Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
11. September 1944
Gertrud Kallenbach, die Schwester von Albrecht Kallenbach
   

Als Beispiel
Eine Ju 52
   

Gefallen am 3.4.1945 in Neustadt
Grab des Obergefreiten Berthold Jacke auf dem Neustädter Friedhof.
   

Danke an Gernot Schüll
Bekanntmachung aus Rothenfels
   

Kriegsgeschichten aus Hafenlohr
>60 Jahre Kriegsende< auf Hafenlohr.de
  Kriegsgeschichten 

Erstellt am 30.01.2010 

Maingebiet und Spessart in zweiten Weltkrieg, Aschaffenburg 1982.

Quelle: Alois Stadtmüller.

 

Luftangriffe in Neustadt am Main im 2ten Weltkrieg.

Ab Juli 1944 häuften sich die Angriffe der Tiefflieger in beunruhigender Weise und weckten Angst im letzten Flecken. Die Eisenbahnstrecke Frankfurt – Würzburg lockte sie ebenso an wie das lang sich hinziehende Maintal. Am 1. August 1944 war der Bahnhof Hösbach das Ziel; die Bombe beschädigte jedoch lediglich das Dienstwohngebäude der Reichsbahn, während acht Tage später dem Personenzug Lohr – Wertheim zwischen Neustadt und Rothenfels schrecklich mitgespielt wurde. Kurz vor 11.00 Uhr stießen drei Tiefflieger auf den Zug herab, die Geschoßgarben peitschten in die Waggons und als sie hochgezogen und verschwunden waren, zählte man drei Tote und 20 Verletzte. Der 58jährige Postschaffner des Zuges, Heinrich Albert aus Lohr – Sendelbach, wurde durch einen Herzschuss auf der Stelle getötet und dem Soldaten Wilhelm Körner aus Hettstadt bei Würzburg wurden die beiden Oberschenkel und die Halsschlagader durchschossen, er starb noch während der Weiterfahrt des Zuges nach Rothenfels. Als man ihn ins Leichenhaus zur Aufbahrung brachte, zeichnete eine Blutspur seinen Weg.

Auch die siebenjährige Annegret Dietrich aus Lohr, mit ihrer Mutter unterwegs, um Verwandte in Zimmern zu besuchen, starb im Zug an den Folgen eines schweren Bauchschusses. Der Schüler Josef Horn aus Bergrothenfels, der sich auf der Heimfahrt von der Oberschule in Lohr befand, wurde von einem Schuss schwer verletzt {Quelle: Pfarrchronik Rothenfels}.

Es war noch ein großes Glück, dass der Zug in der Nähe des Waldes hatte halten können, wo viele Passagiere Deckung fanden. Die Verletzten wurden von einem Rothenfelser Arzt und von zwei Kollegen aus Marktheidenfeld versorgt, sie hatten meistens Splitterwunden von den durch die Geschosse zerfetzten Holzbrettern der Abteile.

 

Am 8. September 1944 sind auch amerikanische Jagdbomber ins Maintal eingedrungen. Sie kommen jetzt viel häufiger und tauchen überall auf, weil neben den im Westen vorverlegten Radarstationen nun auch immer mehr grenznahe Flugplätze benützt werden können, welche den Aktionsradius der Feindflieger ungemein vergrößern. Nun schießen sie noch häufiger auf Eisenbahnzüge, Autos, Fuhrwerke, auf Fußgänger in den Straßen und auf Bauern auf dem Feld, werfen sie Bomben auf Bahnhöfe und Brücken.

 

Heute [11. September 1944] greifen sie einmal mehr den Bahnverkehr auf der Strecke Marktheidenfeld – Lohr – Gemünden an. Ihr erstes Opfer ist gegen 13.00 Uhr der fahrplanmäßige, von Rothenfels kommende, Personenzug am Bahnhof Neustadt, der von einem Jabo zweimal angeflogen wird. Der Schiffsbesitzer Anton Neubeck erhält einen Kopfschuss, dem Schiffsführer Raimund Schnellbach wird der Unterschenkel zerschmettert, schwere Beinverletzungen erleiden der Lehrling Alois Kirchner aus Trennfeld und die Handelsschülerin Gertrud Kallenbach aus Neustadt.

