Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Illustration: G.S.H. Schüll
Lageplan der Schleuse Rothenfels, 1953, G.S.H.Schüll
   

Bild Wasser und Schifffahrtsamt
Der Bau der Schleuse Rothenfels
  Die Schleuse Rothenfels am Main 

Erstellt am 26.04.2007

 

 

Staustufe Rothenfels – bedeutsames Glied in der Schleusenkette des Großschifffahrtsweges Rhein – Main – Donau

 

Aus dem Buch: OSTSPESSART, 1953, von Ernst A. Englert, Illustration G.G.H.Schüll.

 

Wir stehen an einer der 56 geplanten Schleusen von Aschaffenburg bis Passau, auf dem Großschifffahrtsweg Rhein – Main – Donau, an einem der 61 eingeplanten Kraftwerke, die nach Vollausbau einmal eine jährliche Leistung von 2,5 Milliarden kWh (Kilowattstunden) erbringen. Großartig die Planung, gewaltig der Schifffahrtsweg vom Rhein über den Main, über Ludwigskanal und Altmühl zur Donau, die Verbindung von Nordsee und Schwarzem Meer.

Bis zur Einmündung in die Donau wird der Großschifffahrtsweg mit 1500 Tonnenschiffen befahrbar sein. Von Aschaffenburg bis zur Landesgrenze unterhalb Passau ist ein Weg von 683 km.

 

Welch ein bedeutsamer Beitrag zur Verwirklichung des Europagedankens! Segensreich die Auswirkung auf die europäische Binnenwirtschaft. Dabei ein verhältnismäßig billiger Verkehrsweg!

 

Fast 300 m Höhenunterschied sind zu überwinden: Mainz 81,5 m – Aschaffenburg 112,5 m – Rothenfels (Oberwasser) 147,25 m – Würzburg 168,7 m – Scheitelhöhe hinter Nürnberg 406,0 m, bei Einmündung in die Donau 338,2 m.

 

Die Rothenfelser Schleusenkammer ist wie die der übrigen Mainschleusen 300 m lang, 12 m breit, 9 m hoch und kann einen Schlepper und 3 Kähne schleusen. Die Staustufe weist 3 Wehrverschlüsse mit 2 Walzen und einem Versenkschütz in der Mitte. Der Wehrsteg hat die beträchtliche Länge von 190 m.

Der Oberwasserspiegel der Rothenfelser Schleuse mit 147,25 m bleibt immer gleich. Die Gefallhöhe zum Unterwasser beträgt 4,5 bis 5 m.

Die Rothenfelser Schleuse wurde von 1933-1937 gebaut.

 

Gewaltig ist die Stromzeugung des Kraftwerkes!

20 Mill. kWh werden im Jahresdurchschnitt erzeugt. Pro Sekunde stürzen auf die beiden Turbinen 115 cbm Mainwasser. 94 Umdrehungen schaffen die Generatoren in der Minute.

Hier wird der Strom auf 1900 V gespannt, im Transformator nach der Straße zu auf 100 000 V hochgespannt. Die Turbinen weisen eine Leistung von 3000 PS auf.

Das Kraftwerk an der Rothenfelser Staustufe war 1938 fertig gestellt.

 

Schiffe werden geschleust

 

Die Schiffe überwinden die Staustufe mit Hilfe einer Schleuse. Diese besteht aus einer Kammer und wird durch zwei Tore geschlossen, die in den so genannten Schleusenhäuptern untergebracht sind. In der Kammer kann zwischen dem Ober- und dem Unterwasser jeder beliebige Wasserstand erzeugt werden. Dies geschieht, indem man bei geschlossenen Toren entweder die auf Unterwasser stehende Schleuse durch einen Schütz des oberen Tores aus dem Stauraum auffüllt oder indem man aus der auf Oberwasser stehenden Schleuse durch eine Schütz am unteren Tor Wasser nach unten abfließen lässt. Wenn sich bei diesem Vorgang ein Schiff in der Kammer befindet, wird es zusammen mit dem Wasserspiegel gehoben oder gesenkt. Wenn der Wasserspiegel in der Kammer mit dem Ober- oder Unterwasser ausgespiegelt ist, können die Tore geöffnet werden und die Schiffe aus- und einfahren. Vor der Schleuse sind im Ober- und Unterwasser Vorhäfen angeordnet, die vom Fluss durch Dämme getrennt sind und den Schiffen sowohl eine ruhige und ungestörte Einfahrt in die Schleuse erlauben, als auch einen geschützten Raum bieten, in dem sie auf die Einfahrt in die Schleuse warten können, wenn gerade ein anderes Schiff geschleust wird. Die Tore werden zentral vom Schleusensteuerhaus aus bedient.

 

Eine kleine nur 12,5 m lange und 2,5 m breite Kahnschleuse ermöglicht die rasche Schleusung von Fischernachen, kleinen Motorbooten und Sportbooten. Die Bedienung dieser Schleuse kann ohne Mühe von den Benützern selbst vorgenommen werden.

  

Am Fischpass

 

Ober- und Unterwasser der Schleuse sind durch eine Fischtreppe miteinander verbunden. Wie bedeutungsvoll diese Einrichtung für das Steigen der Fische im Main ist, ergab eine tägliche Zählung der aufgestiegenen Fische vom Mai bis September 1957. Es wurden an besonders günstigen Tagen oft mehr als 600 Aale, ferner eine Menge anderer Mainfische gezählt, die sich über die "Aalstiege“ vom Unter- zum Oberwasser auch hochgeschleust hatten.

 

 

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