Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
2007
Justitia
  Das Asylrecht im Kloster Neustadt 

Erstellt am 30.04.2007



Eine wahre Begebenheit um das Asylrecht im Kloster Neustadt

 

 

Das Kirchenasyl hat seine Wurzeln in frühmittelalterlichen Rechtstexten wie der Lex Alamannorum und den Kapitularen Karls des Großen. Dort heißt es, wer seine Zuflucht in die Kirche nehme, dürfe von niemand daraus mit Gewalt entfernt werden, sondern habe Friede, bis man über ihn zu Gericht sitze.

 

In den späteren Landfrieden wurde dieses Gesetz auf fast alle Kirchen, Klöster und Friedhöfe, daneben aber auch auf ganze Dörfer, gewisse Ortsteile oder bestimmte Häuser und Plätze ausgedehnt. Der Schutz war zeitlich beschränkt und galt nicht für Mord, schweren Diebstahl, Straßenraub, Notzucht, für eine Bluttat auf geweihtem Boden. Erreichte der Verfolgte auch nur mit der Hand die Mauer des freien Ortes, oder rief er bei dessen Erreichen ohne ihn betreten zu können "hie freistatt", so war er gegen Zugriffe der Häscher gefeit. Das "Anschlagen" im Kinderspiel ist ein ziemlich eindeutiges Überbleibsel.

 

Anschließend eine wahre Gegebenheit wie das Asylrecht früher im Kloster Neustadt am Main praktiziert wurde.

 

1750 sollte wegen eines gewilderten Häschens ein armer Taglöhner von Neuhütten vor das Tribunal kommen. Der Abt Placidus Reich inszenierte zu dessen Rettung eine richtiggehende Entführung. Als der Arme, den man mit gefesselten Händen an den Schwanz des Husarenpferdes gebunden hatte, am Kloster vorbeitrottete, knallten, wie vorher verabredet, in der Nähe einige Schüsse. Der Husar stutzte, ein bereitstehender Klosterknecht schnitt schnell die Fesseln durch, und der verblüffte Reiter sah gerade noch eine zuschlagende Klosterpforte. Hinter dieser aber genoss der auf diese amüsante Weise gerettete arme Teufel Asylrecht, das ihm niemand streitig machen konnte, das zu tun in den seltensten Fällen auch jemand wagte, denn die Kirche, für die der ursprüngliche Sinn dieses Sonderrechtes ja die Erhaltung eines irdischen Lebens für das Jenseitige und die Rückführung eines "verlorenen Schafes" in ihren Schoß war, beharrte lange auf ihrem Privileg, bis auch dieses, wie so vieles andere, verwässert, vergessen und schließlich überflüssig, wurde.

 

 

 

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