Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Im Jahr 2004
Burg Rothenfels
  Legenden Teil 2 



Die Geisterjagd im Neustädter Forst

Zusammengetragen von Alexander Schöppner
Quelle: A. v. Herrlein, Die Sagen des Spessarts, S. 132

Die Klosterherren zu Neustadt versahen den Gottesdienst auf der Burg Rothenfels. Sie waren bei den gastlichen Amtleuten freundlich aufgenommen, und es kam manchmal der späte Abend herbei, bis sie die Burg verließen.
Einst an einem Feiertag, nach bereits hereingebrochener Nacht, schritt ein Klosterherr von Rothenfels am Main hin gegen Neustadt. Da hörte er von Würzburg her lustigen Hörnerschall herüberklingen, der erst sehr entfernt war, aber schnell näher kam. Der Klosterherr lauschte festgebannt den wunderlieblichen Klängen, und heller und heller ertönte es, und herüber über den Main kam ein glänzender Zug: voraus ritten Jäger mit den klingenden Hörnern, dann stattliche geistliche Herren und Ritter hoch zu Roß mit dem Jagdspeer in der Faust, dann Karossen mit schönen Frauen, endlich ein großer Troß Berittene und Unberittene mit Jagdgerät und den Bracken an der Leine. Der Zug schwebte, ohne Land oder Wasser zu berühren, an dem erschrockenen Klosterherrn vorüber und verlor sich im großen Klosterwald.
Im darauffolgenden Jahr traf sich's, daß derselbe Klosterherr an demselben Feiertag wieder den Gottesdienst auf der Rothenfelser Burg abhielt. Auch dieses Mal ging er in der Nacht nach Neustadt. Und wieder hörte er den Hörnerklang, und wieder erschien der Jagdzug und verlor sich wie das erste Mal im Neustädter Forst.
Daheim im Kloster erzählte der Herr, was er zweimal erlebt hatte, und hörte, daß vor vielen Jahren eine Gesellschaft von hohen geistlichen Herren, Rittern und Frauen aus Würzburg sich acht Tage im Kloster aufgehalten hätten, um die Jagdlust zu genießen, und daß sie selbst am Feiertag die Jagd nicht ausgesetzt hätten, weshalb sie wohl auch nach ihrem Tod die Geisterjagd abhalten müßten.

 

Der Trautberg bei Hafenlohr

Zusammengetragen von Alexander Schöppner
Quelle: Mündlich

Zum Stiftungsgut des vormaligen Klosters Neustadt am Main gehörte auch der Trautberg bei Hafenlohr, ein dichter Laubwald, in dessen dunklem Schatten das Säuseln der Winde geheimnisvoll widerhallt und in eine wehmütige Gemütsstimmung versetzt und dessen nördliche und östliche Abdachung mit einer gewissen Scheu von den Leuten der Umgegend betreten wird. In diesem Berg hausen die Ritter von der Tafelrunde und harren auf ihre Erlösung.
Mitte des neunzehnten Jahrhunderts befand sich ein Knabe in Hafenlohr, der öfters Erscheinungen dieser geisterhaften Ritter hatte. Während des Schulunterrichts oder auch auf dem Kirchenweg geriet er plötzlich in eine Art Verzückung und erhöhter Geistestätigkeit, aus der er erst nach einiger Zeit wieder zur Besinnung kam. Auf Befragen, was mit ihm vorgegangen sei, erwiderte der Knabe, es sei ihm gewesen, als werde er in der Luft fortgetragen, in einen Wald, der nach seiner Aussage der Trautberg gewesen sei; plötzlich hätte sich der Berg geöffnet, er sei in mehrere prächtige Zimmer geführt worden; in einem davon seien um einen runden Tisch zwölf bärtige Ritter in glänzender Rüstung gesessen, die den Knaben freundlich anredeten und ihm eröffneten, es werde ein großer Krieg entstehen, wobei Kaiser Karl wieder mit seinem Gefolge auftreten und das Deutsche Reich befreien werde; die Ritter gaben dem Knaben auch Ermahnungen zu Tugend und Gottesfurcht, worauf dieser sich wieder entfernte und nach seinem Erwachen den Leuten die gehabte Erscheinung erzählte.
Weil der Knabe aber durch seine Erzählungen die Aufmerksamkeit der geistlichen und weltlichen Obrigkeit auf sich gezogen hatte, wurde er gerichtlich zu Protokoll vernommen, worüber sich die Akten beim Landgericht Rothenfels befunden haben.

 

 

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