Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Abt Placidius Reich
Die Bisitation von 1762 wandte sich gegen den Neustädter Abt Placidius Reich
   

  Die Bisitation von 1762 

Erstellt am 06.08.2008

 

 

Die Bisitation vom 18. August 1762

Quelle: Beschreibung der Benedictinerabtei Neustadt am Main, Georg Link, 1872, Seite 38ff.

 

 

Weil es manche Leser interessiert, zu wissen, was man von den Klöstern verlangte, und was ein Kloster leistete, so soll Einiges aus der am 18. August 1762 durch die geistlichen Räthe von Würzburg hier abgehaltenen Bisitation erwähnt werden. Über den allgemeinen Stand des Klosters wurden jedem einzelnen Mitgliede achtzehn, sowie über das Wirken des Abtes (Abt Placidus Reich von 1733 bis 1763; gestorben 1764) dreiundzwanzig Fragepunkte vorgelegt; als wie der Chor besucht, wie die Capitel gehalten, wie die geistlichen Anreden Statt finden, wie die Studien gepflegt, wie Nahrung und Kleidung beschaffen, wie für die Kranken gesorgt, wie der Abt im Geistlichen und Weltlichen haushalte u.s.w. Nach fast achttägiger Dauer schlossen die Commissäre mit folgender ins Deutsche übersetzten Anrede:

 

 

 

„Ehrwürdige und fromme Väter in Christus und übrige Klostermitglieder!

Ich sah das Ende eines jeden Werkes, spricht der hl. Geist; auch dieses von dem hochwürdigsten und gnädigsten Fürstbischofe nach seiner väterlichen Liebe gegen Euch uns aufgetragene Werk hat sein Ende erreicht. Mit den Worten des Patriarchen Jakob hat der besorgte Oberhirt uns zu Euch geschickt „Gehe und sehe, ob Alles gut steht um die Brüder, um das Vieh, und melde mir wieder, wie es steht“.

Wir kamen und sahen genau nach dem Stand dieser geistlichen Genossenschaft wie im Geistlichen so im Zeitlichen. Wir können zwar nicht behaupten, dass es in Allem gut steht um die Brüder dieses geistlichen Hauses, denn was ist in jeder Hinsicht vollkommen unter der Sonne; loben müssen wir jedoch sehr Vieles, vorzüglich die ausgezeichneten Beweise der uralten Liebe für den Schmuck des göttlichen Hauses, für die Zierde und Reinlichkeit der hl. Geräthe und der Altäre, auf welchen unser Herr und Heiland körperlich wohnt. Dieser äußere Kirchenschmuck erscheint als ein Zeichen Eurer inneren Liebe gegen den Herrn. Schimpflich wäre es auch, wenn die Worte des Hugo von Skt. Viktor Geltung bei Euch hätten, wenn er spricht: „Bei vielen Kirchen ist der Tischbecher schöner als der Kelch, der Rock zierlicher als das Messgewand, das Unterkleid delikater als die Albe (Ein knöchellanges Gewand aus weißem Leinen, liturgisches Untergewand über der Soutane, das aber unter dem Messgewand getragen wird.) und reinlicher als das Korporale (Ein gestärktes, quadratisches, weißes Leinentuch, das bei der Eucharistiefeier auf den Altar gelegt wird, um die Hostienschale und den Kelch darauf zu stellen.)“. Fahret so fort im Eifer für den Schmuck der göttlichen Wohnung. Euer Gotteshaus Neustadt soll keine Altstadt und keine Ruine werden. Der gute Stand im Innern und Äußern soll die Worte der hl. Schrift auf Euch anwenden lassen: „Glorreiches ist von dir gesagt worden, Stadt Gottes; ich sah die hl. Stadt geschmückt wie die Braut für ihren Mann“.

 

Wir kamen und sahen bei Vielen den Eifer nach klösterlicher Vollkommenheit und Zucht. Fahret fort, Euch als geistliche Männer zu zeigen, welche im Geiste wandeln, nicht in der Eitelkeit des Sinnes, welche die Werke des Fleisches ertödten, deren Wandel im Himmel ist, und die nicht achten auf Fleisch und Blut.

 

Wir kamen und sahen Eure Sorgfalt im Chorgebete und hörten Gottes Lob in Eurem Munde. Fahret fort, diesseits die Engel nachzuahmen, welche Tag und Nacht den Herrn preisen, damit Ihr mit ihnen im Himmel vereint werdet.

 

Wir kamen und sahen die sehr fromme Gewohnheit der täglichen geistlichen Lesung und Betrachtung; Setzet sie fort mit aller möglichen Liebe. Ein ausgezeichneter Geistesmann behauptet, dass drei Stücke einem geistlichen Manne nothwendig sind; das erste Stück ist die Betrachtung, das zweite Stück wieder die Betrachtung und das dritte Stück nochmals die Betrachtung. Aus der Betrachtung entglimmt das hl. Feuer des Priesters; aus der Vernachlässigung derselben entsteht jener unglückliche Zustand, von dem der Herr spricht, dass er ihm Eckel errege, und das er anfangen wolle, dergleichen Menschen aus seinem Munde auszuspeien.