[Gertrud Kallenbach starb noch am gleichen Tag um 18:00 im Krankenhaus in Lohr.]

 

Auch dieser Ort [Neustadt am Main] selbst wird in Mitleidenschaft gezogen, viele Häuser der zum Bahnhof führenden Straße erhalten Einschüsse, im Haus Nr. 7 reißt ein Jabo-Geschoß dem 17jährigen Pflichtjahrmädchen Elly Wolf aus dem gegenüberliegenden Erlach, gerade in der Küche beschäftigt, eine kopfgroße Wunde in die linke Hüfte. [Laut Walter Simet wurde Elly im Haus von Frau Gösswein (Oma von Ernst und Josef Bils, heute Anwesen Auth) erschossen. Sie machte ihr Pflichtjahr im Haushalt von Frau Gösswein.]
Tragisch ist auch das Schicksal der tödlich getroffenen Emma Rottenberger, die vor den Luftangriffen auf Mannheim geflohen war und sich hier in Sicherheit fühlte.


 

Der Rückzug vom Main:

Ostersonntag 1. April 1945:

Deutsche Stellung bei den Höhen bei Einsiedel – Bischbrunn – Schollbrunn – Kreuzwertheim.

Das 3. Bataillon folgte den Absetzbewegungen der SS-Kompanien, vorbei an deutschen Widerstandsnestern, die im Wald versteckt waren und gut gezielte Feuergefechte lieferten. Südlich Lichtenau hatte auch der Stab des SS-Panzergrenadier-Bataillons 506 Feindberührung, nördlich von Bischbrunn waren die SS-Panzergrenadiere auf den Gegner gestoßen, der quer durch den Löwensteinschen Park zum Hafenlohrtal drängte und am späten Nachmittag des ersten Osterfeiertages Lichtenau und Erlenfurt besetzte.

 

Ostermontag 2. April 1945:

Brückenkopf in Neustadt am Main.

Kreuzwertheim, Schollbrunn, Oberndorf, Bischbrunn, Homburg, Hafenlohr, Rodenbach und Wombach werden eingenommen.

Das stark angeschlagene deutsche Bataillon erreichte im Nachtmarsch am Ostermontag, 2. April 1945, Neustadt und bildete mit Restteilen einer Einheit des Heeres auf dem rechten Ufer des Maines einen Brückenkopf. Der Führer dieser Kampfgruppe war Oberst Herbert von Kalinowsky, der am Karfreitag im Raum Rück-Schippach eingesetzt war.

Im Laufe des Ostermontag hatten sich alle vorwärts Marktheidenfeld und Rothenfels stehenden Teile der 416. Infanteriedivision, vom Gegner stark bedrängt, an den Main abgesetzt und ihn mit Kähnen, Flößen und anderen Hilfsmitteln unter Feindeinwirkung überquert. Auch der Brückenkopf Neustadt war am Abend geräumt worden, die Kampfgruppe des Obersten von Kalinowsky zog sich mit der Masse der 416. Infanteriedivision auf den Mainabschnitt Wernfeld - Veitshöchheim zurück.

 

3. April 1945: Der Brückenkopf Neustadt und die Stadt Rothenfels waren von der Deutschen Armee aufgegeben. Der Kampf um Lohr war beendet.

