Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
G. S. H. Schüll
Gründung: Karl der Große
   

G. S. H. Schüll
Klostervogt
   

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Gerichtsbarkeit
   

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Kriegsnot
   

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Wallfahrt
   

G. S. H. Schüll
Aufhebung 1803
   

G. S. H. Schüll
Pfarrer Link: Inszeniertes Begräbnis
  Der Festzug bei der 1200 Jahrfeier im Jahre 1969 

Erstellt am 25.09.2005

 

 

Der Festzug am Sonntag, den 6. Juli 1969, 14 Uhr.

Entnommen aus der Festschrift zur 1200 Jahrfeier.

 

Weg: Siedlung, Hauptstraße, rechte Dorfstraße, zurück zur Hauptstraße, Klosterhof.

Kapellen: Spielmannszug Partenstein, Blaskapelle Neubrunn, Musikkapelle Pflochsbach, Blaskapelle Neustadt.

 

Erklärung der einzelnen Szenen im Festzug:

 

Gründung

768 oder 769 dankte Megingaud, der zweite Bischof von Würzburg, ab, zog sich mit einigen Begleitern nach Neustadt zurück und gründete da ein Benediktinerkloster. Um sein Werk vor fremden Zugriffen zu schützen, unterstellte er es dem Schutz des Kaisers. Dass die Stiftung auf die hl. Gertraud zurückgehe, ist Legende.

 

1. Münster (Ende 8. Jahrhundert)

Es ist ein ausgesprochener Glücksfall, dass uns noch Teile der ersten Klosterkirche erhalten sind: Das Kernstück der Vierung, eine Turmwand und die Fundamente mit etwas aufgehendem Mauerwerk; gerade so viel, dass man das Bauwerk rekonstruieren kann. Das Modell bietet eine getreue Nachbildung. Die linker Hand des Kirchendurchgangs zu sehenden Reste des karolingischen Münsters stellen ein Baudenkmal allerersten Ranges dar. Der Fachmann (Prof. Boeckelmann) schreibt: "Der Neustädter Vierungsbau stellt die einzige noch bestehende abgeschnürte Vierung aus frühkarolingischer Zeit in Deutschland (außer Pfalzel bei Trier) dar. Die hohe Nordwand in Neustadt ist der einzige tatsächliche Zeuge eines frühkarolingischen Vierungsturmes... das einzige frühkarolingische Baudenkmal, das in Mainfranken sich noch erhebt."

 

Sachsenmission

Das sächsische Bistum Verden (bei Bremen) ist eine Gründung der Klöster Neustadt und Amorbach. Karl der Große und Ludwig der Fromme haben sich ihrer Eigenklöster bedient, um die schwierige Aufgabe der Sachseneingliederung in ihren Herrschaftsbereich durchführen zu können. Mit den Kriegern schickten sie die Mönche als Missionare und Kulturbringer. Zur besseren Koordinierung der Kräfte übertrugen sie bisweilen einer einzigen Person sowohl die Leitung der beiden Klöster wie auch die des Bistums. So war zum Beispiel Spatto Abt von Neustadt, Abt von Amorbach und gleichzeitig Bischof von Verden.

 

2. Münster

Etwa 350 Jahre nach dem Bau des ersten Münsters errichteten die Mönche die große Abteikirche; das war um 1120. Bischof Julius Echter (1573-1617) ließ sie umbauen. Er verlängerte den Chor, zog Sterngewölbe ein, setzte Spitzhauben auf die Türme, alles in gotischer Art. Romanische Bauteile wurden zerschlagen und als Bauschutt verwendet. Im Barockzeitalter wurde die Kirche mit mehr als 20 Altären ausgestattet und besaß eine herrliche Orgel, die heute noch in der Pfarrkirche zu Amorbach zu sehen ist. Nach dem Brand (1857) wurde die Kirche in ihrer anfänglichen, romanischen Art wiederhergestellt. Ursprünglicher Bestand sind die Säulen und Pfeiler, die Triumphbögen und die Mauern bis auf halbe Höhe. Das Gotteshaus birgt wertvolle Grabmäler und Steinreliefs aus dem 12. und 14. Jahrhundert. Das Modell gibt die Kirche in ihrer romanischen Gestalt wieder.

 

Kiosterjäger

Das Kloster hatte von Anfang an großen Waldbesitz, wie aus dem Stiftungsbrief Karls des Großen hervorgeht: „… Vom Mainfluß über den Lachberg, von da zum Erphenbrunn durch das Erphenbuch, von da zum Benninbetti (Neustadter Tor), von da abwärts durch das Wiglofstal über das Flüßchen (Hafen-)Lohr, dann aufwärts zum Langenrain über den Staufling bis zu dem Platz, genannt "Turn" (gegenüber dem heutigen „Metzenschnabel"), von da wieder abwärts bis zum Schonertstal an den Wachenbach, diesen abwärts bis zum Einfluß des Steinbachs (Heinrichswasser), dann über den Trautberg auf die Höhe von Altfeld, zuletzt den Kunilinsbach (Klingelsgraben) abwärts bis zum Main.“

Es war der "Klosterspessart" und dazu gehörte von jeher auch der Klosterjäger.

