Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
2005
Michael Günther, Schlossherr in Homburg am Main, hat schon oft Werke von Peregrin Pögl gespielt.
   

Michael Günther in Neustadt
Michael Günther bei seinem "Perigrin Pögl" Konzert am 06. Juli 2008 in der Pfarrkirche in Neustadt am Main
   

Michael Günther
Michael Günther präsentiert die Kompositionen von Peregrin Pögl in der Pfarrkirche von Neustadt am Main
   

Eine Komposition des Neustadter Klosterkomponisten Peregrin Pögl
OPUS VII von Peregrin Pögl, Mönch aus dem Kloster Neustadt am Main
   

Peregrin Pögl und Wolfgang Amadeus Mozart
Das Konzertprogramm am 06. Juli 2008
  Klostermusik in Neustadt am Main 

Erstellt am 10. September 2005, korrigiert und ergänzt am 07.01.2006 und 19.07.2008

 

 

Informationen von Adelhard Kaspar OSB, Würzburger Diözesan Geschichtsblätter Band 30,

aus dem Klosterbuch der Diözese Würzburg Band I (1873) von Pfarrer Georg Link

und von Michael Günther, Schloss Homburg am Main.

 

Die Pflege der kirchlichen und profanen Musik war im 18. Jahrhundert in den fränkischen Abteien ein Anliegen, um das sich hochbegabte Konventualen erfolgreich bemühten.

Vom einstigen Glanz der hiesigen Region auch in musikalischer Hinsicht zeugen die Werke des Triefensteiner Augustinerchorherren Benedikt Geisler (* 1696, + 1772) und von Peregrin Pögl (* 1711, + 1788) vom benachbarten Benediktinerkloster Neustadt, mit dem eine enge Beziehung bestand.

Neustadt am Main darf auf die musikalischen Leistungen von P. Peregrin Pögl stolz sein, der als Komponist wie als Dirigent und ausübender Künstler in einer noch zu schreibenden Geschichte der Barockmusik in Franken einen beachtlichen Platz einnehmen dürfte53.

 

Der Mainfränkische Klosterkomponist

P. Peregrin Pögl, Neustadts großer Musiker, wurde am 1. März 1711 zu Sandau in Böhmen geboren. Pögl wurde auf den Namen Joseph getauft. Die Familie siedelte nach Franken über, wo u. a. sein Bruder Johann Jacob Pögl als Sekretär des musikliebenden Grafen Rudolf Franz Erwein von Schönborn in Wiesentheid nachweisbar ist. Über Pögls musikalische Ausbildung ist nichts bekannt. Sie dürfte aber mit den Familien von Schönborn und von Hutten in Verbindung stehen. Anfang 1734 schloss sich Pögl dem Orden der Benediktiner in Neustadt an, er legte am 13. Februar 1735 seine Ordensgelübde ab und erhielt den Namen Peregrinus. Im Kloster Neustadt fand Pögl schon ein florierendes Musikleben vor, so ließ Pater Ämilian Hönninger bereits 1734 kirchenmusikalische Werke drucken. Durch den Eintritt von Erwin Schnell im Jahre 1738, einem Sohn des Bamberger Hofmusikers und Musikverlegers Johann Jacob Schnell ins Kloster, hatte Pögl beste Verbindungen zu den Höfen. Es ist nahe liegend, dass die Fa. Schnell bei der Einrichtung der klostereigenen Notendruckerei, in der Pögl publizieren konnte, eine maßgebliche Rolle spielte. Lange versah Pögl das Amt des Chordirigenten. Von ihm sind Hymnen, Antiphone (siehe unten), eine Messe und andere liturgische Gesänge erhalten. Von 1764 bis 1769 war er Prior. Als ein seit Jahrhunderten währender Rechtsstreit über die Reichsunmittelbarkeit der Abtei mit dem Fürstbistum Würzburg wegen einer Publikation der Klosterdruckerei eskalierte, wurde Pögl 1769 durch dieses von seinem Amt als Prior enthoben und zum Zellerar bestimmt. Des Weiteren musste die Klosterdruckerei geschlossen werden. Pögl starb am 15. November 1788. In seinen letzten Lebensjahren war er erblindet. Die "Ephemeris" rühmt ihn als "musicus eminentissimus, permulta opera musicalia edidit". Auf diese Veröffentlichungen weist auch August Lindner hin, ohne jedoch einzelne Titel zu erwähnen.