 

 


Kriegserinnerungen von Franziska Kallenbach im Juli 2005

Erstellt am 11.08.2005

 

1945, Kriegsende

Als ich kurz vor Kriegsende mit dem Rad von Rothenfels nach Neustadt gefahren bin, habe ich den Absturz einer JU-52 Maschine hautnahe miterlebt. Sie wurde von mehreren Flugzeugen beschossen und ist auf dem Hornungsberg abgestürzt. Es hat nur einen Überlebenden gegeben. Er hat sogar noch zurückgeschossen. Halb Neustadt war damals nach dem Absturz auf dem Hornungsberg, obwohl es verboten war die Absturzstelle zu betreten.

 

In der Scheune von Eugen Völker haben wir auch die verwundeten deutschen Soldaten verbunden. Gegenüber im Haus der Familie Wolf (Heute Leimeister) war die SS stationiert.

Die Soldaten kamen alle aus dem Westen durch den Wald, auf der Flucht vor den Amerikanern.

Ein Soldat kam sogar mit einem Fahrrad.

Deine Tante Lisbeth hat einen flüchtigen deutschen Soldat im Zimmer von deinem Onkel Roman versteckt (Kommentar von mir: Das war auch mein Kinder- und Jugend-Zimmer gewesen). Ein SS-Mann wollte eine Handgranate ins Haus werfen, wenn der Soldat nicht das Haus verlässt. Wir haben solange auf Ihn eingeredet bis er sein Vorhaben aufgab.

 

Wir haben die Amerikaner im Wald Richtung Einsiedel gehört. Sie sind jedoch Richtung Margarethenhof und Lohr abgebogen. Mein späterer Mann Toni Kallenbach mit seiner Familie, sie wohnten im Forsthaus Einsiedel, versteckten sich im Wald vor den Amerikanern.

 

Als die Amerikaner aus Richtung Rothenfels gekommen sind, es war Ostermontag der 2. April, fuhren sie alle das Dorf hoch. Die Farbigen mit Ihren schneeweißen, großen Augen sind uns sofort aufgefallen. Mei, was haben die Walli (Grübel) und ich Augen gemacht. Wir haben das erste Mal Menschen mit schwarzer Hautfarbe gesehen.

 

Am Hornungsberg war ein amerikanisches Flugzeug, eine Art Hubschrauber.

Ein deutscher Soldat, bei Fritz Kimmel am Haus postiert, wollte das Flugzeug mit einem Maschinengewehr abschießen. Wir, die Mädchen vom Ort, haben ihn davon abgehalten. Wir haben solange auf ihm eingeredet, bis auch er sein Vorhaben aufgab. Wenn er geschossen hätte, wäre Neustadt wahrscheinlich nicht verschont geblieben.

 

Ich habe auch den Arzt Dr. Brand vom Lohrer Krankenhaus sehr gut gekannt und habe oft mit ihm gearbeitet. Er ist in der Karwoche erschossen worden. Er war ein feiner Mann. Er hat sich nichts gefallen lassen und hat immer seine Meinung gesagt. Das wurde ihm zum Verhängnis. Ich konnte an diesem Tag wegen der Panzersperre (umgeschlagene Bäume) an den Rodenbacher Büschen zwischen Neustadt und Rodenbach nicht auf die Arbeit ins Krankenhaus Lohr fahren.

 



Wahre Begebenheiten aus Neustadt im 2ten Weltkrieg

Niedergeschrieben von Alfred und Brunhilde Greßer, Pfarrer Link Straße 17, im Jahre 1996

 

1944, Verdunkelungspflicht

Zu dieser Zeit überflogen des öfteren Bomberverbände den Spessart. Deshalb bestand „allgemeine Verdunkelungspflicht“ und wir mußten jeden Abend alle Fenster verdunkeln. Für diese Maßnahme gab es schwarzes Papier zu kaufen. Wir hatten eine Dachwohnung mit einem kleinen Dachfenster in der Küche. Jeden Abend wurden die Vorhänge zugezogen und das schwarze Papier mit Reißzwecken an die Fenster geheftet. Eines abends zu später Stunde knipste bei uns in der Küche jemand das Licht an. Dadurch ist ein Lichtschein nach Außen gedrungen und kurze Zeit später klopfte es an unserer Haustür. Es waren extra „Aufpasser“ von der Gemeinde aufgestellt, die jede Nacht ihre Runden drehten und kontrollierten, ob auch alles dunkel ist. Unsere Mutter wurde verwarnt und mußte Strafe zahlen.

