Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Foto Klaus Weyer
Der Grundstein für das Spital an der Nordseite des heutigen Pfarrhauses
   

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Der zoomfähige Plan vom Kloster St. Gallen
  Krankenpflege im Kloster Neustadt 

Erstellt am 09. Juni 2007

 

Infirmarie (Krankenhaus, Krankenstube), Spital, Siechhaus

 

Die Informationen stammen aus:

1. Die Benediktiner-Abtei Neustadt am Main, 1856, Johann Adolph Kraus

2. Beschreibung der Benediktinerabtei Neustadt am Main, 1872, Georg Link

3. Klosterbuch der Diozese Würzburg Band I., 1873, Georg Link

4. Medizin und Pharmazie in der Benediktiner-Abtei Neustadt am Main, 1978, Dr. Karlheinz Bartels und Dr. Wolf-Dieter Müller-Jahncke.

und Informationen von mir.

 

 

Die Bibliothek der Benediktinerabtei Neustadt am Main beinhaltete eine größere Anzahl medizinisch-pharmazeutischer Werke.

Da Wissenschaft nur um der Wissenschaft willen zu pflegen nicht benediktinisch ist, müssen diese Werke dem praktischen Gebrauch gedient haben, das heißt im Kloster Neustadt muss auch Krankenpflege betrieben, müssen Heilkräuter gesammelt und Arzneimittel hergestellt worden sein. Darauf weisen insbesondere die für eine einfache Heilkunde geschriebenen Kräuter- und Hausarzneibücher hin.

 

Während die eigentlichen „Regula Sancti BENEDICTI“, die Benediktinerregeln von Benedikt von Nursia um 530 aufgestellt, in medizinisch pharmazeutischer Hinsicht indifferent waren, legte man vor allem in späterer Zeit in den Klöstern neben der Linderung geistig-seelischer Not auch auf die Behandlung körperlicher Gebrechen Wert. Zunächst wurden nur die eigenen Mitbrüder ärztlich versorgt, später auch die Armen der Umgebung und erkrankte Gäste.

 

Das erst 1989 veröffentlichte „Lorscher Arzneibuch" ist die älteste erhaltene medizinisch-pharmazeutische Handschrift deutscher Herkunft, geschrieben um das Jahr 795. Auf Pergamentblättern entfaltet sich eine 150-seitige Sammlung medizinisch-pharmazeutischer Texte.

Und das Kloster Neustadt hatte gute Kontakte zum Kloster Lorsch: Am 1. September 774 beispielsweise, als Karl der Große mit großem Gefolge auf dem Weg von Italien nach Fritzlar in Lorsch der Weihe der Nazariusbasilika beiwohnte, bei der dem Mainzer Bischof Lul die wohl von Chrodegang geweihte geistliche Elite der Zeit assistierte: Weomad von Trier, Megingoz von Würzburg (er war zu diesem Zeitpunkt Abt im Kloster Neustadt und nicht mehr Bischof von Würzburg) und der Chef der Hofgeistlichkeit, Bischof Angilramn von Metz.

 

Das Konzil zu Aachen bestimmte im Jahr 816, dass alle Stifte und Klöster neben der Kirche einen besonderen Aufenthaltsort für arme und gebrechliche Leute unterhalten sollten.

 

Auch weist bereits der Klosterplan von St. Gallen, der im Benediktinerkloster Reichenau als Modellplan um 820 entstand, neben den eigentlichen Klostergebäuden Infirmarien auf, die der Aufnahme erkrankter Ordensbrüder dienten. Weiterhin Arzt- und Apothekenzimmer, Aderlass- und Laxierhaus, Pilgerhäuser, Gästehäuser und gesonderte Siechhäuser für Aussätzige und auch einen Arzneikräutergarten. Aus der einstmals vom heiligen Benedikt den kranken Mitbrüdern zugedachten Sonderzelle entwickelt sich die Infirmarie (infirmus = krank) – ein bzw. mehrere Gebäude zur Krankenpflege und zur Arzneizubereitung, die mit dem Arzneikräutergarten verbunden waren. Meist lag eine Marienkapelle in engster Verbindung mit der Infarmarie.

 

Später wurde diesen klösterlichen Krankenstationen oft ein Armenspital angegliedert. Die Einrichtung solcher Infirmarien und Armenspitäler ist meist nur aus der Existenz einer Marienkapelle oder aus Stiftungsbriefen ersichtlich.

 

Armenspital im Kloster Neustadt

1095 erhielt das Kloster Neustadt unter Abt Adelgar eine Stiftung für das Armenspital, das zu dieser Zeit demnach bereits bestanden haben muss: „… praedictum ergo bonum a nobis ad altare [sic] Sanctae Mariae contraditum pertinere volumus ad hospitium, quod est in Newenstat constitutum, ut …cunctis supervenientibus egentibus pro Christo nomine erogetur. …

Die Güter zu Buttenried (Bütthard) und Dachest oder Dächsheim im Ochsenfurter Gau wurden von Ritter Gerhardus (wahrscheinlich Burggraf von Mainz) und seiner Gemahlin Bertha dem Spital von Kloster Neustadt übergeben.

Urkunde abschriftlich überliefert, Kraus, Benediktinerabtei Neustadt am Main, Würzburg, 1856, Beilage IV, Seite 104 ff

 

1164 erwarb der Abt Bernward das Hofgut in Waldzell für die Armenstiftung.

1251 erwarb Abt Konrad von Gelnhausen Güter in Steinfeld, Eußenheim, Karbach und Marienbrunn mit der Auflage, dass die Einkünfte daraus für die Armen und Witwen, für das Neustädter Krankenhaus und für die Bewirtung Fremder verwendet werden müssen.

Seit 1428 deckten die Einnahmen aus dem Gute in Waldzell, dem so genannten „Armenhof“, die Unkosten für die Kranken und die Armen. Wir treffen um diese Zeit auch einen Spitalverwalter an, Namens Conrad; er nahm nach dem Abte und Prior die dritte Stelle ein.

1340 erscheint ein Siechenmeister im Kloster.

Auf die genaue Einhaltung der in den verschiedenen Stiftungsbriefen bestimmten Donationen für die Armen und Kranken wurde geachtet. So setzten bischöflich-würzburgische Visitatoren den Neustädter Abt Heinrich von Jestetten 1561 mir der offiziellen Begründung ab, er habe diese festgelegten Einkünfte verprasst.

 

Ein Armenspital war später, sicher jedoch seit 1643, in dem sich nördlich an die Peter- und Paulkirche anschließendem Gebäude untergebracht, dem heutigen Pfarrhaus. Den Spitalbau ließ Bischof Julius Echter dort errichten und der letzte Abt Johann B. Weigand abreißen und in größerem Umfang wieder errichten. Ein solches Spital war kein Krankenhaus (Hospital) im heutigen Sinne, sondern mehr ein Altersheim.

 

Informationen über die Klosterapotheke und den Kräutergarten im Kloster Neustadt folgen im nächsten Artikel.

 

 

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