Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Im Sommer 2004
Die ehemalige Abtei- und heutige Pfarreikirche (Münster 4)
   

Sicht von der Orgel
Die Pfarreikirche innen (Münster 4)
   

Karl Barthels
Der erste Neustädter Kirchenführer von Karl Barthels mit 16 Seiten Inhalt.
   

Bild in der Pfarrkirche
Die Kirche (Münster 2) und das Kloster 4 vor 1615 ?
   

1435
Die älteste Ansicht der Abteikirche (Münster 2), um 1435. Wahrscheinlich der Westchor.
  Kirchen und Kapellen in Neustadt und Erlach 

Letzte Korrektur am 11.11.2007

 

 

Wer als Besucher zum ersten Mal nach Neustadt kommt, dem fällt die wuchtige Kirche besonders ins Auge. Vor allem die zwei Türme der heutigen Pfarrkirche prägen das Gesicht des Ortes.

 

Doch in der Gemeinde Neustadt existieren (und existierten) noch weit mehr Kirchen und Kapellen.

Zwar nicht so viele wie in Rom - in Rom stehen einige Hundert Kirchen.

Doch wird die Anzahl der Neustädter Kirchen und Kapellen meistens unterschätzt.

 

 

Hier die Liste der ehemaligen und aktuellen Kirchen und Kapellen.
Die einzelnen Kirchen und Kapellen, 11 an der Zahl, sind durchnumeriert. Sie finden die Zahlen zur Orientierung rechts in dem Übersichtsplan.

 

 

1. Die Kirchen auf dem Michaelsberg.

(1tes Benediktiner-Kloster unter Burkard auf dem Michaelsberg)

Um 639 soll Gertrud von Nivelles (*625, + 658/9), die Tochter vom karolingischen Hausmeier Pippin I. (*um 580, + 639), öfters im königlichen Jagdschloss Rorinlacha auf dem Michaelsberg in Neustadt gewesen sein. Wahrscheinlich hat damals schon eine Kapelle, als Holzbau, für das Jagdschloss existiert. Mehr Infos unter Klöster/St. Gertrud.

Vor/um 740 war der Michaelsberg der Sitz von Burkard, dem späteren 1. Bischof von Würzburg (741-754). Nach der Fries Chronik soll Burkard auch noch in den ersten Jahren als Bischof in Rorinlacha gewohnt haben!

769 dankte Megingaud als Bischof ab und ging nach Neustadt.

Kurz darauf, 772, kamen 50 Glaubensbrüder von Würzburg nach Neustadt nach (Quelle: Vita Burkardi). Er baute anschließend auf dem Michaelsberg die erste Steinkirche (1). Diese Kirche diente als Provisorium, solange das neue Kloster im Tal gebaut wurde.

Die Innenmaße dieser Kirche ohne Apsis: 10,5 Meter lang; 5,5 Meter breit; 57,8 Quadratmeter. Parallel wurde im Tal das neue Kloster mit der Vierungskirche als Nebenkirche (siehe Punkt 3.) gebaut und 781 eingeweiht. Die ca. 50 bis 60 Mönche wohnten bis 781 auf dem Michaelsberg, während der Bauphase des neuen Klosters im Tal. Und sie benötigten dort, auf dem Michaelsberg, eine Kirche für 50 bis 60 Mönche.

Um 1000: Bau der Steinkirche 2, wesentlich kleiner als der vorherige Kirchenbau, die Kirche auf dem Michaelsberg war anscheinend nicht mehr so wichtig. Es existierte ja das neue Kloster im Tal.

Um 1200 bis 1250: Bau der Steinkirche 3.

Von 1729 bis 1733: Kirchenanbau an bestehende Kirche 3.

Bis 1837 und von 1857 bis 1879 wird die Kirche 3 als Pfarrkirche für Neustadt benutzt.

1979: Fürst Löwenstein schenkt der Gemeinde die komplett leergeräumte Michaelskirche.

