Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Foto Pfarrer Langhans
Anfang der 90er fand Pfarrer Rudolf Langhans bei Grabungen Überreste einer Kapelle im Südturm und ein Grab mit Skeletten von zwei Erwachsenen und einem Kind. Möglicherweise handelt es sich um ein "heiliges Grab", meint Pfarrer Rudolf Langhans.
  Die neue Klostergeschichte 3 von Neustadt am Main 

Erstellt am 3.7.2006, zuletzt korrigiert am 07.08.2010

 

 

Artikel 3 der neuen Klostergeschichte.

Geschrieben von Martina Schneider, mit nachträglichen Korrekturen von Klaus Weyer.

 

 

Skelettfund in der Neustädter Kirche

„Heiliges Grab im Südturm ?

 

Eine alte Kapelle liegt eingemauert im Südturm der heutigen Basilika und ehemaligen Abteikirche. Pfarrer Rudolf Langhans machte darin einen bemerkenswerten Skelettfund.

 

Pfarrer Rudolf Langhans hatte die Überreste dieser Kapelle Anfang der 90er entdeckt. Damals hatte der Geistliche den drei Meter hohen Schuttberg, der vom Kirchenbrand im Jahr 1857 noch übrig geblieben war, aus dem Südturm der Abteikirche entfernen lassen. Darunter kamen Bögen und Säulen zum Vorschein, deren Basis (Sockel) mit den beiden Basen im westlichen Bereich der Vierungskirche übereinstimmen.

 

Die Säulen und Bögen sind wahrscheinlich in allen 4 Himmelsrichtungen vorhanden. Der Bogen des südlichen Teils der Kapelle ist komplett von Hansi Horn frei gegraben und vermessen worden. Richtung Westen und Osten sind die Ansätze der quadratischen Kapelle zu sehen und der nördliche Teil konnte bis heute leider nicht freigelegt werden. Die Breite eines Bogen, von Säule zu Säule, beträgt 2 Meter und die Höhe in der Mitte des Bogen ist ca. 4 Meter.

 

Zwei Erwachsene, ein Kind

 

Und was noch interessanter ist: Langhans fand unter dem Boden im Südturm eine Steinplatte und darunter ein Grab mit Skeletten von zwei Erwachsenen und einem Kind. "Möglicherweise ein heiliges Grab", vermutete Langhans. Was es mit den drei Personen im Südturm auf sich hat, vermag auch Weyer nicht zu sagen. Er hofft, dass die Skelette bald von Fachleuten untersucht werden und diese deren Alter feststellen können.

 

Einen Hinweis über das heilige Grab finden wir im Standbuch 213, Seite 71ff, des Kloster Neustadt. Am 26. August 1534 wurden unter Abt Konrad Lieb neun Altäre vom Würzburger Weihbischof Johannes geweiht. Unter anderem ein Altar neben dem heiligen Grab (iuxta sepulchrum Diii).

 

Ein Heiliges Grab wird auch als Kenotaphe Christi bezeichnet, zu Deutsch Scheingrab. Üblicherweise handelt es sich bei einem heiligen Grab um eine Nachbildung der Grabeskirche in Jerusalem oder um eine Tumba Christies (Leeres Grabmal) und ein zusätzliches Grabmal von bedeuteten Personen.

Betrachtet man den unteren Teil des Südturms der Pfarrkirche von außen, sieht man heute noch an dessen Ostseite den Ansatz einer kleinen Apsis und einen Bogen, der mit neueren Steinen ausgemauert wurde. "In diesem Bogen befindet sich die Grabstätte", erklärt Weyer.

 

"Die Kapelle im Südturm liegt tiefer (Ein Dankeschön an Klaus Schwab für die Messung) wie die von Abt Jodokus Steigerwald (Abt 1514-1534) restaurierte Kirche nach der Plünderung im Bauernkrieg 1525", belegt der Neustädter Hobby-Historiker seine Thesen. Der Fußboden der 1534 eingeweihten Kirche liegt 1,5 Meter unterhalb des heutigen Fussbodens, der Fußboden der Kapelle im Südturm liegt 1,55 bis maximal 1,75 Meter darunter und der Fußboden der um 1100 gebauten Kirche liegt 1,75 Meter unter dem heutigen Fußboden.

 

Daraus lässt sich schließen, dass die Kapelle wahrscheinlich in der Zeit der sieben Kreuzzüge (1096 bis 1270) oder kurz danach entstanden ist. Ein Kreuzfahrerzeichen befindet sich übrigens auch in der Kirche an der westlichen Säule im Nordschiff.

 

Wahrscheinlich wurde das heilige Grab im Südturm bei dem von Bischof Julius Echter initiierten Klosterneubaus (1615 bis 1623) rundum innen und außen eingemauert. Die Kirche und das Kloster wurden dabei komplett baulich verändert, der Fußboden der Kirche wurde um 85 cm gegenüber der 1534 eingeweihten Kirche angehoben.

 

Die Marienkapelle

 

Für Weyer stellt sich auch die Frage wann die erste Marienkapelle, am Platz der heutigen Werktagskirche, aufgebaut wurde. Weyer vermutet, dass dies im Rahmen des romanischen Klosterneubaus, also um das Jahr 1100, stattfand. Auf jeden Fall existierte die Marienkapelle schon 1534, der Altar in der Marienkapelle wurde unter Abt Konrad Lieb am Freitag den 28. August 1534 wieder eingeweiht.

Die zweite Marienkapelle entstand 1623, beim Klosterneubau, initiiert von Bischof Julius Echter.

 

Am 26. Mai 1857 brannten die Kirche und das Kloster, samt der 2ten Marienkapelle, bis auf die Grundmauern ab. Der Kapitelsaal wurde bis ins Jahr 1973 als Sakristei genutzt. Weyer weiß dieses noch aus seiner Ministrantenzeit in den 60er Jahren. Anstelle der beim Klosterbrand zerstörten Marienkapelle war ein hässliches Mauerwerk entstanden, das allen Kunstfreunden und Historikern, aber auch jenen, die einfach einen Blick für Schönheit und Harmonie haben, ein Dorn im Auge war.

 

1973 und 74 wurde der Kapitelsaal renoviert und die 3te Marienkapelle durch Pfarrer Langhans gebaut. Im März 1974 erfolgte die Einweihung des Kapitelsaal und der 3ten Marienkapelle durch Dekan Haller aus Lohr.

Auf den Fundamenten der einstigen Marienkapelle entstand nach den Plänen von Architekt Heinrich Kaupp aus Aschaffenburg ein Anbau, der sich weitgehend an die historischen Vorbilder anlehnt. Bei den Grabungsarbeiten und der Absenkung des Fußbodens, zur Herstellung der alten Proportionen und Freilegung der Pfeilersockel, wurde bestätigt dass der Kapitelsaal und die Marienkapelle Grabgelege der Äbte von Neustadt waren.

 

Zum Artikel 4 der neuen Klostergeschichte. 

 

 

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