Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
  Der Geiberg / Gauberg 

Der Gaiberg steht unter Denkmalschutz
Gaiberg Neustadt am Main
Vorgeschichtliche Abschnittsbefestigung
  Welche Spuren aus der Römerzeit gibt's in Main-Spessart? 

Erstellt am 18.07.2021

Geschichte: In der Diskussion nach einem Vortrag von Gerrit Himmelsbach ging es einmal mehr um das mysteriöse Locoritum.

VHS Marktheidenfeld Vortrag von Dr. Gerrit Himmelsbach (Archäologisches Spessartprojekt, ASP) am 16.03.2021. Der gleiche Artikel, von Joachim Spies, im Main Echo und in der Mainpost. Lediglich die Mainpost hatte ein Bild mehr, die Wege Variante 2 von Wolfgang Vorwerk.

Siehe dazu die Seite: Locoritum / Locoritum Wolfgang Vorwerk.

Meine Kommentare in rechteckigen Klammern […].


Nun heißt es, auf einen Zufall zu warten. So einen wie bei Theo Väth in Marktheidenfeld, der in den 1960er-Jahren eine Münze des Kaisers Vespasian [1] bei Gartenarbeiten fand. Oder so einen wie bei Otto Braasch, der 1985 beim Flug über Marktbreit das dortige Römerlager [1.1] entdeckte.

[1: Kaiser von 69 bis 79]
[1.1: Es waren 2 Römerlager. Das 9 ha große Lager, und das 27 ha große Lager]


Bislang sind Funde aus der Römerzeit in Main-Spessart jedenfalls rar, berichtete Gerrit Himmelsbach bei seinem Online-Vortrag »Spuren der Römer östlich des Limes« den fast 30 eingeloggten Zuhörern. Sicher liege das auch an den wenigen Ausgrabungen, die bislang in der Region stattfanden, ergänzte Leonhard Scherg, der im Namen der Volkshochschule Marktheidenfeld begrüßte.

Wäre das auf neun Hektar [2] von 6 bis 9 nach Christus bestehende Doppellegionslager [3] bei Marktbreit ausgebaut und nicht nach der verlorenen Varusschlacht wieder planmäßig aufgelassen worden, dann wäre vieles anders gekommen. Marktbreit, so behaupten Wissenschaftler, hatte das Zeug, Mainz abzulösen, also etwas ganz Großes zu werden. So aber beschäftigen sich die Geschichtsinteressierten in unserer Region heute nicht mit römischen Bauten, sondern vorwiegend mit der Frage, wie die Römer zwischen Mainz und Marktbreit gependelt sind. [4] Das war auch Thema der Diskussion, die auf Himmelsbachs Vortrag folgte.

[2: Das zweite Lager hatte 37 ha. Es wurde von 7 bis 9 nC gebaut. Initiiert von Varus. Es wurde nicht fertiggestellt. 9 nC wurde es von den Römern, nach der Varus-Schlacht, aufgegeben].
[3: Das zweite Römerlager Marktbreit wurde laut dem Archäologen Dr. Thomas Völling, für eine Legion = 3.000 bis 6.000 Soldaten geplant. Nicht für 2 Legionen].
[4: Das Lager Marktbreit wurde nicht fertig gestellt, nicht eine einzige Legion war im Lager, wissenschaftlich belegt. Die Latrinen- und Vorratsgruben wurden nie benutzt. Die Güter wurden über den Main transportiert, das meint auch Dr. Armin Volkmann].


Sicher sind die Römer auf dem Main gefahren, doch Tausende von Soldaten [5] mussten auch marschieren. Wie kamen sie über den Spessart oder gingen sie darum herum? Und wenn sie die dunklen Wälder nicht scheuten, wo gingen sie über den Main?

[5: Kein einziger Soldat marschierte nach Marktbreit. Das 37 ha große Römerlager Marktbreit wurde 7 n. Chr. begonnen zu bauen und wurde nie fertig gestellt. Es wurde unvollendet wieder abgebrannt. Und der Römerfeldzug 6 n.C. ging nicht über Langenprozelten und nicht über Marktbreit. Der Feldzug ging vom Winterlager Anreppen (nahe der Lippe-Quelle), durch das Land der Chatten (Kassel bzw. Fritzlar), nach Böhmen. Velleius Paterculus 2,109 (5), ein Zeitzeuge der Tiberius und Sentius Saturninus begleitete].