 

Als Beweis für das Ansehen, das Peregrin Pögl in den Kreisen der Musikfreunde genoss, mag folgender Bericht dienen: Graf Rudolf Franz Erwein von Schönborn meldet von der Feier seines 73. Geburtstages, die in Gaibach begangen wurde, am 29. Oktober 1750 seinem Sohne Melchior Friedrich (d. J.) nach Mainz:

“…es waren 34 Persohnen an der tafel nebst ein Tisch mit 21,… H. Prälat von Schotten hat das ambt gehalten, welches in der musique so schön war, das es für den größten Herren hätte bestehen. Können – von des Jacob seinem brueder, so Peregrin zu closter Neustadt…“54. Der Hinweis auf den Bruder  Jacob unseres Komponisten sollte nicht übersehen werden.

 

Es ist verständlich, dass man in Neustadt auf den gefeierten Mitbruder stolz war, es ist auch der Schluss auf ein reges Interesse an musikalischen Darbietungen im Kloster erlaubt. Der Name Peregrin Pögl blieb auch nach seinem Tode, ja selbst nach der Säkularisation der Abtei lebendig. Link überlieferte zwei Anekdoten aus dem Leben des großen Neustädter Musikers. Die Erzählung von Peregrin Pögls Orgelspiel ohne Partitur in der Wallfahrtskirche Walldürn55 wird im nächsten Absatz erzählt. Die andere Begebenheit, in der von einem Zusammentreffen Mozarts mit Pögl in Neustadt berichtet wird56, wird hier auf zwei weiteren Seiten behandelt.

 

Peregrin Pögls Orgelspiel ohne Partitur in der Wallfahrtskirche Walldürn.

Als dieser P. Peregrin die mit so vielen Registern versehene Orgel in der großen Wallfahrtskirche zu Walldürn bei einem feierlichen Amte spielen wollte, stellten sich mehrere dienstbare Geister auf beiden Seiten an ihn, um die Register zu ziehen. Er wies Sie zurück und besorgte das Kunstwerk allein. Als dieselben ihm die Orgelstimme umdrehen wollten, legte er sie ganz bei Seite und spielte ohne Harmonie mit den übrigen Musikkräften. Die Walldürner nannten ihn deshalb den Neustadter Musik-Hexenmeister. Es war ihm leicht, ohne Vorlage zu arbeiten, weil er dieselbe wie mehrere andere Kompositionen selbst herausgegeben hatte.

 

Fakten über Peregrin Pögl

1. März 1711     geboren in Sandau in Böhmen

13. Feb. 1735    Eintritt in das Kloster Neustadt

30. Mai 1738     Priesterweihe

1746                 erscheint sein Op. I oder II (Obiectum pinnarum tactilium, 6 Cembalo-Sonaten) in Nürnberg, Widmung an seinen Abt Placidius Reich

1747                 erscheint sein Op. III (Sacrificium Deo vespertinum, 6 Vespern) bei Schnell in Bamberg, Widmung an Propst Augustinus Behner, Augustinerchorherrenstift Triefenstein

1754                 erscheint sein Op. V (Incensum dignum in odorem suavitatis, 19 Offertoria) in der Klosterdruckerei Neustadt am Main, Dem einen und dreifaltigen Gott gewidmet

1757                 erscheint sein Op. VI (Gloria in excelsius deo, 6 Messen) in der Klosterdruckerei Neustadt am Main, Gott gewidmet

1763                 erscheint sein Op. VII (Antiphonale Marianum, 32 Antiphonae) in der Klosterdruckerei Neustadt am Main

1764 bis 1769   Prior (Leiter der Verwaltung) von Kloster Neustadt, abgesetzt durch den Bischof von Würzburg

17XX                 Canticum Domini Die-hominis (6 Messen ohne Viola), ohne Ortsangabe, Widmung an Franz Christoph von Hutten, Fürstbischof von Speyer (* 6. März 1706 in Steinbach, heute zu Lohr am Main; Bischof 1743, Kardinal 1761, † 20. April 1770 in Bruchsal)

17XX                 Keine Titelblätter, 6 Messen (4 Messen C, A, D, G; 2 Requiem Es, F) sehr wahrscheinlich gedruckt von Schnell/Bamberg

17XX                 Fracto denum sacramento + Jesu nostri mesere (Antiphonae) handschriftliche Autorenzuweisung, Pögl

1777/78            Pögl und Mozart trafen sich wahrscheinlich in Neustadt

15. Nov. 1788    gestorben im Kloster Neustadt. In den letzten Lebensjahren erblindet.

Die „Ephemeris“ lobt ihn als „musicus eminentissimus, permulta opera musicalia editit“

 

 

 

Weitere musikalische Persönlichkeiten aus dem Kloster Neustadt am Main:

 

P. Amilian Höninger

Ziegelbauer berichtet von ihm, er habe seit 1734 musikalische Kompositionen im Druck herausgegeben61.

