Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Sr. Borromea, Kloster Neustadt am Main
Schwester Borromea ist noch rüstig und lustig. Für das Foto hüllte sie sich in ein typisch afrikanisches Tuch.
  Schwester Borromea 

Erstellt am 3.3.2010

 

 

Artikel und Bild von Martina Schneider. Erschienen in der Mainpost.

 

Die Lebensweisheit einer 102-Jährigen: „Heute ist heute. Morgen kommt von ganz alleine.“

Ein Gespräch mit Sr. Borromea über ihr Leben und ihren Rat an die Jugend

 

Die Missionsdominikanerin Schwester Borromea zählt zu den ältesten Einwohnern im Landkreis. Sie wird an diesem Mittwoch, den 3.3.2010, im Kloster St. Josef in Neustadt 102 Jahre alt und erwartet unter anderen den Landrat zum Besuch.

 

Frage: Blicken Sie zufrieden auf Ihr Leben zurück?

Schwester Borromea: Ja, ich bin zufrieden mit meinem Leben. Wenn ich zurückdenke waren die 49 Jahre, die ich in der Mission in Afrika arbeitete, die schönste Zeit für mich.

 

Frage: Womit kann man Ihnen heute noch eine Freude machen?

Borromea: Ich lebe hier im Kloster in einer Gemeinschaft; die Schwestern gehen auf mich zu, sie kümmern sich um mich, unterhalten sich mit mir, das ist für mich Freude. Ich freue mich auch, wenn wieder eine Schwester aus Afrika zu Besuch kommt und ich im Gespräch mit ihr mein Zulu ein bisschen auffrischen kann.

 

Frage: Worin besteht für Sie der Sinn des Lebens?

Borromea: Mein Leben habe ich auf Gott ausgerichtet. Wo ich bin, ist auch er. Er hilft mir immer und überall.

 

Frage: Hätten Sie gerne etwas anders gemacht?

Borromea: Nein, mein Weg ist Gottes Weg. Wohin er mich schickte, habe ich gelebt und gearbeitet.

Frage: Was war für Sie eine ganz besondere Begegnung?

 

Borromea: Das waren für mich die Kinder in der Mission, die ich unterrichtete. Ich liebte sie über alles. Ich erinnere mich noch, dass wir oft unsere Schulstunden nach draußen verlegt haben. 50 Kinder und nur ein kleiner Raum, da zogen wir kurzerhand ins Freie um und hielten Unterricht unter den Bäumen.

 

Frage: An was denken Sie beim Begriff „Himmel“?

Borromea: Wenn ich in den Himmel schaue, lobe ich Gott. Er segnet alle Menschen.

 

Frage: Welche Bedeutung hat Familie für Sie?

Borromea: Familie ist wichtig. Die Schwestern sind meine Familie; wir leben hier alle miteinander in der Gemeinschaft – eine große Familie. Eine meiner leiblichen Schwestern lebt noch. Sie besucht mich mit ihren Kindern zu Fest- und Feiertagen und sicher auch am Geburtstag.

 

Frage: Was ist Ihre liebste Kindheitserinnerung?

Borromea: Ich stamme ja aus der Rhön und wir hatten im Winter immer viel Schnee. Oft bin ich mit meinen Freundinnen lieber zum Schlittenfahren ausgebüxt, anstatt in die Schule zu gehen (lacht).

 

Frage: Welchen Rat geben Sie jungen Menschen, die Angst vor der Zukunft haben?

Borromea: Sie sollen den Tag leben im Jetzt. Heute ist heute. Das Morgen kommt von ganz alleine. Sie sollen auf Gott vertrauen und sich nicht zu viele Gedanken um das Morgen machen. Gott ist bei uns, er führt uns und er hilft uns.

 

Frage: Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?

Borromea: Dass ich noch lange mit meinem Rollator durch die Gänge hier im Kloster marschieren kann und gesund bleibe. Und wenn es Gottes Wille ist, wird er mich zu sich holen.

 

Schwester Borromea OP

Am 2. März 1908 wurde Schwester Borromea als Ludwine Baier in Volkers in der Rhön geboren. Sie trat am 1. November 1924 auf dem Volkersberg in den Orden der Missionsdominikanerinnen der heiligen Katharina von Siena ein. Am 8. Oktober 1927 legte sie ihre Erste Heilige Profess im Missionshaus St. Josef in Neustadt ab und feierte 2007 dort ihre 80-jährige Profess, ein bisher in der Kongregation der Missionsdominikanerinnen einmaliges Jubiläum.1949 ging sie in die Mission nach Südafrika und arbeitete in den Missionsstationen Montebello und Ekukanyeni in der Provinz Natal. Von 1961 bis 1977 leitete sie die Grundschule in Oakford Priory. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1977 war die Ordensfrau bis 1983 Priorin im Kloster der Dominikanerinnen in Diessen am Ammersee, ehe sie sich nach Neustadt ins Kloster St. Josef in den verdienten Ruhestand zurückzog.

 

 

 

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