Wer der oder die Männer waren und wieviel Strafgeld wir zahlen mußten, weiß ich heute nicht mehr.

 

 

1940 – 1945, Tabak

In der Kriegszeit gab es keinen Tabak zu kaufen, deshalb hat man diesen selbst angepflanzt. Die Pflanzenzahl war vorgeschrieben. Während des Krieges und auch noch längere Zeit danach, hat man alles mögliche versucht, um sich über „Wasser“ zu halten. Mit dem Tabak habe ich auch noch eine selbstgefertigte Tabakschneidemaschine in sehr gutem Zustand gefunden. (Sieht ähnlich aus wie eine Futterschneidemaschine). Gebaut hat diese Maschine Burkhard Brand.

Als ich 1978 den Dachboden ausräumte, fand ich eine Schuhschachtel voll mit feingeschnittenem Tabak (gutes Aroma), den man ohne Bedenken hätte rauchen können.

 

  

1945, Holzaktion
Zur damaligen Zeit war unsere Schule für Unterkunft der amerikanischen Truppen beschlagnahmt. Wir als 13- und 14jährige liefen auf der Straße herum. Eines Tages haben die Amis angeordnet, daß wir zum Holz hauen in den Wald mußten, damit wir von der Straße weg waren.

Die Waldabteilung hieß am Koppelberg. Unsere Aufseher waren Fritz Bils, Michael Wolf (Landä Michel) und Ludwig Seifried. Ludwig Seifried mußte die Sägen schärfen.

 

 

1944, Tiefflieger Angriffe auf Bahnhöfe und Züge im Maingebiet

Bei Fliegeralarm bzw. Entwarnung wurden an den Bahnhöfen wurden Blechschilder, Größe ca. 60 x 60 cm, in den Farben rot-weiß und blau-weiß, mit vielen kleinen Löchern, aufgestellt. Welches Schild zu welchem Zweck, weiß ich heute nicht mehr.

Ich kann mich noch erinnern, daß ich mit meinem Bruder Helmut mit dem Zug nach Rothenfels zum Friseur mußte. Als wir am Bahnhof in Neustadt ankamen stand da so ein Schild. Deshalb gingen wir nach Hause und Stunden später wurde in der Nähe des jetzigen Campingplatzes ein Personenzug von Flugzeugen beschossen. Hätten wir nicht auf das Schild geachtet, wären wir in diesem Zug gesessen.

 

 

1943 – 1944, Flugzeugabstruz - Absturz eines amerikanischen Flugzeuges in der Nähe der Staustufe Rothenfels, gegenüber des Gaibergfürsten.

Es war Erntezeit, denn die Dreschmaschine war auf den Getreideäckern am Main in vollem Gange. Das Flugzeug kam über den Spessart über Aurora nach Neustadt, in südlicher Richtung fliegend, mit brennendem Schweif nach sich ziehend und stürzte an o.g. Stelle ab.

Diese Begebenheit ist sogar in dem Buch: „Maingebiet und Spessart im zweiten Weltkrieg,“ auf Seite 166 beschrieben. (Ich habe dieses Buch erworben).

