Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Im Jahre 2004
Das Tor zum ehemaligen Klosterhof in Hafenlohr
   

2005
Die Front des ehemaligen Klosterhof
   

Standbuch (Stb.) 582 Seite 39 des Würzburger Staatsarchivs
Erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1324
  Der Klosterbesitz in Hafenlohr 

Erstellt am 08.08.2005

 

 

Die Gemeindemark Hafenlohr war bereits Ende des 8. Jahrhunderts im Besitz der Benediktiner Abtei Neustadt am Main, gehörte aber etwa seit Mitte des 12. Jahrhunderts dem Rienecker Grafenhaus, bis das Lehen nach dem Aussterben der Linie Rieneck-Rothenfels im Mannesstamm (1333) an das Hochstift Würzburg fiel.

 

Zum Unterschied gegenüber dem mainaufwärts liegenden urkundlich älteren "Oberlohr" (= Lohr am Main) wird "Niedernlare" (in inferiori Lare) beispielsweise erstmals am 4. Mai 1324 urkundlich erwähnt. Tatsächlich geht Hafenlohr als Siedlung zurück bis in die Jungsteinzeit, wie viele Bodenfunde das uns zeigten. Die Urkunde von 1324 befindet sich im Standbuch (Stb.) 582 Seite 39 des Würzburger Staatsarchivs (St. A. W.) unter: Litera super quartum partem Navigij in inferiori Lare 1324, die auf Deutsch heißt:

„Wir Dekan Wygand und ganzer Konvent des Klosters in Holzkirchen bekunden mit Gegenwärtigem und wünschen, dass allen, die dieses Schreiben lesen, zur Kenntnis gelangen, dass der vierte Teil der Mainfähre zu Niedernlare und eine im Weiler daselbst gelegene Hofstätte, die der ehrwürdige Herr, Herr Wolfram, Abt des Klosters Neustadt, dem Bruder Wolfram in Mattenstatt zu lebenslänglichem Besitz verliehen hat, nach dem Tode des genannten Bruders Wolfram mit allen Rechten und Einkünften an das vorgenannte Kloster in Neustadt nach dem ehemaligen Rechtszustand zurückfallen. Zum Zeugnis dessen haben wir gegenwärtiges Schreiben mit dem Siegel unseres Konvents bekräftigen zu müssen geglaubt. Gegeben im Jahre 1324 am 4. Mai.

 

Bis um 1200 gehörte auch der Lauterhof zum Kloster Neustadt. Er wurde jedoch bald von den so genannten Schutzvögten von Grumbach und Rieneck dem Kloster abgenommen. Später wurde er vom Voit von Rieneck an das Würzburger Hochstift verkauft. Er bestand aus 120,5 Morgen Ackerfeld und 39 Morgen guten Wässerwiesen, alles zehntfrei.

 

1348 findet sich der Name Niederlohre in einer Dotationsurkunde zwischen Abt und Konvent Neustadt für Bestallung eines Lehrers und Torwächters und zur Festsetzung des Einkommens der Äbte. Wörtlich heißt es: „Auch soll er (Abt) haben alle Dinge halbe, die die Abtei bisher gehabt hat, von Gütern Zinsen, Weinbergen, von Gefällen … wie oben beschrieben steht und mit Namen Newenstat, Erlach, Niederlohre, Carbach“ u.a. (Standbuch 582 Seite 164 St. A. W.). Niederlohre findet sich auch in einer Urkunde gleichen Inhalts mit Beschreibung des dem Kloster bzw. dem Abt zustehenden Weinzehntes in Niederlohre (Standbuch Stb. 583 Seite 144 St. A. W.)

 

1354 ist der Fron- bzw. Freihof von Hafenlohr in der „Copia des Fonhofs zu Niedern Löhr und seiner Freiheit“ verzeichnet. Sie befindet sich im Stb. 583 auf Seite 30 bis 31 im St. A. W.

Am Dienstag nach Kreuzerhöhung wird hier ein Vergleich geschlossen zwischen Abt und Konvent von Neustadt und den (Ganerben) Herrn des Hauses Rothenfels und den „Leuten des Dorfes Niederlöre … in der Marck zu Niedern Löre“, wonach der Freihof daselbst mit allen Zubehörungen von allen Vogteirechten, Diensten, Steuern und Bethen frei sein soll.