 

Wir kamen uns sahen das Bestreben, die hl. Studien zu pflegen; setzt es fort und leset besonders gern die hl. Schrift, denn sie ist ja das priesterliche Buch, und der Herr sagt: „die Lippen des Priesters sollen die Wissenschaft bewahren, und das Gesetz Gottes soll man aus seinem Munde entnehmen. Weil du die Wissenschaft weggeworfen, will auch ich dich verwerfen, und du sollst mir das Priesterthum nicht mehr verwalten“.

 

Wir kamen und sahen noch vieles Andere, und es erübrigt uns nur noch, zu dem zurückzukehren, der uns sandte, und ihm Alles zu melden, wie es steht, und zwar mit gleicher Treue das, was Lob verdient, und das, was Verbesserung nothwendig hat; denn die Wunden sehen und nicht heilen, ist nicht Liebe, sondern Grausamkeit. Der Priester und Levit sah den Verwundeten am Wege liegen und ging vorüber; der Samaritan aber trat hinzu, verband die Wunden und goss Öl und Wein darauf. Daher werden wir wie der Samaritan dem hochwürdigsten Oberhirten die Mittheilung machen, ob Wunden aufgefunden wurden. Seine hohe Weisheit wird das Öl väterlicher Milde und den Wein liebevoller Verbesserung aufgießen durch die weiter zu treffenden heilsamen Anordnungen. Wollet aber nicht nachfolgen den Brüdern des Joseph, welche die Worte ihres Bisitators nicht bloß verachteten, sondern ihn aus Hass in eine alte Zisterne warfen; wollet nicht, sage ich, die heilsamen von den kirchlichen Vorschriften empfohlenen Anordnungen der bischöflichen Bisitation mit dem Herzen oder mit dem Munde verachten oder gar in die alte Zisterne der Vergessenheit werfen. Seid vielmehr eingedenk Eurer Vorgesetzten, welche das Wort Gottes an Euch gesprochen haben und die Wache halten, um für Eure Seelen Rechenschaft zu geben; seid eingedenk der Worte, welche täglich der hl. Vater Benedict an Euch spricht, und die Euch ans Herz gelegt hat der hl. Bischof Burkard, der erste Abt dieses Ortes sowie sein Nachfolger Megingaud, welcher auch auf dem Würzburgischen Stuhle sein Nachfolger war; denket wohl an den Felsen, aus dem ihr ausgehauen seid; es ist dies die hl. Stätte des ältesten Klosters, das mit dem Würzburger Bisthum gleichen Alters ist, und welches die Rechte des hl. Burkard und die hehre Freigebigkeit Karls des Großen gepflanzt, Megingaud uns seine Gefährten begossen und Gott der Herr gefördert hat. Sehet wohl zu, dass Ihr nicht abweichet von den Wegen Eurer Väter; dienet dem Herrn an dieser hl. Stätte in Heiligkeit und Gerechtigkeit alle Tage Eures Lebens.

 

Lebet nun wohl und wandelt würdig Eures Berufes mit aller Demuth und Sanftmuth; ertraget mit Geduld und Liebe einander, bemüht, die Einigkeit des Geistes zu bewahren in dem Bande des Friedens; einmüthig verherrlicht Gott wie mit einem Munde; in Euren Gebeten und Opfern seid auch Unserer eingedenk.“

 

 

 

Die Commission hielt in einem an den Bischof (Adam Friedrich von Seinsheim, gewählt am 7. Januar 1755, vom Papst bestätigt am 17. März 1755, seit 21. April 1757 auch Bischof von Bamberg, gestorben am 18. Februar 1779) erstatteten Berichte es für das Heilsamste, wenn dem unthätigen Abte der Rücktritt von seiner Stelle geboten würde. Es kamen jedoch acht Conventualen darum ein, dass diese beabsichtigte Resignation nicht befohlen würde. Der Bischof befahl seinen geistlichen Räthen, in einer so delikaten Sache mit aller Klugheit vorzuschreiten, zumal da der Abt Miene machte, an den Metropoliten in Mainz (Johann Friedrich Karl von Ostein, * 6. Juli 1689, seit 1743 Erzbischof und Kurfürst von Mainz und seit 1756 auch noch Bischof von Worms, † 4. Juni 1763) zu appellieren.

Die bischöfliche Cimmission beschloss sofort, nicht auf den canonischen Wege die Resignation auszusprechen, weil die hiegegen ergriffene Appellation eine aufhebende Kraft hatte und die Sache ins Weite zumal auch ins sehr Ungewisse zog; sondern vielmehr auf dem weiten Verwaltungswege gegen den Abt vorzugehen. Endlich verstand sich derselbe freiwillig zum Rücktritte, bis ihn nach einem Jahre der Tod in die Ewigkeit rief.

 

 

Abt Placidus Reich
aus Klosterschwarzach

1695 im Dorf Münsterschwarzach geboren.
Priesterweihe am 23.12.1719.
Novizenmeister 1722.
Prior 1723.
Abt von 1733 - 1763
Baute das fertig was Abt Krieg nicht vollenden konnte.
War sehr um den inneren Ausbau der Abtei bemüht,.
Schickte die jüngeren Mönche zu weiteren Studien auf Universitäten und vermehrte beträchtlich die Klosterbibliothek.
Gegen Ende wurde ihm Nachlässigkeit vorgeworfen.
Mehrere Bisitationen fanden dann statt.
1763 zum Rücktritt gezwungen und 1764 gestorben.

 

 

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