Zitat: Die erste Welle der 2. Air Task Force mit 36 Bombern, am Untermalen um 15:46 Uhr aus Richtung Darmstadt gesichtet, dröhnt in etwa 6000 m Höhe über den Spessart. Kaum ist sie dort hinter den Bergen verschwunden, nähern sich etwas südlicher weitere 50 Maschinen auf Ostkurs, von denen eine Maschine von einem Jäger des Jagdgeschwaders 3 „Udet“ abgeschossen wird. Die Besatzung verläßt an Fallschirmen ihr Flugzeug, das wenig später, eine schwarze Rauchfahne nach sich ziehend, in der Nähe von Rothenfels zwischen dem Erholungsheim Gaiberg und der Schleuse auf der linken Mainseite im Wald aufschlägt. Die Bordwaffenmunition entzündet sich und explodiert, die in der Nähe auf dem Feld arbeitenden Leute glauben sich beschossen und geraten in Panik.

Später fand man dort noch Bomben in Ufernähe, die man später sprengte.



1944 – 1945, Russischer Kriegsgefangener in Neustadt am Main erneut gefangen genommen.

Während des 2. Weltkrieg waren Franzosen, Polen, Russen usw. in Deutscher Gefangenschaft.

In Hammelburg war ein Kriegsgefangenenlager, dort waren Russen inhaftiert. Es kam immer wieder vor, daß Gefangene versuchten, zu fliehen. Einer zog durch den Spessart und versuchte in der Nacht in Neustadt, aus Hunger, einen Einbruch zu verüben.

Es gab sehr vorsichtige Leute im Ort, die verschiedene kleine Fallen bauten.

Und so war es auch bei den Funschens (Guste und Konrad Trunk) mit dem sogenannten „heißen Draht“.

Da Konrad Trunk im Krieg war, waren Guste und ihre Mutter allein.

Vor dem Haus, Richtung Kirche, waren die Schweineställe angebaut, deren Dächer reichten in der Höhe bis unterhalb der Wohnungsfenster und in der Breite vom linken Hauseck bis rechts zur Kellertür.

Im Keller hat man wie üblich seinen eßbaren Vorrat aufbewahrt.

Die Frauen hatten einen Draht außen an der Kellertür angebracht und diesen über das Dach der Schweineställe bis zum anderen Ende gezogen und einen Stein daran befestigt. Durch die lange Spannweite (vier bis fünf Meter) hörte man an der Kellertüre nicht, wenn der Stein gegen die hintere Hauswand knallte. Die Frauen jedoch hörten im Haus dieses Geräusch.

In einer Nacht im Jahre 1945 (genaues Datum nicht mehr bekannt) wollte jemand bei den Funschens im Keller einbrechen. Von dem klappernden Stein geweckt, sprang Guste, nur mit einem Nachthemd und Hausschuhen bekleidet, aus dem Haus und stellte im Keller den Einbrecher. Der ließ sein Einbruchswerkzeug, eine Eisenstange mit Spitze (ca. 1-Meter lang) fallen und lief in Richtung Kirche davon.

Guste lief schreiend im Nachthemd hinterher.

An der Metzgerei Rudl Heidenfelder waren noch Leute wach.

Ein einheimisches Liebespaar, in einer dunklen Ecke, konnte dem Flüchtigen ein Bein stellen und ihn dann überwältigen.

Da stellte sie fest, daß es ein russischer Kriegsgefangener war.

Er wurde in der damaligen Schule am Eingang unten links (Handwerksburschen-Unterkunft) eingesperrt, wo er am nächsten Morgen von der zuständigen Behörde abgeholt wurde.

  

 

1945, Würzburg - Eine Episode aus der Zeit als die amerikanischen Truppen über Nacht in Würzburg einzogen.

Meine Schwester Alma war zu der Zeit in Würzburg und machte bei einer Familie Ihr „Pflichtjahr“. Unsere Tante hatte in Würzburg, unterhalb der Festung, nach dem ersten Torbogen, ein Haus. Dort standen drei Häuser, das Erste gehörte meiner Tante Ida, davor war noch ein Garten.

Als sich die deutschen Soldaten von Westen bis Würzburg zurückgezogen hatten, bezog eine SS - Einheit ihre Schützengräben um die Festung. Meine Tante Ida brachte den deutschen Soldaten, wahrscheinlich aus Angst, Respekt oder Mitleid, jeden morgen Kaffee, mit dem Gruß „Heil Hitler“.

