Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Immer nahe am Menschen
Schwester Albertina bei Ihrer Verabschiedung im Dezember 2004.
Das ist mein Lieblingsfoto
Sr. Albertina beim Krautessen, Fasenacht 2004
Foto: Martina Schneider
  Unsere Schwester Albertina 


Sr. Albertina hat immer ein offenes Ohr für die Menschen.

Die Missionsdominikanerin feiert an diesem Samstag, 10.10.2009, Goldene Profess im Missionshaus St. Josef in Neustadt

 

„Jede Dominikanerin ist aufgerufen, im Laufe ihres Lebens, je nach Begabung und Charisma, ihre eigenen Züge einzuprägen an dem Platz, an dem sie steht, die Botschaft der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes zu verkünden.“ So steht es in der Einladung zur Goldenen Profess von Schwester Albertina Mauel OP. Und genau dieses hat die Ordensfrau, die am 1. März 1958 in den Orden der Missionsdominikanerinnen der Heiligen Katharina von Siena von Oakford/Natal eingetreten ist und heute vor 50 Jahren in Neustadt ihre ewige Profess abgelegt hat, in ihrem Leben getan. Sie hat in Neustadt ihre Spuren hinterlassen und sie tut es heute noch.

 

Sr. Albertina wurde am 10. November 1930 als Hildegard Mauel in Leverkusen geboren. Aufgewachsen ist sie im Rheinland. Ihre Eltern sind bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen. Zwei jüngere Brüder überlebten. Nach der Mittleren Reife wurde Albertina in Köln zur Kindergärtnerin und Hortnerin ausgebildet.

 

Als sie 1947 mit ihren Schützlingen den Kölner Dom besuchte, traf sie erstmals auf Missionsdominikanerinnen. „Froillein, sie jäbe ne jute Missionsschwester ab“, habe damals ein Mädchen zu ihr gesagt. „Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken“, erinnert sich die Ordensfrau.

 

Als sie im selben Jahr ihre Tanten in Marktredwitz und Kulmbach besuchte, habe sie einen Abstecher nach Neustadt gemacht und sich das Kloster angesehen. „Aber das habe ich daheim nicht erzählt.“

 

Ein Jahr in Finnland

Ihr weiterer Berufsweg führte Schwester Albertina in Kinderhorte in Köln, in ein Kinderheim auf der Nordseeinsel Wangerooge und 1957 für ein Jahr nach Finnland, wo sie als Erzieherin drei Kinder eines Deutschen Generalkonsuls betreute.

 

Zuvor hatte sie die Novizenmeisterin in Neustadt um Rat gefragt. Die sagte ihr, sie solle nach Finnland gehen und wenn sie hernach noch immer Interesse am Ordensberuf habe, solle sie sich wieder melden.

 

Am 1. März 1958 trat Hildegard Mauel dann in Neustadt in den Orden ein. Bei ihrer ersten Profess am 10. Oktober 1959 wurde aus ihr Schwester Albertina. Auf ihren Namen ist sie stolz, denn er stammt von Albertus Magnus, einem großen Dominikaner, der in Köln gelebt hat und auch dort begraben wurde.

 

Natürlich hatte auch Sr. Albertina den Wunsch, in die Mission nach Südafrika zu gehen. „Ich kam aus Köln und sollte hier in Neustadt bleiben. Das fand ich schrecklich“, gibt sie unumwunden zu. Am 19. Oktober 1959 übernahm sie die Leitung des Neustadter Kindergartens, in dem sie zwölf Jahre lang arbeitete.

 

Danach absolvierte sie eine Ausbildung als Heilpädagogin, um sich auf die Arbeit im Reha-Zentrum St. Michael in Neustadt vorzubereiten. Sie arbeitete in Einrichtungen in Neuss, in Holland und im Bezirkskrankenhaus Lohr und begann 1977 im Reha-Zentrum als Heilpädagogin. Bis 1998 tat sie dort Dienst. Dann war sie halbe Tage im Reha-Zentrum und halbe Tage in der Gemeinde tätig.

 

Während den 50 Jahren ihres Wirkens in Neustadt kümmerte sich die Ordensfrau um die Menschen in der Gemeinde, die Kinder, die Alten und die Kranken. Sie rief Frauengruppen ins Leben, leitete Kirchenführungen und gründete den Gesprächskreis Trauernder Angehöriger, zu dem inzwischen über 70 Betroffene aus Main-Spessart und den angrenzenden Landkreisen Kontakt halten. 2003 gab sie ihr Buch „Spur des Segens“, einen 40-seitigen Führer durch die ehemalige Klosterabtei, heraus.

 

Mit den Menschen Wege suchen

Seit einigen Jahren kann sie nur noch eingeschränkt sehen. Sie hat inzwischen alle verantwortungsvollen Posten abgegeben, besucht aber immer noch die Alten und die Kranken und hat immer ein offenes Ohr für jeden, der ihren Rat sucht. Zum Thema Mission hat sie heute ihre eigene Meinung: „Mission bedeutet für mich heute, jeden Mensch so zu lassen wie er ist und ihm zu helfen, seinen Platz, seinen Weg zu finden und seine Aufgabe, zu der er berufen ist."

