Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Bild: Klaus Weyer 2004
An der Stelle des ehemaligen Klosters steht heute eine Kapelle.
  Das ehemalige Kloster Mattenstatt, gegenüber Hafenlohr 

Erstellt am 3.12.2006, korrigiert am 5. 4. 2012

 

 

Gernot Scüll aus Hafenlohr hat im Dezember 2009 eine 76-seitige Dokumentation über das Kloster Mattenstatt geschrieben.

 

Hier die aktuellen Daten über Mattenstatt von Gernot Schüll als Liste :

 

1210 Dez. 8

Schlacht gegenüber Hafenlohr, dem späteren Mordstatt und dann Mattenstatt.
Sieg des Erzbistum Mainz mit Bod von Ravensburg und Heinrich Hund von Falkenberg (die Staufische Partei) gegen das Bistum Würzburg mit dem ostfränkischen Adel (die Welfische Partei). Bischof von Würzburg war Otto I, von Lobdeburg, Bischof von Mainz war Siegried II. von Eppstein. Große Verluste für die Adelsfamilien Castell, Henneberg, Wertheim, Schwarzenberg, Thüngen,
Grumbach (sterben 1243 aus) und Seinsheim. Bis nach Remlingen wurden die flüchtigen Adeligen verfolgt und schließlich getötet.

1224

Grundsteinlegung der Kapelle

1226 Mai 3

Die Ritterfamilien ließen ein Kloster in Mattenstatt erbauen, die Kapelle weihte Bischof Hermann I. von Lobdeburg am 3. Mai ein. Das Kloster wurde dem Stifte Fulda geschenkt.

1324 Mai

Ersterwähnung von Hafenlohr und Erwähnung von Kloster Mattenstatt.

1558

Das klösterliche Leben in Mattenstadt erlosch. Die Gründe weiß man nicht. Der letzte Probst war Andreas Rieck.

1561

Das Stift Fulda verkauft Mattenstatt an den Voit von Rieneck.

1575

Der Voit von Rieneck verkauft Mattenstatt an Fürstbischof Julius Echter.

1576

Fulda’scher Handel: Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn übernimmt durch einen dubiosen Handel mit dem dortigen protestantischen Adel das Bistum Fulda. Er bekämpfte sonst Protestanten auf das Heftigste. Der abgesetzte Fürstabt Balthasar von Dernbach, ein Katholik und großer Gegenreformer, rief Papst und Kaiser um Hilfe. Papst Gregor XIII. drohte mit Bann gegen Fürstbischof Julius Echter, der Kaiser setzte bis zum Prozess einen Statthalter in Fulda ein.

1599

Rothenfels erhält die Besitzungen von Mattenstatt zugeeignet.

1610

Julius Echter lässt das Kloster Mattenstatt abbrechen. Die Steine, inklusive des Grundsteines, werden für den Bau der Kirche in Rothenfels verwendet.

 

 

Aus Ostspessart, von Ernst A. Englert, Windheim den 11. Feb. 1953

 

Mattenstatt – Mordstatt

 

Nach einer erbitterten Ritterschlacht soll 1224 zum Gedächtnis an die Gefallenen (mainzische und fränkische Ritter) eine Kirche erbaut worden sein, aus der sich später ein Kloster entwickelte. Tatsache ist, dass das Kloster 1590 endgültig aufgelassen wurde; mit dem Erlös aus den Klostergütern stiftete Fürstbischof Julius Echter von Würzburg das Bürgerspital zu Rothenfels. Ein Teil der Steine des Klosters fand beim Bau der Rothenfelser Kirche Verwendung. Die letzten Mauerreste des Klosters Mattenstatt wurden 1889 eingeebnet, die Steine der Klosterkeller aber zum Bau der Straße nach Karbach verwendet.

 

 

Eine Sage: Die streitenden Flämmchen von Mattenstatt

 

In einer stockfinsteren Nacht zwischen zwölf und eins ist's dem Fährmann zu Hafenlohr, er höre es beim Main im Sand knirschen, als ob jemand einen Schelch auf's Land zöge, das treibt ihn wütend aus dem Bett.