An diesen beschrieben Tag, es war Wochenende, war meine älteste Schwester Alma, zu Besuch bei Tante Ida. Über Nacht zogen die deutschen Truppen von der Festung lautlos ab. Am anderen Morgen kochte Tante Ida wieder Kaffee, und ging vor die Haustür in Richtung Schützengraben. Vor dem Schützengraben blieb sie stehen, in der linken Hand die Kaffeekanne, dann hob sie die rechte Hand und rief den damals deutschen Gruß „Heil Hitler“. Zu ihrer Überraschung waren in den Schützengräben keine deutschen Soldaten mehr, sondern sie blickte in die Augen von amerikanischen Soldaten. Gott sei Dank ignorierten die amerikanischen Soldaten den Gruß.

 

  

1945 Flugzeugabsturz eines amerikanischen Jagdflugzeuges

Neustadt und Erlach war nur über den Main mit der Fähre verbunden. Es gab den großen Personennachen (Schelch), später mit Motor und die Wagenfähre für Fuhrwerke und Fahrzeuge aller Art. Diese Wagenfähre war mit einem Stahlseil/Halteseil, von Neustadt nach Erlach, ca. 25 m über den Main verbunden.

Erläuterung: In Neustadt am Ufer stand ein Stahlrohrmast mit einem Durchmesser von 1 m und ca. 25 m hoch, nach 3 Seiten mit dicken Halteseilen gesichert, das gleiche in Erlach im Vorgarten des damaligen und letzten Fährmanns, Josef Ullrich. Oben auf dem Mast bewegte sich eine Führungsrolle mit dem Halteseil, woran die Transportfähre sich von Ufer zu Ufer bewegte, wenn der Fährmann die Ketten löste.

Nun zum Absturz: Zur Zeit als Neustadt schon lange von amerikanischen Truppe besetzt war, flogen drei amerikanische Jagdflugzeuge von Richtung Lohr durch das Maintal. Einer davon in Seitenlage tief über dem Wasser. Er übersah wahrscheinlich in 24 m Höhe das Halteseil der Wagenfähre. Er riß sich eine Tragfläche ab und das Halteseil der Fähre. Das Flugzeug stürzte oberhalb des jetzigen Sportplatzes in die Uferböschung des Mains, der Motor wurde herausgerissen, überschlug sich, sprang über die Hauptstr. 2315 am Bahnübergang und rollte ca. 100 m im Wassergraben, oberhalb des Bahndammes weiter.

Nach kurzer Zeit war die ganze Absturzstelle von amerikanischen Soldaten abgeriegelt. Tote Fliegersoldaten unbekannt. Das halbe Fahrgestell blieb am Main liegen und zwar war es das Standbein mit dem Felgen. Dies nutzten einige Handwerker aus Erlach und montierten es auf die Fähre. Um die Fähre schneller von Ufer zu Ufer zu befördern, legte man ein zweites Stahlseil durch den Main, rollte das Seil drei bis vier Mal über den Felgen, montierte eine Handkurbel und drehte daran. Es war zwar ein Risiko, wenn schon in der Nähe ein Schiff in Sicht war, aber es gab nie eine Havarie.

Die Halterungen auf Neustädter Seite habe ich selbst mit Gas-Sauerstoff-Schneidbrenner abgebrannt. Auch kletterte ich einmal auf den 25 m hohen Stahlrohrmast, um eine Mutprobe zu bestehen.


 

1945, Straßensperren und Schützenlöcher

Als sich die deutsche Wehrmacht immer mehr zurückzog und jeder Mann gebraucht wurde, holte man auch Frauen und ältere Männer herbei, um Sperren zu bauen und Schützenlöcher auszuheben.