 

Der Bericht erschien am 10.10.2009 in der Mainpost.

Autor: Martina Schneider

 

 

Aus drei Wochen wurden 45 Jahre

"Aber irchendwann hönn se uns dan doch verschtanne, gall?" - liebenswert und eindrucksvoll ließ Sybille Grübel das Leben und Wirken der Dominikanerin, Schwester Albertina (Hildegard Mauel), Revue passieren. Mit einem Dankgottesdienst und einem Empfang im Pfarrsaal bedankten sich die Erlacher und Neustädter am Sonntagmorgen bei "ihrer" Albertina für deren unermüdlichen Einsatz in der kirchlichen Gemeinde.

 

Ihren Weg sind sie auf andere Art gegangen als sie sich erhofft hatten", berichtete Sybille Grübel. Denn eigentlich habe die Ordensfrau in die Mission gehen wollen, doch "ihr Missionsgebiet wurde nicht Afrika, sondern ab 1959 der Neustädter Kindergarten", sagte die Vorsitzende des Neustädter Pfarrgemeinderats mit einem Schmunzeln. Dort habe sich die Ordensfrau "40 temperamentvollen Kindern ausgeliefert gesehen, die einen für eine Rheinländerin völlig unverständlichen Dialekt gesprochen haben."

"Als sie 1958 nach Neustadt kamen, haben sie sinngemäß zu ihrem Bruder gesagt: In dem Kaff bleibe ich keine drei Wochen'", plauderte Grübel aus dem Nähkästchen. "Aus drei Wochen wurden 45 Jahre." Ab 1960 habe die Ordensfrau eng mit Pfarrer Rudolf Langhans zusammengearbeitet. Nach zwölf Jahren Kindergarten widmete sich die Dominikanerin ab 1971 ihrem Beruf als Heilpädagogin, studierte Theologie im Fernkurs und arbeitete 25 Jahre lang im Reha-Zentrum St. Michael. 1995 kehrte sie in die Pfarrgemeinde zurück und startete "in einem Alter, in dem andere in den Ruhestand gehen, eine weitere Karriere", berichtete Grübel. Als Pfarrbeauftragte hielt sie nach dem Weggang von Pfarrer Langhans und bis zum Eintreffen von Pfarrer Alkuin Mahr die Fahnen hoch und arbeitete von 1999 bis heute als Gemeindereferentin in Neustadt.

Neben Gesprächskreisen, Firm- und Kommunionunterricht, meditativem Tanz, Führungen durch Kirche und Kloster und vielem mehr fand die Ordensfrau immer noch Zeit, ein Büchlein herauszugeben über die "Spur des Segens", das die Geschichte der Gemeinde und ihre Verbundenheit mit der Spiritualität des Klosters beschreibt. "Dieses Büchlein darf man getrost als Stichwort ihres Lebens verstehen, es war und ist ihr persönliches geistiges Motto, eine Spur des Segens zu ziehen zwischen Jung und Alt", stellte Pfarrer Alkuin Mahr fest. Bereits in seiner Predigt hatte der Domkapitular und Pastoralreferent der Diözese Würzburg, Dr. Heinz Geist, auf die Verdienste der 74-jährigen Ordensfrau aufmerksam gemacht. Den musikalischen Rahmen des Festgottesdienstes gestalteten Dr. Georg Kaiser und Musiker aus Marktheidenfeld. "Sie standen ohne Ansehen der Person den Menschen bei, dafür ein herzliches Vergelt's Gott", bedankte sich Bürgermeisterin Karin Berger.

Als menschenfreundlich, offen und gesprächsbereit beschrieb Schwester Dagmar Fasel, die Generalpriorin der Dominikanerinnen, ihre Mitschwester. "Du hast dem Leben hier in der Pfarrei eine Spur des Segens gegeben." Schwester Albertina, erfreut und überwältigt von der ihr entgegengebrachten Zuneigung, bedankte sich mit den Worten: "Ich habe euch Erlacher und Neustädter fest in meinem Herzen getragen." Sie werde sich nicht ganz auf das Altenteil zurückziehen und sich im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten noch um die Alten, Kranken und Trauernden in der Gemeinde kümmern, versprach sie. So ganz könnten die Neustädter und Erlacher ohnehin nicht auf ihre Albertina verzichten, denn wie Helga Heidenfelder in gereimten Worten beim Empfang im Pfarrsaal treffend feststellte: "Ich behaupte, sie gehören zum Näuschter Inventar."

 

Der Bericht erschien am 21.12.2004 in der Mainpost.

Autor: Martina Schneider

 

 

  Suchen & Sitemap 

Suchen + Sitemap
Foto Martina Schneider
Das Relief am Kloster ist für Schwester Albertina das Symbol für die Erdhaftigkeit des Heiligen Dominikus. Die Missionsdominikanerin feiert am 10.10.2009 ihre Goldene Profess. FOTO M. Schneider
Copyright 2005-2014, Klaus Weyer
*