Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Jahr 1969
1200 Jahrfeier in Neustadt: Walter Kimmel (rechts), Anneliese Völker, geb. Weyer, links oben Gustav Horn und unten Josef Leser.
   

Aus dem Neustadt Kalender
Gregor Nätscher am Fenster rechts. Mit den Pferden Nätscher Andreas, ganz rechts: Nätscher Rosa, später mit Tony Beinhupf verheiratet.
  Pferdefuhrwerksbesitzer aus Neustadt und Erlach 

Erstellt am 11.01.2007

 

 

Aus aktuellen Anlaß, dem Tod von Walter Kimmel, entstand diese Seite.

Die meisten Informationen stammen von Alfred Greßer, sie wurden von mir aufgearbeitet, neu strukturiert und in ein Gesamtkonzept integriert.

 

Josef Greßer übernahm nach dem 1ten Welt-Krieg, ebenfalls wie sein Bruder August Greßer, ein Fuhrwerk. Leider verstarb Josef bereits in jungen Jahren.

Mit seinem Fuhrwerk fuhr er im Hafenlohrtal Sterholz. Es geschah nach Aussagen meines Vaters, Alfons Greßer, an der Försterbrücke/Hafenlohrtal. Josef Greßer saß am Wegesrand und wurde von einem vorbeifahrenden Radfahrer aus Lengfurt, Beruf Seiler (Seilsträngemacher) angesprochen. Er erhielt aber keine Antwort und so fuhr der „Seiler“ weiter. Der nachfolgende Bauer war Ludwig Kallenbach von der Kohlhütte, ein Bruder von Valentin Kallenbach aus Neustadt. Bauer Kallenbach überholte das Fuhrwerk von Josef Greßer. Beim Überholen schnalzte er mit seiner Peitsche herüber, es folgte keine Reaktion, deshalb hielten beide Fuhrwerke an und stiegen auf den Wagen von Josef Greßer. Dieser lehnte gegen den vorderen Holzstoß. Kallenbach wollte ihn schütteln, dabei öffnete Josef die Augen und fiel tot um.

Kallenbach fuhr nun sein Fuhrwerk einige Meter nach vorne, hielt an und holte das andere Gespann nach. Es wiederholte diesen Vorgang so oft bis er in Windheim war. Dort angekommen, stellte er das Fuhrwerk mit dem toten Josef unter die Dachtraufe, um ihn kühl zu halten, denn es regnet schon tagelang. Als es Vater Anton Greßer zu lange dauerte fuhr er mit seinem Pferdegespann nach Windheim und holte seinen toten Sohn Josef, unter Protest der Sachverständigen, nach Hause.

Festgestellt hat man, dass der Oberkörper gequetscht und mit blauen Flecken übersät war. Man vermutete, er sei zwischen Pferde und Wagen aufgestiegen, abgerutscht und längs unter den Wagen (Räder) gerutscht. Es konnte nie geklärt werden wie er wirklich ums Leben kam. Man sprach auch von Pferdehufschlag, hat mir August Greßer erzählt.

 

Fritz und Sohn Eugen Fleckenstein aus Erlach

Wehe wenn die Bremsen nicht funktionierten, dann wurde das Fahrzeug in unseren Bergen zum Geschoß. Ich war dabei als ein solches Fahrzeug „Fahrt“ bekam. In der Hundshütte (so heißt die Waldabteilung), vollbeladen mit 5-6 m3 Buchenstammholz. Der Fuhrmann hatte sich auf den Bremser verlassen, als beide es bemerkten war es schon zu spät. Durch mehrere querlaufende Wasserrinnen schoss der Wagen mit den Pferden vorne weg, bei einer weiteren Wasserrinne riss die vordere Bindekette, ein Stamm schoss nach vorne drückte das eine Pferd zu Boden und die Vorderachse mit dem gesamt beladenen Vorderwagen blieb auf dem Pferderücken liegen. Das niedergedrückte Pferd hielt mit einem lauten Knall das ganze Fuhrwerk auf.

Das Handpferd stand unversehrt neben der Deichsel. Nun mussten wir mit Winden den kompletten Vorderwagen hochwinden, anschließend mussten wir das schwerverletzte Pferd unter dem Vorderwagen befreien. Mit allen Kräften konnten wir das Pferd auf die Vorderbeine bringen. Ich legte ihm erst eine Decke um Rücken und Bauch und dann eine Kette um und zog mit dem zweiten Pferd das verletzte Pferd unter der Achse vor. Wir zogen und schleiften das Pferd halbwegs auf die Seite damit wir mit dem beladenen Wagen zum Holzplatz am Main fahren konnten. Das verunglückte Gespann mit luftbereiften Wagen gehörte Fritz und Sohn Eugen Fleckenstein aus Erlach. Das zweite Gespann mit Wagen gehörte Opa August Greßer. Ich sehe und höre heute noch wie sich das Pferd auf die Vorderbeine stellte und uns mit traurigem Blick nachwieherte. Der Pferdemetzger stellte abgeschlagenes Rückgrat fest. Wir holten unseren beladenen Wagen am nächsten Tag, denn wir hatten ein Pferd bei Fleckenstein mit angespannt.

 

Walter Kimmel war schon einer der jüngeren Generation mit luftbereiften Wagen. Diese Wagen waren bergan von den Pferden sehr schwer zu ziehen. Dagegen war ein Leiterwagen mit Holzrädern und Eisenbeschlägen leichter zu ziehen. Ein Leiterwagen war mit ca. 4-5 Ster Holz beladen.

Um näher auf Walter Kimmel einzugehen: Er betrieb das Pferdefuhrwerk 18 Jahre lang. Einmal erzählte er mir, dass er beim Holzrücken (starkes Fichtenstammholz) mit einem Fuß zwischen Stamm und Stock kam, als die Pferde angezogen hatten. Er war fest eingeklemmt und konnte sich erst nach längerer Zeit selbst befreien. Dies geschah im Winter bei Eis und Schnee und er war alleine bei dieser Arbeit.

In den 18 Jahren hatte Walter Kimmel 8 Pferde. Auch er fuhr mal im Hafenlohrtal Holz. Aus irgendeinem Grund brach die Deichsel. Der beladene Wagen kam nach links. Walter Kimmel konnte noch abspringen und im letzten Augenblick die Bremse zudrehen sonst wäre der Wagen umgekippt.

Es sind wahre Erinnerungen von Walter Kimmel und mir.

 

Familie Nätscher

Die Familie Nätscher besaß ebenfalls Pferde, zu sehen auf der linken Seite. Das Haus der Familie Nätscher befindet sich Heute im Besitz der Familie Mannsbart.

 

 

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