 

Am Wasser findet er nichts Auffälliges. Sein Schelch ist weit auf's Ufer gezogen, wie's sein muss und wie er's am Abend gerichtet hat, und er will sich schon wenden, da sieht er von Karbach herab, von Zimmern und Marktheidenfeld her, viele Lichtlein schweben, den Wiesen zu, wo ehedem Mattenstatt gelegen, so hell, dass sie im Wasser des Flusses widerglänzen, sieht die Lichtlein sich zu Haufen ballen und widereinander los durcheinandertanzen; plötzlich erhebt sich lautes Geschrei, vielstimmig, weithinhallend, und dann klingt's wie Eisen auf Eisen. Davon grauts dem Fährmann und er läuft rasch heim in sein Haus.

 

Die Lichtlein, die sich von Zeit zu Zeit auf und nächst dem Orte zeigen, wo früher Mattenstatt gelegen, sind die Seelen unschuldig Erschlagener; das Schreien und Klirren rührt von einer furchtbaren Schlacht, die einstens zu Mattenstatt geschlagen worden und die von Zeit zu Zeit wieder geschlagen werden muss, immer nur mehr nächtlicherweile, für der bis zum Ende der Tage. So sollte es dort eigentlich gar nicht Mattenstatt, es müsste vielmehr Mordstatt heißen.

 

(1937; aus Hafenlohr. H. Nuber)

 

 

Eine Sage: Der Goldbrunnen beim Kloster Mattenstatt

 

Auf dem linken Mainufer, etwa Hafenlohr gegenüber, stand vor Zeiten ein Kloster, Mattenstatt geheißen, das war über die Maßen reich. Die Erinnerung an die edlen Schätze, die es barg, ist bis heute lebendig geblieben. Die Herrschaft der Mönche soll strenge, ja hart gewesen sein.

 

Einst kam ein reitender Bote nach Mattenstatt, der schrie, es zöge ein wilder Kriegshaufe mit Raub, Brand und Mord das Maintal herauf. Da rafften die entsetzten Mönche die besten Stücke ihrer reichen Habe zusammen und bargen sie in sicheren Verstecken, verriegelten dann des Klosters Pforten und flohen, Leib und Leben zu retten, in den schützenden Spessart. Der Feind kam, rammte Tür und Tor und brach Balken und Bogen, raubte, was kostbar, zerschlug, was nicht niet- und nagelfest war, und warf den roten Hahn in die Trümmer.       

 

Unweit des Klosters rauschte damals ein Quell aus dem Fels, Gesundheit spendend. Einige Jahrzehnte, nachdem das Kloster zerstört war, lebte in Hafenlohr ein armer, kranker Mann, der fuhr Tag für Tag am frühen Morgen über den Main, wusch sich in dem Brünnlein und trank auch davon, dass er gesunde. Eines Tages sah er auf des Brünnleins Grund im losen Gestein ein Goldstück funkeln. Er nahm's zu sich, redete aber zu niemandem darüber. Seine Verschwiegenheit brachte ihm guten Lohn: Das Brünnlein spülte von Zeit zu Zeit immer wieder ein Goldstück aus. Nach Jahr und Tagen hatte er sich des Goldes soviel zusammengetragen, dass es reichte, ein schönes Haus zu bauen. Von des Brünnleins Wasser genesen, lebte er darin glücklich mit den Seinen.

 

Der Quell ist schon längst versiegt. Der Brunnschacht ist nach und nach von bröckelndem Gestein verschüttet worden. Heute weiß niemand mehr, wo das Brünnlein floss. Da und dort wäre noch heute von den reichen Schätzen zu finden, die die Mönche damals vergraben haben, wenn ... ja wenn man wüsste, wo sie liegen, und wenn man Glück hätte!

 

(1933; aus Marienbrunn und Hafenlohr. H. Nuber)

 

 

Wallfahrtsort

 

Kloster Mattenstatt hatte sich zu einem Wallfahrtsort entwickelt. Alljährlich kamen zahlreiche Prozessionen zum Blasiustag dorthin. St. Blasius wird besonders verehrt als Helfer bei Halskrankheiten. Als zu Ende des 16. Jahrhunderts das Kloster Mattenstatt aufgelassen wurde, übernahm Hafenlohr das Gnadenbild des hl. Blasius, eine Holzstatue aus dem späten 13. Jahrhundert. So wurde die Kirche in Hafenlohr Wallfahrtsort.