 

1365 und 1369 taucht die ältere Form des mit nider zusammengesetzten Grundwortes Lar in Niderlare und Niderlar wieder auf (Urb. A. 219 und 224 im Kopialbuch des Klosters Neustadt, Lit. A. 1917 im Löwenstein-Wertheim-Rosenbergschen Archiv).

 

1502 kommt der Name Hafnerlore auf in Stb. 408,8 und 1516 Haffenlohr in einem Bestandsbrief über den Klosterhof, in dem Heinz Fischer zu Haffenlohr bekennt, dass er den Hof vom Ab 15 Jahre übernimmt gegen Leistung von 14 Mltr. Korn, 6 Mltr. Weizen und 1 Mltr. Haber, ½ Mltr. Erbsen und 100 Eier; nach Standbuch 583 Seite 62 im St. A. W.

 

1516 steht Haffenlor in einer Bestätigung des Abtes, dass er den Hof übergeben habe gegen die vorgenannten Leistungen; im Stb. 583 Seite 198 St. A. W.

 

1530 heißt es: „Item in der Bach Lore zu Havenlohr, so man Lachs fängt, ist allwegs der Dritte des Klosters  und Zwei unseres Gnädigen Herrn“ (Bischofs), deshalb soll des Klosters Hofbauer daselbst, so man das Lachsfach macht, das Holz herzuführen; Stb. 583 Seite 63 im St. A. W.

 

1546 erscheint die heutige Schreibweise Hafenlohr in einem Revers Kunzen Altmans gegenüber dem Kloster Neustadt wegen des zu Hafenlohr bestandenen Freihofes; in Stb. 1022 Seite 28 im St. A. W.

 

1586 haben wir noch Hauenloer in einem Zinsregister: Item zu Hauenloer aller Zehnt zu Dorf und Feld, Zweiteil dem Kloster Neustadt, das Dritteil dem Pfarrer zu Karbach gehörig. In der gleichen Urkunde heist es auch: Was auf dem Main zu Hauenloher geführt wird, soll dem Kloster Neustadt den Zoll zahlen, In Stb. 1022 Seite 28 St. A. W.

 

Um 1600: Unbegreiflich ist's, warum Fürstbischof Julius dem Kloster den Auftrag gab, seine Schifferei abzuschaffen. Das Kloster hatte einen eigenen Platz zum Entladen seines und des sonstigen Holzes auf das Schiff, jetzt "Latsch" genannt, in alten Zeiten "Ladstatt" beschrieben. Aus Link Klosterbuch 1.

 

Um 1625 wurden von Abt Georg Ehalt (Abt von 1619-1635) die Gebäude des Klosterhofs neu errichtet worden.

 

Der Klosterhof wurde 1727/29 von Abt Bernardus Krieg prachtvoll umgestaltet.
Bernhard Krieg (Abt von 1703-1729) führte den Ladstatter Zoll zu Hafenlohr wieder ein, den Fürstbischof Julius Echter abschaffte.

 

1799 wird Hafenlohr im geographisch-statisch-topographischen Lexikon von Franken Seite 33 Hafenlohr mit v geschrieben, wo es heißt: Havenlohr habe als Pfarrdorf mit Mergenbrunn einen Pfarrer und Lehrer gemeinsam, der 100 Gulden Gehalt hat; es gebe 100 Kinderdort, zwei Bauernhöfe, einen im Dorf dem Kloster gehörig und einen namens Lauterhof ¼ Std. gegen Esselbach zu. Im Dorf seien drei Mahl- und zwei Gipsmühlen.  Es sei da ein Forstmeister, ein Revierjäger und ein herrschaftlicher Floßmeister.

 

1803 kam der Klosterhof durch die Säkularisation in die Hände des Fürsten Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Es bestand damals aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, 110 Morgen bestem Feld und 4 Morgen Wiesen.

 

Nach wechselvollen Schicksalen entstand in den Gebäuden 1917 die "Holzwarenfabrik Hofgut Hafenlohr", eine Vorläuferin des 1935 gegründeten "Paidiwerks".

 

 

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Plan von 1843. Man erkennt deutlich den Klosterhof. Hausnr. 78, 79 und 80
   

Paidihof
Der ehemalige Klosterhof in Hafenlohr im Jahre 1973
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