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St. Pirmin gründete , nach der karolingischen Vita, 10 bis 12 Klöster. Bild: Heinz-Walter Roth
  St. Pirmin 

Erstellt am 03.08.2009

 

 

PIRMIN (Permin(i)us, Primenus).

* um 690, † 753 in Hornbach.

  

Die Herkunft Pirmins ist umstritten.

Der älteren Auffassung nach war Pirmin ein Ire,

eine andere Theorie war, dass er aus Südwestgallien (Aquitanien-Septimanien) stammte und als Flüchtling vor den Sarazenen den Schutz Karl Martells gesucht hatte.

Einiges spricht dafür, dass er aus Meaux in der Brie nach Rätien kam, ein Verwandter der Burgundofaronen (= Version der vita Pirmini, Ende 9. Jhd.). Auch Prinz und Angenendt argumentieren, dass er weder Ire noch Spanier sondern zum iro-fränkischen Mönchtum aus dem Kreise des Pariser Hofadels (Burgundofaro von Meaux) gehörte.

 

Pirmin ist in erster Linie als politisches Werkzeug der Karolinger, am Anfang hauptsächlich im alemannischen und elsässischen Raum, aktiv geworden. Er unterhielt gute Beziehungen zu dem Hausmeier Karl Martell, in dessen Auftrag er in den zwanziger Jahren des 8. Jahrhunderts in Alemannien wirkte. Die Gründung des berühmten Bodenseeklosters Reichenau (724) wurde vom alemannischen Fürstenhaus unterstützt.

Der Mönch Hermann der Lahme, ein bedeutender Wissenschaftler des elften Jahrhunderts, berichtete in seiner Weltchronik zum Jahr 724: "Der heilige Pirmin, Abt und Bischof, wird von den Fürsten Berthold und Nebi zu Karl geführt und von ihm der Reichenau vorgesetzt. Er vertrieb dort die Schlangen (das Böse) und richtete während seines dreijährigen Aufenthaltes das klösterliche Leben ein."

Pirmin setzt 727 Heddo (Etto), aus alemannischem Adel stammend, als Abt im Kloster Reichenau-Mittenzell ein. Heddo war dann ab 734 Bischof von Straßburg. Die Vertreibung von Pirmin aus der Reichenau wird von mir stark angezweifelt.

 

Seitdem war Pirmin als episcopus vagans im karolingischen Herrschaftsgebiet tätig. 727 wirkte er an der Gründung des Klosters Gengenbach in der Ortenau zusammen mit Ruthard d. Ältere, einem austrasischen Adligen, mit. Auch später war er vermutlich an Gründungen in diesem Gebiet beteiligt, wahrscheinlich Arnulfsau-Schwarzach. 728 gründete er das Kloster Vivarium Peregrinorum (Murbach) im Elsass, im Auftrag des Etichoner Herzogs Ebrohard (Privileg Theudeberts d. IV.). Nach 728 reformierte er eine Anzahl elsässischer Klöster columbanischer Prägung im Sinne der Benediktregel (Weißenburg, Maursmünster, Schuttern und Neuweiler). Um 742 gründete er zusammen mit Graf Warnharius, einem Neffen des Trierer Bischofs Milo, das Kloster Hornbach im Bliesgau (Pfalz) in der Diözese Metz. Das Kloster wurde von Pippin d. Jüngeren gefördert. Für die Missionsarbeit verfasste Pirmin ein Handbüchlein, den »Scarapsus« oder Dicta Pirmini, aus dem hervorgeht, dass er unter dem Einfluss der Schriften des Caesarius v. Arles stand.

 

Pirmin, Glaubensbote und Schutzpatron der Pfalz und Apostel der Alemannen, starb am 03. November 753 in der bedeutenden westpfälzischen Abtei Hornbach.
Dort lag er auch bis 1558 begraben, bis seine Gebeine zunächst nach Speyer und 1578 nach Innsbruck überführt wurden. Sein Felsengrab wurde 1953 auf dem Gelände des ehemaligen Klosters wieder gefunden. Heute ist dort eine würdige Gedenkstätte. In Hornbach laufen übrigens beide Südpfälzer Jakobs-Pilgerwege zusammen, die in Speyer beginnen und durch Frankreich und Nordspanien zum Grab des heiligen Jakobus in Santiago de Compostela führen.