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Mehr Details: Der Markomannen Feldzug 6 nC ging nicht über Langenprozelten und nicht über Marktbreit.
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Einmal mehr ging es am Dienstagabend um das mysteriöse Locoritum, [6] das sich auf der Karte des Ptolemäus findet. Es sei »eine spannende, aber auch hoch spekulative Geschichte«, meinte Himmelsbach. Vorschläge, wo dieser Ort zu finden sei, gebe es etliche, darunter auch Langenprozelten [7], Neustadt [8] oder - wie nun zur Diskussion gestellt - die seit alten Zeiten genutzte »lange Furt« bei Lengfurt.[9]

[6: Locoritum heißt übersetzt, Furt im See. Quelle: Gerhard Rasch, Dissertation 1949/50, Uni Heidelberg].
[7: Die neue Koordinaten-Umrechnung der TU-Berlin von Januar 2011 ergibt folgende heutige Koordinaten für Locoritum: 49°50'40'' Nord (Breite) und 9°37'10'' Ost (Länge). Dieser Ort befindet sich in Marktheidenfeld, in der Nähe des Warema Mitarbeiterparkplatz am Nikolausweg. Die Genauigkeit der Koordinaten-Umrechnung liegt in der Regel bei 10 bis 20 km bzw. 5‘ bis 10‘ für die einzelnen Orte“, so Andreas Kleineberg (TU-Berlin). Langenprozelten liegt 23,6 km bzw. 13° N entfernt davon].
[8: Neustadt liegt 9,5 km bzw. 5° N entfernt. Und ein See, anstelle des heutigen Klosters, ist seit 1992 durch Prof. Ludwig Wamser bezeugt. Ein kleiner Teil des keltischen Sees existiert heute noch, im ehemaligen Klostergarten. Und es gibt noch weitere Argumente].
[9: Lengfurt hatte eine Main-Furt. Hatte Lengfurt einen See? Lengfurt erfüllt die Genauigkeit Anforderungen der TU Berlin].


In seinem gut einstündigen Vortrag beackerte der Historiker und Archäologe aus Hösbach ein weites Feld, das zeitlich von den Kelten bis zu den Franken reichte und geografisch vom Rhein bis ins Böhmische. Den Schwerpunkt legte er auf die Beziehungen zwischen Römern und Germanen und stellte fest: »Ein Austausch war da, aber auf niedrigem Niveau.« Natürlich gab es Handel zwischen den Menschen westlich und östlich des sogenannten »nassen Limes« mit seiner Kette von Kastellen, die am Main von Großkrotzenburg bis Bürgstadt reichte.

Immer wieder Raubzüge

Und immer wieder gab es auch Raubzüge der einen und Vergeltungsaktionen der anderen, so etwa 213 den Caracalla-Feldzug mit angeblich 10 000 Soldaten auf die Fränkische Platte und ins Grabfeld. [10]
Was wohl regelmäßig geschah, waren die Holzfällaktionen der Römer in den Spessartwäldern. Zum einen erinnern Weiheinschriften an solche Einsätze, zum anderen ist nachgewiesen, dass Eichen aus dem Spessart sogar im Römerhafen von Xanten verbaut wurden. Und dass den Germanen wiederum manches Gut der Römer gefiel, das zeigen Scherbenfunde von Amphoren, kopierte Schalen oder Metalldepots im Fränkischen. Sicher stand auch der eine oder andere Germane in Diensten des römischen Heeres, worauf Grabfunde schließen lassen oder auch ein im Frühjahr 1982 entdeckter Schatz von 137 spätrömischen Münzen aus der Zeit zwischen 337 und 410 in der bei Urphar in der Mainschleife gelegenen Wettenburg, worauf mehrere Diskussionsteilnehmer hinwiesen.

Zugesagt wurde vom Referenten eine Exkursion zum Gaiberg bei Neustadt, nachdem die Frage nach Funden der Römerzeit [11] dort oder gar des Bestehens eines Kastells in der Diskussion auftauchten. Von römischen Funden war weder Himmelsbach noch Historiker Scherg etwas bekannt, die Wallanlage auf dem Berg werde eher ins frühe Mittelalter [12] zum Schutz vor den Ungarneinfällen [13] datiert. Nachdem das Lager Marktbreit nur wenige Jahre existierte, sei keine Zeit gewesen, für eine weitere Infrastruktur mit Kastellen zu sorgen, gab Scherg zu bedenken. [14]

[10: Es ist seit ein paar Jahren bewiesen, dass dieser Feldzug von Caracalla nicht an den Main ging].
[11: Der Ringwall auf dem Gaiberg ist ein keltischer Thingplatz].
[12 Der Thingplatz auf dem Gaiberg (Gauberg) hat die Denkmalnummer D-6-6023-0014. Er ist offiziell eine Vor- (und früh-) geschichtliche Abschnittsbefestigung].
[13: Die Ungarn waren nie in Neustadt. Es gibt keine Quellen auf dem Berg, und es war nie eine Fliehburg auf dem Berg].
[14: Da muss ich Herrn Scherg Recht geben. Aber es ist zu bedenken, dass das 37 ha Lager, ab 7 n. Chr. gebaut wurde, und nie fertig gestellt wurde].



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