Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Schwester Fidelis Sauer
"Schon als ganz junges Mädchen wollte ich ins Kloster gehen", sagt die Dominikaner-Schwester Fidelis Sauer.
  Schwester Fidelis 

Am 16.12.2005 in der Mainpost Lohr erschienen.

Bild und Text von Martina Schneider.
Erstellt am 27.12.2005

 

 

Schwester Fidelis Sauer

"Ich wollte in die Mission"

 

Sie hat in ihrem Leben schon vielen Hundert Babys dabei geholfen, das Licht der Welt zu erblicken und ihr Handeln immer in den Dienst am Nächsten gestellt. Am morgigen Sonntag feiert Schwester Fidelis Sauer im Kloster St. Josef in Neustadt ihren 85. Geburtstag.

 

"Schon als ganz junges Mädchen wollte ich ins Kloster gehen", erzählt die Jubilarin. Und doch hat es lange gedauert, bis sie am 10. Mai 1949 im Alter von 29 Jahren in Neustadt in den Dominikanerorden eintrat. Ihre Mutter sei nicht begeistert gewesen über ihre Entscheidung, erzählt Sr. Fidelis, die am 18. Dezember 1920 als Luzia Sauer in Wenighösbach bei Aschaffenburg geboren wurde. Vier Geschwister hatte die Ordensfrau, leider sind alle schon gestorben.

Schon während der Schulzeit arbeitete sie auf dem landwirtschaftlichen Anwesen der Eltern mit. Die Jahre des Zweiten Weltkriegs prägten sie. Sie leistete ein Landjahr auf einem Bauernhof in Amorbach und arbeitete drei Jahre lang in Goldbach am Fließband in einem Rüstungsbetrieb. Nach dem Krieg festigte sich ihr Entschluss, ins Kloster zu gehen.

"Ich wollte in die Mission", erzählt sie. Schon ein Jahr nach ihrem Eintritt im Mai 1949 machte sie sich zusammen mit drei Mitschwestern aus Neustadt per Flugzeug auf den Weg nach Süd Afrika. Drei Tage mit vielen Malen Umsteigen seien sie mit einer englischen Chartermaschine unterwegs gewesen, bis sie endlich sicher in Durban landeten, erzählt Sr. Fidelis. "Wir kamen vom Winter in den Sommer, bei der Christmette haben sich die Kerzen gebogen vor der Hitze", erinnert sich die Jubilarin heute.

Im Mutterhaus der Dominikanerinnen, in Oakford Priory absolvierte sie ihr Noviziat und legte am 2. Februar 1951 ihren ersten Profess ab. "Ich habe überall da geholfen, wo man mich brauchte", erzählt sie. Unter anderem auch in Marymount, einem Entbindungsheim in Johannisburg. Nach ihrem Ewigen Profess am 20. April 1954 sollte sie eigentlich nach Amerika gehen und dort in Oakland in einem Studienhaus der Dominikaner arbeiten. Sie aber wollte lieber in Süd-Afrika bleiben. Ein Malariaschub durchkreuzte die Pläne der Generaloberin und Sr. Fidelis musste nicht in die Staaten fliegen. Stattdessen besuchte sie eine Hebammenschule in Johannisburg.

Nach ihrer Prüfung im Jahr 1957 arbeitete Sr. Fidelis 28 Jahre lang als Hebamme im Entbindungsheim Marymount. Noch heute pflegt sie Kontakt mit Müttern, deren Kinder dort das Licht der Welt erblickten. 1967, nach 17 Jahren in der Mission besuchte Sr. Fidelis zum ersten Mal wieder ihre alte Heimat und fand "eine ganz andere Welt" vor. Ihre Geschwister hatten geheiratet, Nichten und Neffen waren da und einer davon erkundigte sich bei seiner Mutter erstaunt: "Mama, die kommt doch aus Afrika, warum ist sie denn nicht schwarz?" Nach sechs Wochen kehrte Sr. Fidelis wieder nach Süd-Afrika zurück. Dort arbeitete sie bis 1992 in verschiedenen Entbindungsheimen. Dann kam sie wieder nach Deutschland und tat Dienst im Ordenseigenen Krankenhaus in Flörsheim und dem dortigen Konvent bis sie im September 2004 dahin zurückkehrte, wo alles begann, ins Kloster St. Josef nach Neustadt. Dort verbringt die Ordensfrau ihren verdienten Lebensabend, macht sich nützlich wo sie kann.

 

 

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