1979 bis 1989: Die Gemeinde renoviert die Kirche.

 

Die profane Kirche wird heute als Friedhofskapelle verwendet.

 

Patrozinien heute: St. Michael.

Ursprüngliche Patrozinien: ?

 


Die Michaelskirche im Jahre 2004

 

 

2. Die kleine, einschiffige Saalkirche mit nördlichem Klaustrum
(Das 2te Benediktiner-Kloster. Gebaut an der "alten Statt" im Tal)

Die Saalkirche mit dem nördlichen Klaustrum existierte vor der Vierung. Dieser Ort war wahrscheinlich die „alte Statt“.
Um 741 wurde die Saalkirche von Megingaud gebaut, eventuell mit Unterstützung von Pirmin. Es war die Zeit von Hausmeier Karlmann I. und Hausmeier Pippin III. (ab 751 bis 768 karolingischer König der Franken).
Die Innenmaße dieser Saalkirche ohne Apsis waren: 6,4 Meter lang; 5 Meter
breit; 32 Quadratmeter.

769: Nachdem Megingaud als Bischof abdankte, nach Neustadt ging und ihm kurz darauf, im Jahre 772, 50 Glaubensbrüder folgten, baute er an der Stelle der Saalkirche die Vierungskirche. Das kleine Kloster mit Saalkirche war zu klein für die 50-60 Mönche, die sich jetzt in Neustadt aufhielten. Die Vierungskirche war jedoch von Anfang an eine Nebenkirche für das Kloster.

Ob das alte Klaustrum des 2ten Klosters zu dieser Zeit abgerissen wurde, weiß man nicht.

 

Die Saalkirche befindet sich heute unter dem jetzigen Pfarrhaus, in der Grafik unten, gelb markiert.

 

Patrozinien nach Dr. Franziskus Büll OSB, Münsterschwarzach:

Martin (11. November), Petrus und Paulus (29. Juni), Maria (25. März).
Richtung nach Osten: +13,5°.

 


Die Saalkirche in gelb, die spätere Vierung in grau

 

 

 

3. Die dreischiffige Kirche (auch Vierung genannt)
(3tes Benediktiner-Kloster. Gebaut an der "neuen Statt" im Tal)

769 dankte Megingaud als Bischof ab und zog sich nach Rorinlacha zurück. 50 Geistliche folgen ihm 772, das Kloster mit der Saalkirche wird zu klein. Er reißt das kleine Kloster mit Saalkirche ab und baut an der "neuen Statt" ein neues und wesentlich größeres Kloster mit einer großen Kirche und der Vierung als Nebenkirche. In der Bauphase bis 781 lebten die ca. 50 bis 60 Mönche auf dem Michaelsberg.

22. August 781: Weihe der Kirche mit dem Kloster. Neben Karl dem Großen (König ab 768) sollen auch die Bischöfe Willibald von Eichstätt und Lullus von Mainz teilgenommen haben.

Die Innenmaße der Kirche ohne die 3 Apsisen: Hauptschiff: 117 Quadratmeter. SeitenNord- und SeitenSüd-Schiff je 68 Quadratmeter. Summe: 253 Quadratmeter.

Die Vierung ist innen ca. 7,1 mal größer als die vorherige Saalkirche.

Um 1615: Abbruch des Nordflügels der Vierung und des alten Klaustrums durch Bischof Julius Echter. Echter ließ an der Stelle ein Spital erbauen. Später diente das Gebäude als Gastwirtschaft (Zum Löwen) und schließlich als Pfarrhaus.

1841: Abbruch des Ost-, Süd-, Westflügel und Teile des Mittelschiffs durch Fürst Löwenstein (bis auf den unteren Teil des Mittelschiffs).