Hier waren auch Männer aus Neustadt dabei, es war der sogenannte „Volkssturm“. Ich kann mich gut an meinen Einsatz erinnern, als ich von Erlach aus dem Main entlang Richtung Pflochsbach, als „Hitlerjunge“, mit anderen aus der Gemeinde, Schützenlöcher aushob. Wir wurden dazu gezwungen, denn „verweigern“ gab es nicht.

Beaufsichtigt wurden wir von einem „H.J.-tler“, mit Pistole, aus unserem Ort. Auch waren damals Jugendliche aus Neustadt am Westwall eingesetzt.

 

 

1945, Rückzug der deutschen Truppen und das Einmarschieren der Amerikaner

Als die deutschen Soldaten in Neustadt abzogen, haben sich einige  in verschiedenen Waldabteilungen versteckt. Sie  waren wochenlang oben am Plättlein, Gaiberg, Steinbruch und Hornungsberg-Querberg versteckt. Wie im Unterstand an der Front so hatten sie sich versteckt, mit Tannenzweigen und Laub getarnt. Nur wenn die Amerikaner auf die Jagd in den Wald gingen dann mußten die deutschen Soldaten vorsichtig sein. Die Amis holten uns aus der Schule, damit wir ihnen im Wald bei der „Treibjagd“ (wir scheuchten das Wild mit viel Lärm zum Waldrand) halfen.

Viele Frauen aus unserem Dorf, versorgten die deutschen Soldaten mit Lebensmitteln. Sie trugen die Nahrung in ihren Körtzen auf dem Rücken und nahmen Brennholz mit zurück, damit die amerikanischen Soldaten keinen Verdacht schöpften. Einige Frauen nahmen auch von Ihren verstorbenen oder im Krieg gefallenen Männern Zivilkleider mit, damit sich die deutschen Soldaten umziehen konnten.

Und so konnte sich im Laufe der Zeit der eine oder andere Soldat absetzen um in seine Heimat zu kommen. Ob sie jemals daheim angekommen sind oder in Gefangenschaft gerieten, ist nicht bekannt.

Um einige dieser mutigen Frauen zu nennen: Monika Weyer, Guste Trunk, Klara Schenk, Alma Schenk, Juliane Hermann, Adelheid Leser, Frieda Greßer und Blanka Bippus.

Alma Schenk heiratete 1948 einen amerikanischen Soldaten und siedelte in die USA über.

Bei ihrem Besuch im Januar 1995 schilderte sie mir diese wahre Begebenheit.

 

 

1944 – 1945, „Kleiderkrieg“

In den letzten Kriegsjahren als die Front immer näher an den Spessart rückte, man bedenke, alle Städte waren und wurden immer wieder bombardiert, hat man versucht zu retten was noch zu retten war. So dachten auch einige Geschäftsleute aus Lohr und brachten ihre Lager mit Schuhen und Kleider, im Kloster in Neustadt, in Sicherheit.

Alles wurde im oberen Stockwerk untergebracht, davon wußten auch die Einwohner. Als der Krieg zu Ende war, versuchten die Einwohner an das Lager zu kommen, denn sie hatten ja auch nichts mehr anzuziehen. Der noch amtierende Bürgermeister Harth wollte dies mit Gewalt verhindern. Er holte sich amerikanische Soldaten, die damals schon in Neustadt eingerückt waren und ließ diese bewaffnet Wache halten. Unter Aufsicht dieser Soldaten (Weiße und Schwarze) konnten Einwohner dann einige Stücke aus diesem Lager erhalten.

 

 

1943, Wehrertüchtigung und dergl. während des II. Weltkrieges

Wir mußten während der Schulzeit schon Wettkämpfe austragen. Ballwurf, 60 und 100 Meterlauf. Diese wurde damals auf der Hauptstraße mit Oberlehrer Hugo Werner, in Höhe vom Anwesen Keller, ausgerichtet. Auch Boxkämpfe waren Bestandteil dieser Ertüchtigung. Diese wurden in der Turnhalle in Lohr, damals in der Grabenstrasse, durchgeführt.

