter! Was suchst du da oben?" Kaum hatte sie ausgeredet, kam das Feuer auf sie zu, und plötzlich stand vor ihr ein Knochengerüst, aus dem die Flammen schlugen. Der feurige Unhold begleitete die Erschrockene bis nahe ans Dorf. Dort verschwand er.

Die Bauerntochter aber soll von da an nicht mehr großspurig geprahlt haben, sie würde sich vor nichts fürchten.

 

Nach Erlacher Schüleraufzeichnungen; 1925

Ernst Englert, Windheim

 

 

 

Wie ein Erlacher den "Homo“ über den "Buchgraben“ trug.

 

Vom "Höhberg" herab zum Main zieht der "Buchgraben". Dort soll der "Homo" sein Unwesen treiben, der nächtlichen Wanderern auf den Rücken springt und sich über den "Buchgraben" tragen läßt.

Da war eine Erlacherin, die es nicht gern sah, dass ihr Mann so lange im Wirtshaus hockte. War der Wirtshaussitzer abends um 10 Uhr nicht zuhaus, holte sie ihn keifend vom Wirtstisch.

Einmal war ihr Mann mit den zwei Nachbarn zum Holzstrich nach Waldzell gegangen. Als er abends um 10 Uhr nicht zuhaus war, machte sich die Frau auf den Weg nach Waldzell. Zwar musste sie am Buchgraben vorbei, wo der "Homo" umgehen sollte, zwar musste sie durch den Wald mit seinen heimlichen und unheimlichen Geräuschen. Aber der Zorn auf ihren Wirtshaushocker verlieh ihr die Kraft, alle Angstgefühle zu unterdrücken. Am Buchgraben sollte ihr Mann einen Denkzettel von ihr bekommen.

Schon lange stand sie da und wartete. Endlich kamen die drei weinselig daher. Schnell drückte sich die Frau hinter einen Baum. Als die drei vorbeitappten, sprang die Frau ihrem Mann auf den Rücken. "Der Homo", schrien die drei und die Angst machte den beiden Nachbarn schnelle Beine. Die Angst im Nacken und den vermeintlichen Homo auf dem Rücken stolperte der Mann über den "Buchgraben". Drüben sprang seine Frau herab, schlug sich hinauf zum "Oberen Waldzellerweg" und huschte heim. Als die drei zuhaus angekommen waren, erzählten sie der Frau von ihrem unheimlichen Erlebnis, sie hätten den Homo über den Buchgraben getragen. Da lachte sie die Frau aus. Zu ihrem Mann aber meinte sie: "Das war dafür, dass du wieder nicht rechtzeitig den Weg aus dem Wirtshaus nach Hause gefunden hast."

 

Nach Erlacher Schüleraufzeichnungen; 1925

Ernst Englert, Windheim

 

 

 

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