Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Von 1857 bis 1960, 103 Jahre
Die Klosterruine um 1950 - Bild aus dem Archiv der Dominikanerinnen
   

Grundriss Basilika Neustadt/Main 1857
Der Grundriss der Basilika von Neustadt am Main nach dem Brand im Jahre 1857
  Der Kirchen und Klosterbrand in Neustadt am Main am 26. 05. 1857 

Erstellt am 27.05.2006, korrigiert am 11.01.2010

 

Der Kloster- und Kirchenbrand

 

Am Dienstag, dem 26. Mai 1857, abends 5 Uhr schlug ein Blitz in die beiden Türme der Klosterkirche ein. Kirche und Kloster brannten dadurch bis auf die Grundmauern ab.

Die Kirche wurde daraufhin vom Fürst Löwenstein wieder aufgebaut und 1879 wieder eingeweiht.

Das Kloster stand dann über 100 Jahre als Ruine und wurde 1960 leider gesprengt. Besonders verhängnissvoll war, dass das Denkmalpflegeamt in Würzburg Grabungen ablehnte.


 

Der Augenzeugenbericht von Pfarrer Georg Link.

Erschienen in seinem Buch von 1872 „Beschreibung der Benediktiner-Abtei Neustadt“.

 

Am Dienstag, dem 26. Mai 1857, abends 5 Uhr sollte der Gottesbau vernichtet werden. Ein Blitzstrahl fiel bei nicht sehr heftigem Gewitter herab, teilte sich oberhalb der Türme und sandte in jeden derselben den Donnerkeil.

 

Im südlichen Turme entzündete derselbe das Gebälk beim Eindringen in die oberste sowie beim Ausfahren aus der untersten Gaupe. Leicht war es uns, dieses unterste Feuer sogleich zu löschen, aber unmöglich, zum obersten ganz kleinen Feuer durch das eng ineinander liegende hohe Gebälke zu dringen.

 

Nach kurzer Zeit brannte im nördlichen Turme die Helmstange und das Feuer verbreitete sich schnell abwärts. Handspritzen waren leider nicht vorhanden; die angekommenen großen Feuerspritzen konnten unmöglich die in Flammen stehenden hohen Türme erreichen.

 

Ein Sturmwind wälzte diese Turmflammen über den Chor sowie das Kreuz- und Hauptschiff, aus welchem die im Speicher aufgestellte Mannschaft nur mit Not zur rechten Zeit noch fliehen konnte. Das nördliche Nebenschiff wurde von mir durch die Waldzeller Spritze, welche da zum ersten Mal ins Feuer kam, bis nachts 1 Uhr erhalten, der Schlauchführer musste jetzt zum "Ab“ kommandiert werden, weil das Feuer von allen Seiten durch den Sturm herbeigeführt wurde.

 

Um 11 Uhr war der mit der Kirche ein Viereck bildende Konventsbau noch unversehrt. Obgleich jetzt sieben Spritzen mit zahlreicher Mannschaft arbeiteten, so loderte doch eine halbe Stunde darauf der ganze großartige Bau beim heftigen Wind in hellen Flammen auf.

 

Leider mussten die an dem großen Saale aufgestellten Bücher und Papiere eingeäschert werden. Es wurde der Auftrag gegeben: "Lasst die Schinken verbrennen"; während altes Gerümpel heraus getragen wurde. Mir war die Benutzung und Durchforschung dieser Dokumente zuvor deswegen verweigert worden, weil darin Rechte enthalten seien, deren Kenntnis mir nicht gestattet werde!

 

Der Chor wurde vom Feuer verschont, weil wir, durch das Chorfenster einsteigend, die bereits brennende Kommunikantenbank löschten, damit die Flamme nicht die Chorstühle und den Altar erfassen konnte.

 

Das Gewölbe über dem Chor war so stark, dass es vollständig aushielt, obgleich die schweren Balken darauf verbrannten und auch die von den Türmen fallenden Balken nun die Glut schürten. Ebenso widerstand auch das Gewölbe des Kreuzschiffes.

 

Alle Mühe wurde angewendet, um die lieben sieben Glocken auszuheben. Allein vergebens. Sie mussten alle ihr Marterblut in den Flammen tropfenweise vergießen. Dieser Glockenschmelz wog 26 Zentner, die vorhandenen Stücke 24 Zentner. Am meisten ist der Verlust der zweitgrößten Glocke mit der Jahrzahl 1289 zu bedauern. Sie war nur um 40 Jahre jünger als die älteste in unserer Diözese, nämlich die Katharinenglocke zu St. Burkard in Würzburg. Wahrscheinlich wurde sie in der Werkstätte des Klosters Niederaltaich gearbeitet, welches in früherer Zeit mit dem hiesigen Kloster eng verbunden war. Diese Glocke hatte die Form eines Bienenkorbes. Abweichend von der jetzigen Form war die unsrige sehr länglich gebaut. Nach Schätzung von Claus in Heidingsfeld wog sie 24 Zentner. "Bis nach Paris", äußerte mancher Kenner, "habe ich eine so wohlgeordnete Harmonie der Töne nicht getroffen." Vorzüglich anmutig war das Festgeläute der drei größten; es war eine hochfestliche Musik. Das Geläut von Fritzlar glich dem unsrigen.

 

Wer beschreibt die große Wehmut der Gläubigen von hier und der Umgegend bei der Einäscherung ihrer Heiligtümer! Wer zählte die Tränen beim ersten Gottesdienste am folgenden Pfingstfeste auf dem Michaelsberge?

 

 

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