Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Südlich von Neustadt
Der Ringwall am Gaiberg in Neustadt am Main. Bildquelle: L. Wamser, 1250 Jahre Bistum Würzburg
   

Bild Klaus Weyer
Der Ringwall auf dem Gaiberg im Jahre 2007
   

Kelten in Neustadt am Main
Unsere Gegend war bis zum 5. Jhd. v.u.Z. keltisches Kerngebiet. Quelle: Landesamt für Denkmalpflege Hessen
  Der Ringwall, der Thingplatz bzw. die Pingmauer am Gaiberg 

Erstellt am 11.02.2008, ergänzt am 05.05.2008 und 21.08.2008

 

 

Der Gaiberg

Aus der Zeitschrift Spessart, Monatsschrift des Spessartbundes, September 1960, von Werner Franck.

 

Das Kloster Neustadt und der später sich um die Abtei gruppierende Ort liegen am Fuße des Gaibergs. Dieser Gaiberg trägt eine vorgeschichtliche Wallanlage. (Genauere Spatenforschung ist nach meinem Wissen und auch nach dem Wissen des Heimatpflegers des Kreises Lohr, Direktor Oskar Bauer, bislang noch nicht dort vorgenommen worden.)

 

Gehen wir vom Namen des Berges aus, so können wir sprachwissenschaftlich auch Gäuberg oder Gauberg sagen, und damit kommen wir den Dingen insofern näher, als in dieser Ringwallanlage ein Versammlungsplatz der germanischen Gaugenossenschaft war. Diese alten Wallburgen werden meist fälschlich als "Fluchtburgen" bezeichnet. Das mag für einige der vielen hundert Wallburgen, die wir hier in deutschen Landen kennen, auch zugetroffen haben. Es ist weiter keineswegs ausgeschlossen, dass die aus anderer Ursache angelegten Wallburgen auch einmal als militärische Stützpunkte benutzt worden sind. Der Grund für ihre Anlage ist aber ein anderer.

Dass fast alle bekannten deutschen Wallburgen kein Wasser haben, ist ein eindeutiger Beweis, dass sie niemals als Fluchtburgen für Mensch und Vieh angelegt worden sind, denn die hätten sich kaum eine Woche dort halten und verteidigen können, womit der Begriff "Fluchtburg" hinfällig wurde. Auch für Gaiberg trifft diese Wasserlosigkeit zu.

 

Was sind aber diese WalIburgen nun gewesen? Sie waren nichts anderes als die Kultstätten, wohin unsere germanischen Vorfahren an den hohen Festen des Jahres zogen, um der Gottheit zu dienen. Dafür gibt es einen überzeugenden Beweis in unserer Sprache. Wir sprechen heute von der Wallfahrt und bezeichnen damit einen Zug gläubiger Menschen zu irgendeinem Heils- und Gnadenort. Aus christlicher Anschauung lässt sich aber dieses Wort "Wallfahrt" nicht erklären. Zwar setzen wir in seinem Sinngehalt das Wort "wallen" gleich ziehen und das Wort "fahren" gleich wandern (fahrende Schüler, Landfahrer), wir dürfen aber getrost annehmen, dass unsere Vorfahren mindestens so klug und überlegend waren wie wir und nicht Bezeichnungen für irgend eine Sache wählten, die wir Heutigen als "doppelt-gemoppelt" bezeichnen würden.

 

Das Wort "wallfahren" kann darum nichts anderes bedeuten, als die Fahrt, den Zug, die Wanderung zum Wall. Der Wall war ein feststehender Begriff, der als Teil für das Ganze (wissenschaftlich: Pars pro toto) gesetzt wurde und womit man eben die Kultstätten bezeichnete, die mit dem Wall als Grenze zwischen profanem und sakralem Bezirk umhegt war. Ähnlich wie heute der Landbewohner im Kreis Lohr sagt, er gehe in die Stadt und mit der Stadt nicht irgendeine meint, sondern eben Lohr, seine Kreisstadt; so fuhr, wanderte, zog eben der Gaugenosse zu dem Wall, der in seiner Genossenschaft lag, und meinte damit die für ihn zuständige Kultstätte.