 

P. Peregrin Appelius

Aus Link, KIosterbuch I, S. 193.

„Geboren 1753 in Röttingen. Am Benedictusfeste 1802 hielt er in der Stiftskirche zugleich mit P. Augustin die letzte feierliche Benedictinerprimiz. Er war früher Singknabe im Kloster gewesen. Wegen seiner guten musikalischen Anlagen erhielt er bei der Profeß, wobei jeder seinen Taufnamen ablegen und einen neuen Klosternamen annehmen musste, wohl den Namen des früheren hiesigen Virtuosen Peregrin. Nach der Klosterauflösung im Jahre 1803 lebte er mehrere Jahre am fürstlichen Hofe zu Wertheim; im Jahre 1810 übernahm er die Kaplanei zu Esselbach, später die Pfarrverwaltung zu Erlenbach; daselbst 25. Mai 1817 gestorben“.

 

P. Karl Leim

Aus Link, Klosterbuch I, S. 194.

„Geboren 1755 in Röttingen. Wegen vorzüglichen Leistungen im Musikfache lebte er nach der Klosterauflösung am fürstlichen Hofe zu Wertheim. Im Jahre 1811 wurde ihm die Pfarrei Karbach und 1819 die zu Steinfeld übertragen. Er komponierte viele Musikstücke. Bis zu seinem Tode unterrichtet er junge Schullehrer in der Musik, die bei der Prüfung im Seminar zu Würzburg sich auszeichneten (Das ist wieder ein Schüler von P. Karl). Dabei war er ein tüchtiger Seelsorger“.

 

P. Johann B. Löser

Aus Link, Klosterbuch I, S. 195.

„Geboren 1767 in Weiersfeld bei Gemünden. Von 1800 an der letzte Novizenmeister, zugleich auch Prior. Am 22. Dezember 1802 übernahm er die Pfarrei Massenbuch; 1819 die Pfarrei Wenkheim. Vom Jahre 1822 an war er großherzoglich badischer Dekan, indem er das Amt eines Distriktsschulinspektors über den Bezirk Bischofsheim a/T. versah.

Tugend, wissenschaftliche Bildung und musikalische Kenntnisse zeichneten ihn aus.

 

„Die erwähnten P. Karl, P. Peregrin sowie P. Johann waren die besten Organisten der Abtei“.

 

 

Weiter zu Mozart in Neustadt am Main

 

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Die Antiphon ("Gegengesang") bezeichnet im engeren Sinne ein Stück Gregorianischen Chorals, das einem Text, einer Motette oder einem Gottesdienstteil als liturgisch einführendes, abschließendes oder kommentierendes Element gegenübergestellt ist.

Antiphonie in weiterem Sinne ist in allen Kulturen und zu allen Zeiten anzutreffen. Man versteht darunter Arten des Musizierens, bei denen vorgegebene musikalische Elemente von anderen Stimmen oder Instrumenten beantwortet werden. Verwandte Begriffe sind:

Call-and-Response bei Spirituals und Gospels.

Venezianische Mehrchörigkeit.

Concerto grosso.

 

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Literaturhinweise

53 Oberthür schreibt im Taschenbuch für Geschichte, Topographie und Statistik Frankenlands 1798 S. 71: "Wenn einmal die Geschichte des alten Benediktinerklosters Neustadt erscheinen sollte, so wünschte ich, dass nebst unserm P. Placidus Stürmer ja in dessen Nekrologium auch von dem in unserm Vaterlande berühmten Tonkünstler und Komponisten, dem P. Peregrinius Boegner (sic!), eine ehrenvolle Meldung geschehe, noch mehr aber wünschte ich, daß uns einmal irgendein in die Geheimnisse der Tonkunst eingeweihter Franke eine Geschichte dieser Kunst, in unserm an vorzüglich geschickten Tonkünstlern von jeher reichen Vaterlande, lieferte; er dürfte darin diesen Benediktinermönche eben so wenig unter den Todten, als Vogler und Stärkel unter den lebenden berühmten Meistern übergehen."

 

 

54 Fritz Zobeley, Rudolf Franz Erwein Graf von Schönborn (1677-17,54) und seine Musikpflege (Neujahrsblätter hg. von der Gesellschaft für Fränkische Geschichte XXI, 1949) S. 70.

 

55 Link, Klosterbuch 1, S. 259.

 

56 Georg Joseph Saffenreuter, Eichenkränze (1851)

und Link, Klosterbuch 1 (1873), S. 257 f.

 

61 Ziegelbauer - Legipontius III, S. 539.

 

 

 

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