Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
  Römerlager Main-Lippe 

Anzahl Römerlager
Die Unterschiede Lippe-Main
  Römerlager am Main 

Römerlager Marktbreit
Nur 1 Römerlager bei 280 km Flusslänge von Mainz bis Marktbreit?
  Römerlager in Neustadt? 

War hier ein Römerlager?
Geländerelief mit Bayernatlas
  Römerlager an der Lippe 

Römerlager Lippe
Am Main fand man bisher nur ein Lager in Marktbreit
  Römerlager Marktbreit - das Einzige am Main? - nicht nachvollziehbar! 

Die Römerlager am Main um 0

Um 9 v.u.Z. (vor unserer Zeitrechnung), erbauten die Römer, an der Südspitze des Maindreiecks, das Römerlager Marktbreit. Drusus war damals der römische Feldherr in Germanien.

Das Römerlager in Marktbreit wurde bei einer archäologischen Befliegung des südlichen Maindreiecks am 20. Juli 1985 durch Otto Braasch gefunden. Die Ausgrabungen fanden von 1986 bis 1988 und von 1989 bis 1992 statt. Das Lager lag auf dem Kapellenberg, 50 bis 90 m über dem Maintal. Seine Größe betrug etwa 37 ha, 740x480 m, sein Umfang 2,3 km. Das Lager war für zwei Legionen mit insgesamt ca. 12.000 Mann Besatzung ausgelegt, so groß wie Mainz, das 11 v.u.Z. entstand.
Das Römerlager Marktbreit wurde aber nie mit vielen Soldaten belegt.

Die Platzwahl, die Grundriss-Gestaltung und die Größe der Lager von Mainz und Marktbreit stimmen auffällig überein. Und der Zentralbau in Marktbreit und in Haltern an der Lippe (erbaut 7 v.u.Z.) sieht ähnlich aus.

Der kürzeste Fußmarsch von Mainz über Miltenberg nach Marktbreit beträgt zwar nur ca. 160 km, jedoch war der 280 km lange Wasserweg zu dieser Zeit sicher einfacher und schneller, um die Güter von Mainz nach Marktbreit zu transportieren.
Eine Römerstraße von Mainz nach Marktbreit wurde zudem bis heute auch nicht gefunden.

An der Lippe hat man bis heute schon sechs römische Kastelle gefunden.
Fünf hatte man vor der Zeitenwende gebaut. Anreppen wurde von Tiberius 3 n.u.Z. gebaut und bis 6 n.u.Z. benutzt.
Die Lippe vom Rhein bis zum östlichen Lager Anreppen ist ca. 190 km lang.

Das Lager in Anreppen wurde von Tiberius als Winterlager gebaut. 6 n.u.Z. diente es als Ausgangspunkt für den Feldzug des Sentius Saturninus zu den Markomannen in Böhmen. Der Zeitzeuge Velleius Paterculus nennt für den Feldzug des Sentius Saturninus kein Ausgangslager Mainz. Er nennt auch keine Anzahl der römischen Soldaten beim Feldzug von Sentius Saturninus und auch nicht bei dem von Tiberius, der Carnuntum an der Donau als Ausgangspunkt hatte.

Der Feldzug von Sentius Saturninus verlief vom Winter-Römerlager Anreppen durch das Land der Chatten (über Kassel) nach Böhmen,
nicht entlang des Mains über Marktbreit.
Und 5 Tagesmärsche vor Erreichen der Vorhut der Markomannen wurde der Feldzug von Tiberius und der von Sentius Saturninus abgebrochen.
Es gab kein aufeinander treffen der Römer und der Markomannen im Jahre 6 n.u.Z.!
Und es gab natürlich auch keinen Friedensvertrag. Warum auch?


Mehr Details:
Der Markomannen Feldzug 6 nC ging nicht über Langenprozelten und Marktbreit


Die Versorgungsgüter wurden zur damaligen Zeit von Mainz aus, sicherlich über den Wasserweg Main (vorbei an Locoritum, dem heutigen Neustadt am Main), zum Kapellenberg gebracht.

1981/82 wurden in Mainz bei Bauarbeiten in Rheinnähe die guterhaltenen Überreste mehrerer Fluss-Schiffe aus römischer Zeit gefunden. Es wurden zwei der fünf gefundenen Fluss-Schiffe im Museum für Antike Schifffahrt in Mainz rekonstruiert und sind seitdem dort, zusammen mit den Originalfunden, ausgestellt.

Ein Netz von römischen Lagern wurde sicherlich am Main um 9 v.u.Z geplant und umgesetzt. Sicherlich am Anfang nur über den Wasserweg Main.

Denn die Distanz eines Tagesmarschs von einem römischen Soldaten betrug ca. 35 km.
Das wären ca. 8 Römerlager am Main entlang.
Bzw. 5 Römerlager beim kürzesten Fußmarsch über Miltenberg von 160 km.
Inklusive des Lagers in Marktbreit.

Diesen Land-Ansatz zu verfolgen ist nicht logisch, den im Lager Marktbreit waren nie viele Soldaten.
Römerlager am Main über Land zu suchen, macht sicherlich kein Sinn.
Römerlager entlang des Wasserweg Main zu suchen, macht Sinn.


Die Römer konnten mit Ihren Fluss-Schiffen ca. 90 km pro Tag zurücklegen. Das bedeutet, es fehlen noch 2 Römerlager um 0 v.u.Z. entlang des Mains.

In Neustadt am Main, ca. 86 Flusskilometer entfernt von Marktbreit, existiert eine Befestigungsanlage auf dem Michaelsberg, ca. 2 m künstlich erhöht gegenüber der ursprünglichen Höhe. Sie geht wahrscheinlich auf die fränkische Landnahme zurück.

Vielleicht liegen deren Ursprünge noch früher, als sich die Römer am Main aufhielten und in Marktbreit ein Lager errichteten.
Das zwischen Marktbreit und Mainz kein weiteres römisches Kastell mehr existierten soll, ist schwer nachzuvollziehen und auch nicht logisch.

Eine Auswertung mit Airborne Laserscanning könnte Klarheit bringen, ob sich auf dem gesamten großen Areal (ca. 200 m ost-west x 150 m = 3ha) des Michaelsberg in Neustadt am Main ein Römerlager befand. Ein noch existierender Hohlweg könnte der Befestigungs-Graben des Römerlagers zum Westen hin gewesen sein. Ein Phallus, ein römischer Glücksbringer, wurde in der Nähe des Hohlwegs gefunden, in privatem Besitz.

Man muss sich wirklich fragen, warum bis heute nur ein Römerlager am Main, das in Marktbreit, aus dieser Zeitepoche gefunden wurde. Hat man vielleicht nicht gezielt und nicht intensiv nach weiteren Lagern am Main, zwischen Marktbreit und Mainz gesucht?

Quellen bez. des Feldzugs der Römer zu den Markomannen 6 n.u.Z.:
Römische Geschichte. Historia Romana. Buch übersetzt von Lateinisch in Deutsch und herausgegeben von Marion Giebel, Reclam Verlag, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-15-008566-0
Römische Geschichte. Historia Romana. Online Auszüge in Deutsch aus Giebel Marion, Reclam Verlag, http://www.clades-variana.com/velleius_paterculus.htm

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