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Die älteste Darstellung des Bonifatius, 11. Jhd.
Die älteste Darstellung des Bonifatius, 11. Jhd.
  Vita Bonifatii Auctore Willibaldo 

Erstellt am 16.01.2010, korrigiert und ergänzt am 16.02.2010

  

Die erste Lebensbeschreibung des hl. Bonifacius wurde auf Anregung des hl. Bischofs Lullus von Mainz und des hl. Bischofs Burkard von Würzburg, von Willibald, um das Jahr 760 geschrieben.

 

 

Die erste Romreise des Bonifatius in der Vita Bonifatii Auctore Willibaldo, Reinhold Rau 1968

 

Als aber die Winterszeit vergangen war und des Sommers Hitze ent-

5 brannte, nahm er die im vergangenen Jahre unterbrochenen Unternehmungen wieder auf und richtete sein ganzes Bemühen auf die Wiederholung der aufgegebenen Reise. Diesmal aber wollte er mit einem Empfehlungsschreiben2 Daniels, des Hüters des Volkes Gottes3 seligen Angedenkens, sich zu den Schwellen der Apostel nach Rom begeben. Dennoch

10 hielten ihn einige Zeitlang die Angelegenheiten der zurückbleibenden, noch ihres Vaters beraubten Brüder auf, auch bereitete ihm die Liebe der Klagenden und das schmerzliche Leiden aller zeitweilige Hindernisse, so daß sein Gemüt von großer Kümmernis gedrückt wurde und er nicht wußte, nach welcher Seite er sich wenden sollte. Er fürchtete nämlich,

15 daß die Herde, die bis dahin ihrem Meister übergeben, jetzt aber ohne Schutz eines wachsamen Hirten war, nach seinem Weggange den Bissen der Wölfe preisgegeben sei, doch besorgte er wiederum, daß die Herbstzeit zur Reise in die weite Ferne nicht mehr ausreiche. Da aber der allmächtige Gott, wohl eingedenk seiner Frömmigkeit, mit gewohnter Güte seinen

20 Knecht, dessen Seele so schwer gedrückt war, aus dem heftigen Schmerz reißen und auch für seine Herde einen passenden Meister besorgen wollte, überlegte der vorgenannte Bischof die Sache der Brüder in seinem Herzen und setzte einen Mann von trefflichen Anlagen namens Stephan zum Vorsteher dieser Kirche ein und sandte unsern heiligen Mann, der die langen

25 Pfade der Pilgerschaft wandern wollte, unversehrt nach dem Orte seiner Bestimmung. Dieser aber sagte den Brüdern Lebewohl, reiste eiligst ab und kam, wie er gewünscht, nachdem er weite Landstriche durchzogen, zu dem schon oben erwähnten Ort namens Lundenwich; dort stieg er sofort an Bord eines Schnellseglers und begann des Meeres unbekannte

30 Pfade zu durchfurchen. Und zur Freude der Schiffer schwellte ein starker Nordwest mächtig die Segel, und mit vollem Winde kam man in glücklicher Fahrt schnell an die Mündung des sogenannten Cuentflusses, die sie, ohne noch des Schiffbruchs Gefahren befürchten zu müssen, erblickten. Darauf landeten sie wohlbehalten an dürrem Gestade und blieben in

35 Cuentawich, bis eine hinlängliche Zahl von Genossen sich mit ihnen vereinigte. Und als sie sich alle gesammelt hatten und schon des Winters Kälte einzubrechen drohte, reisten sie Tag für Tag weiter und besuchten viele Kirchen der Heiligen, betend, daß es ihnen vergönnt sein möge, unter dem Schutze des oben Thronenden der Alpen schneeige Gipfel zu

40 übersteigen, von den Langobarden eine leidlich milde Behandlung zu erfahren und leichter dem bösen Übermut und der Wildheit der Krieger4

 

2 Tangl NA 40, 737 erschließt aus dieser Stelle das Vorhandensein eines besonderen Empfehlungsschreibens an den Papst, das Willibald noch in Händen gehabt habe (heute verloren, Tangl Acta deperdita 78). Es ist aber wohl richtiger zu sagen, daß er den Brief Nr. 11 im Auge hatte.