 

Patrozinien nach Dr. Franziskus Büll OSB, Münsterschwarzach:

Martin (11. November), Dionysius (9. Oktober), Salvator (6. August), Hl. Kreuz (3. Mai)
Man beachte, dass Maria nicht mehr in den Patrozinien der Vierungskirche vorkam!
Richtung nach Osten: +10,5°.

Spätere Änderung der Patrozinien wahrscheinlich beim Neubau der romanischen Klosterkirche um 1100 in Peter und Paul.

 

     

Zeichnung von 1829, farbig die Vierung                        Vierung, Bild von 2004                              

 

 

 

4. Die ehemalige Klosterkirche und heutige Pfarrkirche

(3tes, 4tes und 5tes Benediktiner-Kloster neben der "neuen Statt")

um 741: Es deutet darauf hin, dass der Nordturm schon um 741, zusammen mit dem kleinen Kloster mit Saalkirche, stand.

781: Einweihung Münster 1 (mit Nebenkirche Vierung) und Kloster 3 durch Megingaud.

Um 1100: Bau Münster 2 und Kloster 4. Bau der romanischen Abteikirche unter Abt Adelgarus / Adelger. Abt in Neustadt von nach 1077 bis 1095 und später nochmals von nach 1106 bis 1115.

26.8.1534: Die Sakristei mit Georgsaltar (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Georgsaltar) befand sich unter Abt Konrad Lieb im Südturmes (Quelle: Standbuch 213, 71ff). Der Eingang ist noch erhalten und befindet sich hinter dem heutigen Georgsaltar, dem rechten Seitenaltar.

1615 bis 1623: Abbruch und Wiederaufbau des Klosters bzw. umfangreiche äußere Umgestaltung der Kirche -> Münster 3 und Kloster 5, veranlasst durch Bischof Julius Echter.

22.1.1803: Säkularisation des Klosters. Das Kloster und die Kirche sind nun im Besitz des Fürstenhauses Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Seit 1837 wird die Kirche als Pfarrkirche genutzt.

26.5.1857, Pfingstmontag: Kirchen und Klosterbrand, Blitzeinschlag im Nordturm der Kirche. Das Kloster und die Kirche wurden bis auf die Mauern komplett zerstört.

8.12.1879: Weihe nach Wiederaufbau durch Fürst Löwenstein -> Münster 4.

1968 bis 1969: Innenrenovierung der Pfarrkirche unter Pfarrer Rudolf Langhans.

1989: Außenrenovierung der Pfarrkirche unter Pfarrer Rudolf Langhans.

 

Patrozinien nach Dr. Franziskus Büll OSB, Münsterschwarzach:

Martin (11. November), Dionysius (9. Oktober), Christus Salvator (24. Mai), Maria (Assumptio) (15. August).

Maria befand sich bei der um 1100 gebauten Kirche (Münster 2) wieder in den Patrozinien!
Richtung nach Osten: +11,3°.

Nach Dr. Büll ist ursprünglich kein Michael bezeugt.

Spätere Änderung der Patronizien in Michael und Gertrud wahrscheinlich ab der Neuweihe am 8.12.1879.

 

      

Die Ansicht vor 1615 ?, Münster 2                  Ansicht von 1623 bis 1857        Die Pfarrkirche im Jahr 2004, Münster 4

 

 

 

5. Die Marienkapelle

(4tes, 5tes und 6tes Kloster)

Das Maria Patrozinat existierte schon in der Saalkirche (Kloster 2), gebaut um 750.

Die Vierungskirche hatte anschließend nicht das Maria Patrozinat. Sicher ist jedoch, dass das Marien Patrozinat beim Kloster mit der Vierungskirche ab 781 immer noch existierte. Laut Stiftungsurkunde erhielt Neustadt von Karl dem Großen sogar eine Reliquie von der hl. Maria und von St. Martin. Sicher existierte damals schon eine Marienkapelle. Es ist noch zu klären, wo sich diese erste Marienkapelle befand.

Beim Kloster 4 mit dem Münster, gebaut um 1100, ist das Maria Patrozinat wieder vorhanden und die Lage der Marienkapelle bekannt.