 

Der Pirminkult breitete sich von Hornbach, das sich zum viel besuchten Wallfahrtsort entwickelte, zunächst im Alemannischen aus, gelangte weiter nach Bayern und Franken, ja sogar bis nach Tirol und in die Ardennen. Er blieb aber beschränkt auf den deutschsprachigen Raum. Besonders verehrt wurde Pirmin in seinem letzten Wirkungsbereich in Hornbach, in Murbach, in Maursmünster/Marmoutier und Neuwiller-les-Savernes (Elsaß), in Niederalteich (Bayern), auf der Reichenau, in Schwarzach und in Gengenbach (Baden). Heute ist er populär im Erzbistum Freiburg und in den Bistümern Speyer, Straßburg sowie Chur (Schweiz).

 

Die Erinnerung an Sankt Pirmin, von dem die Stadt Pirmasens ihren Namen ableitet, ist heute noch in Brauchtum und Volksglauben lebendig. Sein Tischsegen wird auf der Reichenau und im pfälzischen Pirminland gerne vor den Mahlzeiten gesprochen: "Damit uns Speis´ und Trank gedeih, Sankt Pirmins Hand sie benedei!"

 

 

Nach der karolingischen Vita hat Pirmin 10 bis 12 Klöster gegründet.

Die gesicherten und möglichen Klostergründungen durch den Wanderbischof Pirmin:

 

Gründungs-

Jahr

Kloster

Stifter

Sonstiges

Um 722

Pfungen bei Winterthur

?

 

724

Mittenzell, Reichenau, Bodensee

Hnabi, Herzog der Alemannen, ein Agilolfinger

727: Pirmin verlässt die Reichenau. Heddo (Etto), aus alemannischem Adel stammend, wird Abt. Heddo war dann ab 734 Bischof von Straßburg.

727

Gengenbach, Ortenaukreis

Graf Ruthard, ein austrasischer Adeliger und wahrsch. Herzog Odilo

Herzog Odilo von Baiern, ein Agilolfinger, ist in Gengenbach begraben.

727/28

Murbach, Elsass

Graf Eberhard, Etichone

Kloster Vivarium Peregrinorum.

730

? Murrhardt

?

Bei Ausgrabungen 1963 wurde auf dem Friedhofhügel der Bau einer kleinen Holzkirche archäologisch nachgewiesen, die nach königlichem Brauch der Hl. Maria geweiht wurde. Der Mattone Walderich/Waltrich, Abt in Neustadt von 783 bis 796, geht 796 nach Murrhardt.

734

? Amorbach, Odenwald

? Graf Ruthard

Unterstützung durch Karl Martell. 734, Weihe durch Bonifatius. Während der Sachsenmissionierung arbeiteten Kloster Neustadt und Amorbach eng zusammen, sie hatten sogar 3 gemeinsame Äbte, die zugleich Bischöfe in Verden an der Aller waren.

741

Niederaltaich (Altaich),

an der Donau, bei Deggendorf

Herzog Odilo (736-748)

Pirmin schickte zur Klostergründung Mönche von der Reichenau nach Niederaltaich. Erster Abt ist Eberswind, erstellt erstes bayerisches Stammesrecht, Lex Bajuvariorum (741/43). Kloster Neustadt und Niederaltaich waren lange eng verbunden.

742

Hornbach, Pfalz

Graf Wernharius, ein Widone-Lambertiner. Ein Neffe des Trierer Bischofs Milo.

Gefördert von Pippin III.

Pirmin ist am 3. Nov. 753 im Kloster Hornbach gestorben.

Um 744

? Neustadt am Main

Graf Hatto, ein Mattone

Kloster mit Saalkirche an der alten Statt, erbaut unter Abt Megingaud, ein Mattone.

Um 750

Schwarzach, Rheinmünster, Landkreis Rastatt

? Graf Ruthard

 

?

? Schlüchtern

?

Kirchenpatronin: Hl. Maria

 

  

Durch den Wanderbischof Pirmin reformierte Klöster:

 

Reform-

Jahr

Gründungs-

Jahr

Kloster

Nach 728

 

Neuweiler

Nach 728

 

Maursmünster

Nach 728

631

Weißenburg

746-753

603

Schuttern

 

 

Quellen:

Die Vita Pirminii wurde zwischen 760 und 880 wahrscheinlich im Kloster Hornbach erstellt.

 

Vita Pirminii auctore monacho Hornbacensi, hrsg. v. O. Holder-Egger (=MGH SS XV), 17-31;

Miracula sancti Pirminii Hornbacensia, hrsg. v. O. Holder-Egger (=MGH SS XV), 31-35;

Vita Pirminii I u. II, hrsg. v. Ch. de Smedt in AASS nov. II/1 (1894), 33-44.

Richard Antoni: Leben und Taten des Bischofs Pirmin. Die karolingische Vita. Mit einem Geleitwort von Münsterpfarrer Alfons Weißer, Heidelberg 2005

 

 

 

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