 

Diese kultische Eigenschaft und Bestimmung der Wallburgen wird auch von der christlichen Bekehrungszeit her erhärtet. Papst Gregor 1. der Große, der die Angelsachsen, also Völker germanischen Ursprungs, und die Iren und Schotten christianisierte, gab nämlich seinen Missionaren einen bemerkenswerten Auftrag mit auf den Weg. Sie sollten, so heißt es sinngemäß in dieser Anweisung, die christlichen Kapellen und Kirchen an die Stätten bauen, wohin das Volk gewöhnt sei zu gehen. Das heißt also mit anderen Worten, dass man christliche Gotteshäuser entweder in die oder unmittelbar an die vorchristlichen Kultstätten baute. Dass dieser Auftrag Gregors fast buchstabengetreu befolgt wurde, dafür gibt es Hunderte von Beispielen in Deutschland. Die Anordnung galt auch für die Frankenapostel, die ja iro-schottischer Herkunft waren und denen darum dieses Papstgebot geläufig sein musste.

 

Zum Beweis dessen sei auch in diesem Zusammenhang der zweite Teil des päpstlichen Auftrages erwähnt, der sinngemäß so lautete, dass man, konnte man die alten Kultstätten nicht in christliche Stätten umwandeln, sie verfluchen oder wie der Fachausdruck lautet: Satanisieren sollte. Dass auch dieser Teil des Auftrages buchstäblich befolgt wurde, erklärt die Fülle von Flurnamen, die mit Teufel, Hölle und Hexe zusammenhängen. Stimmt das eine, ist auch das andere richtig.

Genauso ist man auch mit dem Gaiberg verfahren.

 

 

 

Am „Keltenringwall“

Aus dem Buch: OSTSPESSART, 1953 + 1958, von Ernst A. Englert, Illustration G.G.H.Schüll.

 

Weiter führt der Weg zur Kuppe des Geybergs, hin zum „Keltenringwall“ oder der „Pingmauer“, wie das Volk ihn bezeichnet. Nur wenige Steine sind hier zu sehen und doch bietet sich uns hier ein bedeutender Zeuge aus vorgeschichtlicher Zeit.

 

Heute stehen die letzten Reste des Steinwalls unter Denkmalschutz. Fast zu spät. Als man die Mauern am Mainufer baute, haben findige Leute die Steine der „Ringsmauer“ mit Schlitten hinab ins Tal befördert und in klingende Münze verwandelt. Als man dahinter kam, woher die Steine stammten, waren die meisten schon vermauert.

 

Josef Schnetz beschreibt dieses prähistorische Denkmal 1913/ 14 im Jahresbericht des Gymnasium Lohr, Seite 6 und 7: „Es ist aus losen Steinen von unregelmäßiger Gestalt, wie sie auf dem Buntsandsteinboden des Waldes nicht selten vorkommen oder durch Zerschlagen größerer Blöcke entstehen, aufgebaut, aber durch Wegnähme von Steinen in späterer Zeit bedeutend erniedrigt, Z. T. sogar ganz verschwunden; am besten erhalten ist die Nordostseite, wo ein den Ringwall verstärkender Vorwall beginnt, der sich an der gegen den ebenen Bergrücken schauenden und darum dem Angriff ausgesetzten Nordseite weiterzieht. Eine im Nordosten in das Gefüge der Ringmauer hinuntergehende Vertiefung lässt auf die einstige Existenz eines Wachtturmes schließen. Da bisher noch keine Kleinfunde in oder bei dem Ringwall gemacht worden sind, lassen sich über die Zeit seiner Entstehung keine genaueren Angaben machen.“

 

 

 

Keltische Ringwälle in der Umgebung von Neustadt am Main

 

Ort                                           Was                                                                Entfernung Luftlinie

 

97725 Elfershausen                   Ringwall Schwedenschanze, Hallstattzeit           36,5 km Nord-Ost

63599 Biebergemünd/Kassel      Frühgeschichtlicher Ringwall (500m x150m)        37 km Nord-West

97082 Würzburg, Marienberg      Keltische Fliehburg                                            29,5 km Süd-Ost

63695 Glauburg                         Frühkeltisches Fürstengrab                                59 km Nord-West

97993 Finsterlohr                       Keltisches Oppidum                                          67 km Süd-Ost

 

 