Zum Festtag des hl. Blasius kamen alljährlich zahlreiche Prozessionen nach Hafenlohr. Organisierte Wallfahrten trafen ein aus Neustadt, Karbach, Esselbach, Steinfeld, Urspringen, Rodenbach, Marktheidenfeld und sogar aus Hain im Spessart. Besondere Gründe sprachen dafür, dass vor ca. 30 Jahren die Wallfahrten nach Hafenlohr abgeschafft wurden.

 

 

Der Blasius von Hafenlohr

 

Kloster Mattenstatt war in seiner Blütezeit weit im Lande bekannt. Albrecht Dürer hat im Jahre 1520 während seiner Reise nach den Niederlanden in seinem Tagebuch vermerkt, dass er an Mattenstatt vorbeigeschwommen, ein Zeichen, dass es auch ihm rühmend genannt ward.

 

Das Hauptprunkstück des Klosters ist ein geschnitztes Bildwerk, den hl. Blasius darstellend, und da der Blasius, wie man weiß, gegen allerlei Halsübel so gut ist, wie manch gebraut Tränklein, kamen in heiligen Zeiten und besonders am Blasiustag alljährlich der Pilger viele Hunderte angewallt zu Fuße und zu Floß.

 

Als das Kloster zerstört worden und bald darnach Leute aus Hafenlohr über den Main fuhren und die verwüstete Stätte besuchten, fanden sie den Blasius etwas angesengt, sonst aber wohlerhalten in seiner Ecke stehen; ja, er sah sie, wie's heißt, sogar recht freundlich an, so freundlich, dass sie sich ein Herz nahmen und ihn fragten, wie es ihm gehe, und weil er drauf nichts sagte, meinten sie: nicht gut! – trugen ihm also an, nach Hafenlohr zu kommen, es werd sich dort in der Kirche wohl ein Plätzchen finden für ihn.

 

Und der Blasi hat diese Einladung angenommen; denn die Hafenlohrer, als sie am andern Morgen in ihre Kirche kamen, selber verwundert, sahen den Heiligen vor dem Altare stehen. Obgleich nun, wie es heißt, der Blasi sich dort wohlfühlte, wie kaum je zuvor, und seinen neuen Standort sichtlich mit Vergnügen einnahm, so erhub sich aber bald fast allenthalben ein mächtiges Geschrei: der Heilige habe die Heimkrankheit; auch sei es noch nie erhört worden, dass ein Heiliger, der nur ein geschnitzter ist, wandern könne wie Erdenkinder und was sonst derlei Lasterreden sind.

 

Am meisten erbittert über des Blasi Mainwanderung waren die Karbacher, was sich leichtlich verstehen lässt, weil Karbach gleich oberhalb Mattenstatt liegt. So ist's rasch zu einem argen Streit gekommen und grad, wie er am heftigsten hin- und herwogt, steht der Blasius eines Morgens nicht mehr in der Kirche zu Hafenlohr, sondern auf seinem alten Platze zu Mattenstatt, von den Karbachern wohl bewacht, versteht sich!

 

Du musst dir nun denken, du selber wärst der Blasi gewesen und hättest stehen müssen zu Mattenstatt in Wind und Wetter, kaum ein Dach überm Haupt! So nimmt's dich nicht Wunder, dass dem Heiligen dies Leben auf die Dauer nicht zu gefallen vermochte und er gar bald anfing nach Hafenlohr hinüberzublinzeln, besserer Tage eingedenk; ja, und wenn du dir's schon selber zusammengereimt hast und ihn in einer finsteren Nacht zum zweiten Mal über den Main schwimmen lässt, so hast du brav geraten; denn so geschah's, Hafenlohr zur Freud, Karbach zu Leid.

 

Daraufhin ist der Streit zwischen Karbach und Hafenlohr erneut aufgeflammt und erbitterter als je geführt worden, bis eines Tages eine hohe Behörde ein Machtwort gesprochen: Der Heilige gehöre dorthin, wo es ihm am besten gefalle; darüber sei aber nicht mehr zu befinden; denn dies sei schon seit langem entschieden. Dies ist die Geschichte, wie der Blasi nach Hafenlohr gekommen ist; dort steht er heute noch.

 

(Nach einer Mitteilung von † Pfarrer Herree, ehem. Pfarrherr in Hafenlohr. H. Nuber)

 

 

 

 

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