Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Foto Gabi Nätscher 2007
Das Hamburger Vokalensemble begeisterte am Wochenende das Publikum in der Neustädter Pfarrkirche. Foto Gabi Nätscher
  Alte Musik 2007 

Erstellt am 28.09.2007

 

 

Erschienen in der Mainpost am 11.09.2007, Text Gabi Nätscher

Ein Konzert zum Abtauchen

 

Richtig abtauchen und sich loslösen vom Alltagsstress konnten die Zuhörer bei einem Konzert am Samstagabend, den 08. September 2007, in der Neustädter Pfarrkirche St. Michael und Gertrud. Dort war die neunköpfige „schola cantorum st. stephanus“ aus Hamburg zu Gast, ein Kammerchor, der sich auf alte geistliche Chormusik und gregorianische Gesänge spezialisiert hat.

 

Pfarrer Alkuin Mahr hieß die Gruppe unter der Leitung von Friedemann Kannengießer in der ehemaligen Benediktinerabtei Neustadt herzlich willkommen. Ein „kleines Dörflein“ wie Neustadt mit seinen knapp 700 Einwohnern bekomme Besuch von einem Chor aus Hamburg, das sei schon ein besonderes Ereignis. Da habe er einmal nachfragen müssen, wie die Hamburger denn auf Neustadt kommen. Als Antwort erfuhr er vom Chorleiter, dass sie im vergangenen Jahr hier zufällig vorbeigefahren seien, die Kirche gesehen haben und gewusst haben: „In dieser Kirche werden wir einmal singen!“.

 

Geistliche Chormusik

Am Samstagabend war es soweit, der Chor, unterwegs auf einer Reise durch Franken, bescherte mit wunderschönen alten Gesängen und Orgelmusik den rund 100 Anwesenden eineinhalb Stunden voller Andacht, Ruhe und Besinnlichkeit. Mit gesungenen Psalmen, Antiphonen und gregorianischen Gesängen, kurz einer breit gefächerten Auswahl von Stücken aus dem zwölften bis in das frühe 17. Jahrhundert versetzten die vier Sängerinnen und fünf Sänger die Zuhörer in eine alte Welt fern von unserer täglichen Hektik und Schnelllebigkeit. Dabei waren Kompositionen unbekannter Meister und Gesänge von Jakob Arcadelt (1514-1557), Orlando Gibbons (1583-1625), William Byrd (1543-1623), Orlando di Lasso (1532-1594), John Benett (1570-1614), Claudio Monteverdi (1567-1643) und Jan Pietersson Sweelinck (1562-1621). Die einstimmigen gregorianischen Gesänge wie ein „Magnificat“ oder ein „Agnus dei“ sowie ein Conductus aus dem zwölften Jahrhundert wurden natürlich nur von den Männerstimmen, teilweise auch im Wechselgesang dargeboten. Da fühlte man sich wirklich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt.

 

Dazwischen begab sich der Chorleiter Friedemann Kannengießer auch an die Orgel und untermalte mit ausgewählten Stücken aus der gleichen Zeitperiode, teilweise auch von gleichen Komponisten das besonders ausgesuchte Konzert, das in seiner Art perfekt in die alte romanische Kirche Neustadts passte.

 

Der Chor sang mit angenehmen, klaren und sauberen Stimmen, wodurch die Einfachheit der Melodien und teilweise auch Einstimmigkeit der Darbietungen noch besonders unterstrichen wurden. Da bei alten Kirchengesängen der Text mindestens genauso wichtig ist wie die Musik, war dieser im Original (meistens Latein, je zweimal Englisch und Deutsch) sowie in deutscher Übersetzung im Programm abgedruckt, eine hilfreiche Idee.

 

Aber auch ohne Text konnte man die Augen schließen, den besonderen, andächtig und einfühlsam gesungenen, bewegenden Melodien lauschen und einmal dem Alltag entfliehen. Entsprechend bedankte sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus und Pfarrer Alkuin Mahr nochmals mit einem „weltlichen Geschenk“, einem Wein vom Bürgerspital Hl. Geist in Würzburg, dass sie kostenfrei den weiten Weg von Hamburg hierher gemacht hatten. Ohne eine Zugabe ließen die Zuhörer dann auch die „schola cantorum st. stephanus“ nicht gehen.

 

 

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