 

Um 1100: Bau der Kapelle zusammen mit dem Münster 2.

26. August 1534: Nach dem Bauernkrieg, Neuweihe der Marienkapelle und des Kapitelsaal durch Abt Konrad Lieb (Quelle: Standbuch 213, 71ff).

1615 bis 1623: Abbruch, Wiederaufbau und umfangreiche äußere Umgestaltung. Veranlasst durch Bischof Julius Echter gegen den Willen von Abt Martin Knödler.

1857: Beim Kirchen- und Klosterbrand mitabgebrannt.

1879-1973: Der westliche Teil der ehemaligen Marienkapelle wurde als Sakristei benutzt, ich kenne das noch als Ministrant in den 60er Jahren unter Pfarrer Langhans.

1974: Wiederaufbau durch Pfarrer Rudolf Langhans. Die ursprüngliche Marienkapelle befand sich seit ca. 1100 an derselben Stelle.

 

Patrozinien: Hl. Maria

 

    

Die Marienkapelle im Echterstil links neben der Kirche                                       Marienkapelle innen im Jahre 2004

 

 

 

6. Die romanische Kapelle auf dem Margarethenhof

Um 1190: Bau der Kapelle.

 

Patrozinien: ?

 

 

Kapelle Margarethenhof, 2004

 

 

 

7. Die alte Kirche in Erlach

Um 1250: Datierung der Tonscherben die 1990 unter dem Fußboden gefunden wurden.

Um/vor 1300: Der erste Kirchenbau in Erlach.

Erlach wurde schon 1466 als Dorf erwähnt.

1740: Die Kirchenglocken stammen aus dieser Zeit.

1870: Anbau unter Pfarrer Link um 5 Meter.

1928: An- und Umbau.

1988-1993: Renovierung der Kirche

 

Patrozinien: Johannes der Täufer

 

Die alte Kirche in Erlach, 2004

 

 

 

8. Die Kapelle im östlichen Torhausgebäude (Bild unten, rechts am Gebäude)

Vor 1615: Erbaut.

1719: Abt Bernhard Krieg lässt die Mauer um das Klostergelände bauen.

Von 1829 bis 1843: Abgerissen durch Fürst Löwenstein.

 

Patrozinien: ?

 

Die Kapelle in der Zeichnung von 1829

 

 

 

9. Die Klosterkapelle

1962: Zusammen mit dem Klosterneubau aufgebaut.

 

Patrozinien: Hl. Josef

 

 

Kloster-Kapelle 2004

 

 

 

10. Die neue Kirche in Erlach

1967: 16. Juli, Einweihung der neuen Kirche, die unter Pfarrer Langhans geplant und gebaut wurde.

 

Patrozinien: Johannes Baptist


Neue Kirche in Erlach, 2004

 

 

 

11. Eine Allerheiligenkapelle oder ein heiliges Grab?

Es ist nicht bekannt wann die Kapelle gebaut und eingeweiht wurde.

Auch der Zeitpunkt, wann die Kapelle mit dem Südturm ummauert wurde, ist nicht bekannt.

 

Patrozinien: ?

 

 

Die eingemauerte Kapelle im Südturm

 

 

 

Ein Tipp für Kulturinteressierte:
Im katholischen Pfarramt Neustadt am Main können Sie die Broschüre
>Kirchen und Kapellen der Pfarrei Neustadt am Main<
aus dem PEDA Kunstführer Nr. 411/1997 (ISBN 3-89643-067-X)
beziehen.

 

 

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Luftbild
Der Übersichtsplan der Kirchen und Kapellen in Neustadt und Erlach. Grafik von Gernot Schüll
   

Franziskus Büll OSB - Münsterschwarzach
Baubeginn und Patrozienen der Klosterkirchen der Benediktinerabtei Neustadt am Main - Ermittlung durch die Richtung der Kirchen
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