 

Klostervogt

Schutzvögte hatten die Aufgabe, gegen bestimmte Rechte und Abgaben die Schirmherrschaft über Klöster und fromme Stiftungen zu übernehmen. Auch Neustadt hatte seinen Schutzvogt; zuerst in den Herren von Grumbach. Marquard v. Grumbach baute gegen den Willen des Abtes im Jahre 1148 die Burg auf dem Rottenfels, von wo aus das Kloster vielerlei Bedrängnis erfuhr. Wie anderwärts waren aus den Schirmherren Zwingherren geworden.

 

Gerichtsbarkeit

Die Gerichtsbarkeit über das Neustädter Klostergebiet lag beim fürstbischöflichen Amtmann auf der Burg Rothenfels. Zu seinem Amtsbereich gehörten unter anderem die Dörfer Hafenlohr, Steinfeld, Waldzell, Ansbach, Erlach, Pflochsbach, Sendelbach, Zimmern und Karbach.

 

Klosterschule

Lorenz Fries berichtet, dass zu Megingauds Zeiten „der ostfränkische Adel und die Graven und Herren zu Francken begunten anzufangen, ihre kinder fleißig und häuffig zur schule und lahr anzuhalten". Sicher hat Megingaud selber größten Wert auf die Gründung und Unterhaltung einer Klosterschule zu Neustadt gelegt, deren in den folgenden Jahrhunderten auch immer wieder Erwähnung getan wird. Es wurden laufend 4, zu des Julius Echter Zeiten 7 bis 10 Schüler im Kloster ernährt und unterrichtet. Im Inventar von 1555 wird die Schulstube erwähnt: Sie war ausgestattet mit einer tannenen Schreibbank, einem Stuhl und einem Gießfaß nebst Behälter. Besonderer Wert wurde auf das Singen gelegt. In einem Dokument von 1348 heißt es: "Ein Singmeister soll in seinem Amte mit allem Nutzen verbleiben und darin tun wie von alters herkömmlich.'

 

Mit Neustadt verbunden

Mehr als vierzig Ortschaften - bis in den Schweinfurter- und Ochsenfurter-Gau standen mit Neustadt in engster besitzrechtlicher oder seelsorglicher Beziehung.

 

Kriegsnot

1525 fielen die Bauern ins Kloster ein. Die Geistlichen nahmen eilends die Flucht in die Burg Rothenfels. Die Bauern verwüsteten alles, entheiligten die Kirche und die Altäre, raubten alle Kirchen- und Hausgeräte von Wert; was sie nicht fortführen konnten, zerstörten sie. Im 30jährigen Krieg wurde das Kloster von Schweden überfallen und kam für ein Jahr in den Besitz des Lorenz Grubben von Nabben, Geheimsekretär der schwedischen Majestät (1633). 1637 fielen 100 Kroaten ein, 1642, 1648 und noch einmal 1796 die Franzosen.

 

Liborius Wagner

Die Grausamkeit des 30jährigen Krieges mussten nicht nur die Mönche in Neustadt erfahren, sondern auch der in der klostereigenen Pfarrei Altenmünster wirkende Weltpriester Liborius Wagner, der vom 6. bis 9. Dezember 1631 von Soldaten zu Tode gemartert wurde. Die Seligsprechung dieses fränkischen Priestermärtyrers steht unmittelbar bevor.

 

Wallfahrt

Drei Wallfahrten standen in enger Beziehung zu Neustadt: Mariabuchen befand sich im Bereich der zur Abtei gehörenden Pfarrei Steinfeld; weiter Retzbach, wo das Kloster einen Propst mit einigen Mönchen stationiert hatte, denen nicht nur die Seelsorge der Pfarrei, sondern auch die Wallfahrt "Maria im grünen Tal“ oblag. Sodann gab es auch eine Wallfahrt nach Neustadt selbst, zu den "Spuren der heiligen Gertraud" auf dem Michelsberg.

 

Mozart und Poegel

Pater Peregrin Poegel, ein bedeutender Musiker aus dem Kloster Neustadt, von den Walldürnern "Neustadter Musik-Hexenmeister" genannt, komponierte eine größere Anzahl bedeutender Werke, die damals weit verbreitet waren und viel gespielt wurden. Heute schlummern sie in Bibliotheken und Achiven und harren einer Neuveröffentlichung.

Die Erzählung vom Besuch Mozarts in Neustadt scheint eher Dichtung als Wahrheit zu sein.

 

Aufhebung 1803

Am 22. Januar 1803 wurde die Abtei Neustadt säkularisiert. Das Kloster mit all seinen Besitzungen und Rechten fiel als Entschädigung an den Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

 

Brand 1857

Im Jahre 1857 wurde die große Abteikirche mit angrenzendem Kloster durch Brand zerstört.

Es existiert ein Augenzeugenbericht von Pfarrer Link.

 

Pfarrer Link

Pfarrer von Neustadt von 1848 bis 1901, Original im Priesterrock.

 

Neuer Beginn

Jahrzehnte standen die Klosterruinen verwaist, bis Missionsdominikanerinnen auf dem traditionsreichen Boden ein neues Kloster errichteten (zugezogen 1909, gebaut 1961). Mit Mission begann diese 1200jährige Geschichte, mit Mission wird sie weitergeführt.

 

Text: R. Langhans

Illustration: G. S. H. Schüll

 

 

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1969
Links Erika Morgenroth als Gertrud. Rechts Roland Weyer als Kaiser Karl.
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