 

 

1945, Naturheilmittel

Wir mußten als Schulkinder, im Auftrag der deutschen Wehrmacht, Kräuter sammeln, z.B. Birkenblätter, Schafgarbe, Brombeere, Himbeere. Diese wurden auf dem Dachboden der Schule, wo sich die Uhr befindet, getrocknet, in Säcke abgefüllt und von der Wehrmacht abgeholt.

Als die Amerikaner in Neustadt einmarschierten und Quartier in der Schule bezogen, war es der Wehrmacht nicht mehr möglich die getrockneten Kräuter abzuholen und so konnten diese dringend benötigen Heilmittel nicht zum Einsatz kommen.


 

1945, SS-Einheit

Als sich die deutschen Truppen schon durch den Spessart zurückgezogen hatten und die Amerikaner nachrückten, war in Neustadt am Main eine SS-Einheit (SS-Panzergrenatierbattaillion 506) in Quartier. In der zweiten Nacht zogen die Deutschen über den Main ab, was ja der letze Ausweg war. Zwischen Neustadt und Rodenbach, an den „Rodenbacher Büschen“, war eine Panzersperre gebaut. Zu dieser Zeit hat man in den Ortschaften jeden Mann der noch laufen konnte zum letzten Rest dem „Volkssturm“ eingezogen. So erging es auch Ernst Emrich aus Neustadt. Er mußte mit einem deutschen Offizier zu dieser Panzersperre. Sie hatten sich oberhalb der Bahnlinie im Wald verschanzt. Die Volkssturmmänner waren in Zivil, mit nur einer schwarzen Armbinde gekennzeichnet. Die amerikanischen Truppen waren über Forsthaus Aurora - Margaretenhof, Richtung Rodenbach - Wombach, an Neustadt vorbei, gezogen und kamen vor Rodenbach auf die Staatsstraße 2315. Es gab kurze Kampfhandlungen danach war Rodenbach in amerikanischer Hand. Das gegenüberliegende Dorf Pflochsbach wurde beschossen, die Kirche und einige Häuser brannten. Ein Stoßtrupp mit Panzer fuhr Richtung Neustadt. An der besagten Panzersperre machte er halt, gab einen Schuß in Richtung Neustadt ab. Damals war ich als Junge an der „Mühle“ (Karl Brenner) gestanden und beobachtete deutsche Soldaten, die vom Gaiberg und Plättlein ins Dorf kamen. Als wir den Knall hörten, rannten wir auseinander, ich den Mühlgraben entlang, nach Hause. Nach diesem Schuß fuhr der Panzer zurück, Richtung Rodenbach. Das nutzten Ernst Emrich und der deutsche Offizier und zogen sich nach Neustadt zurück. Der Offizier hätte mit der Panzerfaust auf den Panzer schießen können, er tat es nicht. Er sagte zu Ernst Emrich: „Sehe zu, daß du so schnell wie möglich verschwindest, denn diese „Gekennzeichneten“ sind für die amerikanischen Truppen wie Partisanen, die hängen dich auf“.

Ernst Emrich ging rasch nach Hause. Der Offizier setzte sich mit der Fähre nach Erlach ab.


 

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Übersicht der Geschichten

Maingebiet und Spessart in zweiten Weltkrieg

Franziska Kallenbach:
1945, Kriegsende

Alfred Greßer:
1944, Verdunkelungspflicht
1940-45, Tabak
1945 Holzaktion
1944 Tiefflieger
1943/44 Flugzeugabsturz
1945 Würzburg
1945 Flugzeugabsturz
1945 Straßensperren
1945 Rückzug
1944-45 Kleiderkrieg
1943 Wehrertüchtigung
1945 Naturheilmittel
1945 SS-Einheit

Copyright 2005-2014, Klaus Weyer
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