Hügelgräber, Gräber, Siedlungen und Funde aus der Keltenzeit in der Umgebung von Neustadt am Main

 

Ort
im Landkreis
Main-Spessart
Luftlinie
Neustadt
Gaiberg
zum Ort
Vorgesch. Grabhügel,
etc.,
von Jungsteinzeit
bis La-Tène-Zeit
Bronzezeit
2200-1250
Urnenfelderzeit
1250-750
Eisenzeit,
Hallstattzeit
750-450
Eisenzeit,
La-Tène-Zeit
450-0
Ansbach 3,5 km 2        
Ansbach   1        
Ansbach   1        
Ansbach   1        
Billingshausen 11,4 km     Siedlung    
Billingshausen   17        
Billingshausen     Siedlung      
Billingshausen       Siedlung Siedlung Siedlung
Birkenfeld 10,6 km     Brandgräber    
Birkenfeld         Brandgräber  
Birkenfeld     Körpergrab Siedlung 2 Brandgräber
7 Körpergräber
 
Birkenfeld   3 Funde   Funde  
Birkenfeld   1        
Birkenfeld   1        
Birkenfeld   1        
Birkenfeld   14        
Birkenfeld   2        
Birkenfeld       Siedlung Siedlung  
Duttenbrunn 10,5 km 1        
Duttenbrunn   1        
Duttenbrunn         Siedlung  
Duttenbrunn           Glasarmring
Duttenbrunn           Siedlung
Duttenbrunn     Siedlung      
Duttenbrunn       Siedlung   Siedlung
Glasofen 6,9 km 3        
Hausen 7,8 km 16 Funde      
Karbach 6,9 km       Siedlung Siedlung
Karbach   16        
Karbach       Siedlung Siedlung Siedlung
Karbach       Siedlung Siedlung Siedlung
Karbach         Siedlung  
Lohr 9,0 km       Siedlung Siedlung
Neustadt,
Gaiberg.
  Abschnitts
befestigung
       
Oberwittbach 11,4 km       Keramik  
Roden 4,3 km   Siedlung   Siedlung Siedlung
Roden   1        
Rohrbach 10,6 km 3 Funde   Funde  
Rohrbach         Siedlung Siedlung
Rohrbach           Siedlung
Rohrbach           Siedlung
Sendelbach 8,4 km 1        
Steinbach 10,8 km 1        
Steinfeld 7,9 km 8     Funde  
Steinfeld   3        
Steinfeld   7        
Steinfeld         Siedlung Siedlung
Steinfeld   n        
Steinfeld   1        
Urspringen 7,2 km     Siedlung   Siedlung
Urspringen   1       Funde
Urspringen   1        
Urspringen   17        
Urspringen       Siedlung Siedlung Siedlung
Urspringen           Siedlung
Urspringen           Siedlung
Wiesenfeld 11,6 km 1        
Wiesenfeld     Siedlung     Siedlung
Wiesenfeld   n        
Wiesenfeld   Siedlung        

 

  

 

Die Liste der archäologischen Untersuchungen am Gaiberg, Neustadt am Main

 

Jahr

Ort

Wer

Person

Was

Funde

Quellen

1900

Gaiberg Ringwall

PP

Dr. A. Kauth

Studienrat

Handskizze.

Keine.

LW S.171.

(BlfD Würzburg).

1914

Gaiberg Ringwall

Nördlicher

Frontbereich

BlfD Wü

G. Hock

J. Maurer

Provisorische

Untersuchung.

7 Lagen hohe Trockenmauer aus Sandsteinfindlingen.

LW S.172.

BlfD Würzburg.

1991

Gaiberg Ringwall

Südlicher Spornbereich

BlfD

?

Das BlfD weiß nichts davon!

Absuche des südl. Spornbereich mit elektr. Sensoren.

Keine.

LW S.172

BlfD Würzburg

 

Erläuterungen zu den Abkürzungen:


Wer:

PP = PrivatPerson, BlfD = Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Würzburg/München), UW = Institut für Vor- und Frühgeschichte der Universität Würzburg, GVL = GeschichtsVerein Lohr.


Quellen:

LW = Ludwig Wamser und Jürgen Lenssen, 1250 Jahre Bistum Würzburg, 1992.

 

 

 

 

 

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