Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Foto Klaus Weyer, im Hintergrund Johanna Weyer
Der Erphenbrunnen, heute heißt er fälschlicherweise Ruhbrunnen, ist im gesamten Spessart und östlich davon, die älteste urkundlich erwähnte Bachquelle in der freien Natur.
  Rorinlacha - der zweite Name von Neustadt am Main - ein mit Röhricht bewachsener Sumpf 

Erstellt am 04.10.2009, geändert 16.04.2021 und 08.062021


Rorinlacha

]oseph Schnetz hat den Namen Rorinlacha als ein "mit Röhricht bewachsener Sumpf" erklärt und mit der Beschaffenheit der Gegend um das Kloster gerechtfertigt 20.

Vorher hieß der Ort Locorotum, Furt in einem See. Um 150 war es noch ein See, um 700 war es ein mit Röhricht bewachsener Sumpf.

Auch die Frage nach der Identität des Schenkers des Klostergrundes muss hier kurz angesprochen werden. Bereits Stengel hat diesen Hatto mit einem möglicherweise im Wormsgau beheimateten, aber auch in Ostfranken nachweisbaren Grafen Hatto gleichgesetzt 21.

Wenn nun Bischof Megingaud von einem Hatto einen Ort Rorinlacha übertragen bekommt, dann fühlt man sich unwillkürlich an das gräfliche Brüderpaar Roggo und Hatto erinnert, die zum Verwandtschaftskreis der Äbtissin Emhilt von Milz gehören 22. Der besitzmäßige Präsenz dieses Brüderpaares in Franken beschränkte sich aber wahrscheinlich nicht auf den Norden, denn südlich von Würzburg auf der Gemarkung der Gemeinde Reichenberg liegen auf engstem Raum die Wüstungen "Rockenstat" und "Hattenhuson" 23. An einen Zufall zu glauben, will hier schwerfallen. Der Verwandtschaftskreis um die Äbtissin Emhilt ist ein zu umfangreiches und zu kompliziertes Thema, um hier näher erörtert zu werden.

Dass Hatto und Roggo Brüder waren, ist sehr unwahrscheinlich. Roggo wurde 704 und 744 urkundlich erwähnt, Hatto erscheint 754 (nicht sicher belegt), 767 und 779.

Ob ein Graf Hatto im Wormsgau schon 754 erwähnt wurde, es nicht mit Sicherheit belegbar.

Am 29. Juni 767 wird ein Graf Hatto urkundlich sichtbar. Radulfus schenkt dem Kloster Lorsch Besitztümer, Graf Hatto unterschreibt die Handlung als erster Zeuge.

Ein Hatto ist 779 in der Würzburger Grenzbeschreibung 1 erwähnt. Hatto ist in der Zeugenreihe 2 aufgelistet.

Es sei an dieser Stelle aber darauf hingewiesen, dass ein Graf Erpho, der ebenfalls diesem Kreis zugerechnet wird, offenbar auch Verbindungen zu der Gegend um Neustadt hatte.

In der Markbeschreibung des Klosters Neustadt, die sicher aus karolingischer Zeit stammt, finden sich u. a. die Flurnamen "Erphenbrunnen" und "Erphenbuch" 24. Dagegen weist der Name der Wüstung Mattenstat (PN Matto) gegenüber von Hafenlohr 25 auf Besitz der Mattonen in der Nähe des späteren Klosters Neustadt hin. Mit anderen Worten: Die Schenkung des Ortes Rorinlacha vor 754, wahrscheinlich um 738, an Bischof Megingaud könnte sehr wohl auf verwandtschaftliche Bindungen zurückgehen, d. h. es könnte sich hier um die erste Gründung eines Männerklosters durch die Mattonen handeln. Wie eng allerdings die Verwandtschaft der Mattonen mit dem Kreis um die Brüder Roggo und Hatto gewesen ist, ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung und mag vorläufig dahingestellt bleiben.


20 Joseph Schnetz, Ältere Geschichte von Neustadt am Main, 1. Teil (mehr nicht erschienen) Würzburg 0.]. (1914) 9 m. Anm. 2.

21 Edmund Ernst StengeI, Das gefälschte Gründungsprivileg Karls des Großen für das Spessartkloster Neustadt am Main (MIOG 58) 1950, 1-30; 10 f. m. Anm. 57-59.

22 Edmund Ernst Stengel, Urkundenbuch des Klosters Fulda Bd. 1 (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck 10/1) Marburg 1958, 203ff. n. 145 a. b. Zum zeitlichen Ansatz vgl. nunmehr Eckhard Freise, Studien zum Einzugsbereich der Klostergemeinschaft von Fulda (FW 2.3) 1143 ff.; bes. 1146.

23 Stephan Ankenbrand, Die Ortsnamen des Landkreises Würzburg (Mainfränkische Heimatkunde 6) Würzburg 1952, 46 bzw. 112 f. (Roggunstath 849 (?) Feb 12: DLdD 53 (Kopie 12. Jh.); Rockenstat 1060 Juni 22: DH N 66 (Or.); ebd. Hattenhuson).

24 Stengel, Gründungsprivileg 29.

25 Wilhelm Störmer, Marktheidenfeld (HAB Teil Franken H. 10) München 1962, 86f. u. ö. 26 FW 1 273.

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