Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Hat Mozart darauf gespielt?
Auf dieser Orgel hat Mozart wahrscheinlich gespielt. Diese Orgel (heute in der Pfarrkirche in Amorbach, Fürst Löwenstein verkaufte sie dorthin) befand sich bis 1805 in der Neustädter Abteikirche.
  Mozart in Neustadt am Main Teil 1 

Erstellt am 10. September 2005, korrigiert und ergänzt am 07.01.2006, 27.01.2006 und 20.07.2008

 

 

Wolfgang Amadeus Mozart im Kloster Neustadt am Main.

 

1777/78 stattete Mozart, das junge Genie, wahrscheinlich dem Kloster Neustadt einen Besuch ab!

 

 

So schilderte Dr. Georg Joseph Saffenreuter01 von Würzburg (* 08.07.1808 Bamberg, † 17.05.1869 Würzburg) die Neustädter Mozartepisode in seinem Gedicht >Der Primviolist< in den "Eichenkränzen", einer Gedichtsammlung, die 1851 in Regensburg erschien. Als Gewährsmann für seine poetisch bearbeiteten Anekdoten und Balladen nennt Saffenreuter selbst, den Wiener Hofprediger (seit 1831) Pater Johann Emanuel Veith (* 1787, 1876).

Und Dr. Saffenreuter, Priester und Gymnasiallehrer und später Direktor am Schullehrerseminar und Bischöflich-Geistlicher Rat war eine Persönlichkeit, der man zutrauen darf, dass sie die Mozartepisode von Kloster Neustadt nicht einfach vom Hörensagen übernahm. Auch lag die Zeit, da Mozart in Mannheim war und Pater Peregrin Pögl († 1788) in Kloster Neustadt lebte, für ihn und vor allem Pater Johann Emanuel Veith nicht allzu weit zurück.

Und zu seiner Zeit gab es noch genug Leute die als Musiker und Zeitgenossen von Mozart (* 27.01.1756, † 05.12.1791) und Pögl Bescheid wissen konnten.

 

Am 23. September 1777 startete Wolfgang Amadeus Mozart, 21-jährig, zusammen mit seiner Mutter eine Städtereise. Er versuchte eine neue und bessere Anstellung zu finden. Zuerst sprach er vergeblich am bayerischen Herzoghof in München vor, danach im Oktober in Augsburg.

Am 26. Oktober 1777 erfolgte die Abreise nach Mannheim zum Hofe des Mannheimer Kurfürsten, wo er das kurfürstliche Orchester und den Kapellmeister und späteren Freund Christian Cannabich kennen lernte. Aber auch hier bekam er weder eine Anstellung noch irgendwelche musikalischen Aufträge.

Er lernte aber die Familie Weber kennen und deren Tochter Aloysia (die Schwester seiner späteren Frau), eine Sängerin, in die er sich verliebte.

 

Mozart war vom 31. Oktober 1777 bis Mitte März 1778 in Mannheim, fast 5 Monate am Stück. Anschließend fuhren er und seine Mutter, vom Vater gedrängt, weiter nach Paris, wo sie am 23. März 1778 ankamen.

Am 3. Juli 1778, um 10 Uhr abends, verstarb seine Mutter in Paris.

Im September 1778 reist Mozart aus Paris ab, trifft im November gegen Vater Leopolds ausdrückliches Verbot wieder in Mannheim ein mit der Hoffnung, Aloysia zu treffen und am Hof eine Anstellung zu finden. Die Webers waren jedoch mittlerweile nach München umgezogen.

Im Dezember dann die Abreise nach München zu den Webers. Seine Liebe wird von Aloisia zurückgewiesen. Aloysias jüngere Schwester Konstanze tut Mozart leid. Zwischen den beiden entwickelt sich eine gute Freundschaft.

 

Der Besuch von Mozart in Neustadt am Main, während seines Aufenthaltes in Mannheim, war wahrscheinlich in dieser Zeit.

 

Es ist auch laut Adelhard Kaspar OSB03, Würzburger Diözesan Geschichtsblätter Band 30, nicht auszuschließen, dass Mozart, während er 1777 und 1778 in Mannheim weilte, durch den aus Würzburg stammenden Abbe Georg Joseph Vogler02 (* 15. Juni 1749 in Würzburg; † 6. Mai 1814 in Darmstadt) von Peregrin Pögl gehört haben könnte. Vogler war 1777/78 Kapellmeister am Mannheimer Hof.

Beachtlicht erscheint auch, dass der große Musikus des Klosters in jenen Tagen, Peregrin Pögl, vom jugendlichen Mozart sprach, als dieser nach Neustadt kam, und 1777 war Mozart erst 21 Jahre!