3 Bischof Daniel von Winchester (705-747) unterschreibt selbst auf einer Urkunde bei Birch (Cartul. Saxon. I, 1885, Nr. 170) Ego Daniel Dei plebis famulus et speculator.

4 milites des oströmischen Kaisers. militum termini ist der Militärbezirk (Exarchat) von Ravenna, seit der Neueinteilung des Reiches unter Kaiser Herakleios (610-641).

 

 

zu entgehen. Nachdem dann unter dem schützenden Beistand der Heiligen und der Fürsorge Gottes die ganze Schar der Genossen, die sich dem Geleite dieses heiligen Mannes angeschlossen hatte, glücklich zu den Schwellen des seligen Apostels Petrus gekommen war, statteten sie sofort

5 Christus für ihre Erhaltung unendlichen Dank ab und betraten dann in großer Freude die Kirche des heiligen Petrus, des Apostelfürsten, hier um Vergebung ihrer Sünden betend, wobei denn sehr viele von ihnen mancherlei Geschenke darbrachten.

Nach Verlauf weniger Tage jedoch erlangte der heilige Mann die Gele-

10 genheit, den Papst des apostolischen Stuhles, Gregorius seligen Angedenkens, den zweiten nach dem ersten und Vorgänger des letzten, der auch in der römischen Volkssprache der Jüngere genannt wurde, sprechen zu können, und eröffnete ihm genau die Veranlassung seiner Reise und seines Hinkommens, auch teilte er ihm mit, wie er schon längere Zeit

15 hindurch sich in drückender Sehnsucht darnach gemüht hätte. Der heilige Papst schaute daher plötzlich heiteren Gesichts und lächelnden Auges auf ihn und fragte, ob er eine Empfehlungsurkunde von seinem Bischof mitgebracht hätte. Dieser aber griff freudig erregt in seine Kutte und zog aus ihr das dem Brauche gemäß eingerollte und verschlossene Pergament

20 und die Urkunde hervor und übergab es dem bewunderungswürdigen Manne heiliger Erinnerung. Dieser aber gestattete ihm nach Empfang des Schreibens sofort sich wegzubegeben. Es hatte dann der apostolische Papst, nachdem er den Brief durchlesen und die Ausfertigung der Beglaubigungsurkunde geprüft hatte, in der folgenden Zeit mit ihm eifrige

25 und tägliche Unterredungen, bis der Sommer und mit ihm die Zeit der Abreise und Rückkehr heranrückte.

Als aber der Monat Nisan (das ist der April6) verstrichen, und Jari (Mai) schon die Tore geöffnet, da wurde auch er, nachdem er vom apostolischen Stuhl Segen und Brief, wie er gebeten, erhalten, von dem heiligen Vater

30 ausgesandt, die wilden Völker Germaniens zu besuchen und zu erforschen, ob die unbebauten Gefilde ihrer Herzen von der Pflugschar des Evangeliums zu beackern seien und den Samen der Predigt aufnehmen wollten. So begab er sich sofort, mit einer großen Menge von Reliquien versehen, samt seinen Mitknechten auf die Rückreise und betrat das Gebiet Ita-

35 liens, wo er sich an den vortrefflichen König der Langobarden Liodobrand, ihm zum Gruß Geschenke des Friedens überreichend, wandte. Ehrenvoll von ihm aufgenommen, ruhte er dort die von der Reise ermüdeten Glieder aus; darauf durchwanderte er reichlich beschenkt die bergigen Gegenden und weiten Fruchtebenen des Landes und überstieg

40 die steilen Hochjoche der Alpen.

Dann betrat er des Bayernlandes und der Grenzbezirke Germaniens unbekannte Gebiete und wanderte von da nach Thüringen, um gemäß …

 

5 Die Gleichsetzung mit den jüdischen Monatsnamen nach Beda de temporum ratione cap. 11 (ed. Jones 1943 S. 203, 12ff.).

6 Italia = Oberitalien = Langobardenreich.

 

 

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Die Briefe des Bonifatius und Lullus:

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Die erste Romreise Bonifatius in der Vita Bonifatii Auctore Willibaldo:

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