Von Frankfurt aus, wo Mozart 1790 bei der Kaiserkrönung war, konnte er freilich Pater Pögl in Neustadt nicht mehr besuchen. Pater Peregrin Pögl ist am 15. Nov. 1788 im Kloster Neustadt gestorben.

 

Mozart, der ja nicht nur Opern schrieb, sondern auch Messen, Motetten, Vespern, ein Sancta Maria und das Ave verum und der mit dem Requiem auf den Lippen gestorben ist, dessen beste Freunde, der Abbe Bullinger (Franz Joseph Johann Nepomuk Bullinger * 29. Januar 1744; † 9. März 1810) und der große Musikgelehrte Padre Martini, zwei Priester waren, wusste sicher auch etwas von Peregrin Pögl in Kloster Neustadt, der ein Virtuos im Orgelspiel war und die ernste Kirchenmusik beachtlich gehoben hat.

(Bullinger war mit der Familie Mozart eng befreundet. Im Juli 1778 schrieb Wolfgang Mozart einen Brief an Abbe Bullinger mit der Bitte, Mozarts Schwester Nannerl und seinen Vater Leopold über die schwere Krankheit und den Tod seiner Mutter am 3. Juli in Paris mündlich vorzubereiten).

 

Pögl veröffentlichte eine Reihe musikalischer Werke, besonders Messen. So war Pögls Name Mozart bestimmt nicht unbekannt, und an dem Besuch Mozarts in Kloster Neustadt - es muss natürlich nicht gerade am Tag des Benediktusfestes gewesen sein - ist kaum zu zweifeln.

Die Orgel auf der Mozart wahrscheinlich in der Abteikirche in Neustadt gespielt hat, befindet sich heute in der Pfarrkirche in Amorbach. Sie wurde nach der Säkularisation des Klosters Neustadt von Fürst Löwenstein im Jahre 1805 leider nach Amorbach verkauft worden.

 

 

 

Der Primviolinist (Ein Gedicht von Saffenreuter)

 

Zu Neustadt am Main

Fand einstens sich ein

Ein Mann auf dem Chor.

Nicht ragt er hervor

Durch Putz und neue Schnitte

Wie will der Mode Sitte.

 

Der Rektor gebeut:

Es sei an der Zeit,

daß sich dem Bereich

der Orgel sogleich

Wer nicht herein gehöre,

Enzieh', daß er nicht störe.

 

Da hat sich genaht

Der Fremde und bat,

Man möchte doch ihn

Die Primviolin

Beim Amte spielen lassen

Er würd' dazu schon passen.

 

Der Rektor beschaut

den Fremden und traut

Dem Manne nicht recht;

Er war ja so schlecht

Am ganzen Leib gekleidet

Was auf nichts Gutes deutet.

 

Doch was er begehrt

wird endlich gewährt.

Nur bleibet ihm nah

Der Rektor, daß ja,

Wenn jener weich' vom Ziele

Er gleich das Rechte spiele.

 

Die Messe beginnt.

Der Fremde gewinnt

Bei jeglichem Strich

Die Herzen für sich.

Er Iehrt, wie Gott man diene

Mit einer Violine.

 

Was außen er spielt,

Ist innen gefühlt;

Sein Spiel ist Gebet.

Vom Geiste umwebt.

Ist er in Gott versunken,

Schlägt aus der Geige Funken.

 

So spielet er fort

Zum letzten Akkord.

Die Messe ist aus;

Ein Beifallgebraus

Ertönet von den Choristen

Dem Primviolinisten.

 

Am tiefsten bewegt

Und freudig erregt

Sprach jetzt zu dem Mann

Der Rektor: „Es kann

Mit solchen Tiefgefühlen

Rein Mozart spielen“.

 

Der Fremde begann:

„Ihr nennet den Mann,

Der eben gespielt,

Wie er es gefühlt

Bis zu der Messe Amen,

Bei seinem rechten Namen.“

 

Hoch jubelten All'.

Mit rauschendem Schall

Begleiten sie ihn.

Zum Abte nun hin,

Der ihn mit Allem ehrte,

Wie es der Kunst gehörte.

 

 

 

Weiter zu Mozart in Neustadt Teil 2.

 

 

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Literaturhinweise

01: Georg Joseph Saffenreuter, Eichenkränze (1851).

 

02: J. Fröhlich, Biographie des großen Tonkünstlers Abt Georg Joseph Vogler, Archiv des historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg 8 (1845).

 

03: Adelhard Kaspar OSB, Würzburger Diözesan Geschichtsblätter, Band 30, 1968, Seite 208 – 227.

 

 

 

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