Neustadt am Main - Gestern und Heute
 
    
Foto Edeltraud Wenzel
Skelette im Südturm vom Kloster Neustadt
1997 fand Pfarrer Rudolf Langhans bei Grabungen Überreste einer Kapelle im Südturm und ein Grab mit Skeletten von zwei Erwachsenen und einem Kind. Möglicherweise handelt es sich um ein "heiliges Grab", meint Pfarrer Rudolf Langhans.
  Kapelle 

Foto Martina Schneider
Eingemauerte Kapelle in Neustadt am Main
Die Basis und der Sockel der Säulen in der eingemauerten Marienkapelle im Südturm der Abteikirche, stimmen nach Meinung von Klaus Weyer, mit denen der ehemaligen Vierungskirche überein.
  Die neue Klostergeschichte in der Mainpost 2006 Teil 3 

Erstellt am 3.7.2006, korrigiert am 28.07.2021

Artikel 3 der neuen Klostergeschichte.
Artikel von Martina Schneider.

Skelettfund in der Marienkapelle in Neustadt am Main

Die erste Neustadter Marienkapelle liegt eingemauert im Südturm der heutigen Basilika und ehemaligen Abteikirche. Diese Kapelle ordnet Heimatforscher Klaus Weyer eindeutig der ehemaligen Vierungskirche der Neuen Statt zu, die aufgrund verschiedener Grabungen in den Jahren 1913, 1946/47 und 1968/69 inzwischen gut dokumentiert ist. Pfarrer Rudolf Langhans machte in der Marienkapelle 1997 einen bemerkenswerten Skelettfund.

"Die Kapelle im Südturm ist wie die Vierungskirche der Neuen Statt um +10,5 Grad nach Osten ausgerichtet und liegt auch auf dem ungefähr gleichen Bodenniveau", belegt der Neustadter Hobby-Historiker seine Thesen. Pfarrer Rudolf Langhans hatte die Überreste dieser Kapelle im Jahr 1997 entdeckt. Damals hatte der Geistliche den drei Meter hohen Schuttberg, der vom Kirchenbrand im Jahr 1857 noch übriggeblieben war, aus dem Südturm der Abteikirche entfernen lassen. Darunter kamen Säulen zum Vorschein, deren Basis und Sockel, mit denen der ehemaligen Vierungskirche übereinstimmen.

Zwei Erwachsene, ein Kind

Und was noch interessanter ist: Langhans fand unter dem Boden im Südturm eine Steinplatte und darunter ein Grab mit Skeletten von zwei Erwachsenen und einem Kind. "Möglicherweise ein heiliges Grab", vermutete Langhans.

Betrachtet man den unteren Teil des Südturms von außen, sieht man heute noch an dessen Ostseite den Ansatz einer kleinen Apsis und einen Bogen, der mit neueren Steinen ausgemauert wurde. "In diesem Bogen befindet sich die Grabstätte", erklärt Weyer.

Für den Neustadter bestätigte sich damit die Tatsache, dass sich das Kloster von 781, zu dem die damalige Vierungskirche gehört hatte, viel weiter in Richtung Süden ausgedehnt haben muss, als bisher bekannt ist. "Die Marienkapelle war damals wahrscheinlich die Kapelle des Konvents", vermutet Weyer.

Zu diesem ehemaligen Benediktinerkloster gehörte auch der untere alte Teil des Nordturms der heutigen Abteikirche, der damals freistand und wahrscheinlich dem Kloster als Wachturm diente. Für Weyer wird dies durch den Standort des Turms belegt, denn "dieser steht auch im gleichen Winkel von +10,5 Grad nach Osten wie die Vierungskirche". Zudem sehe man innen die karolingischen Fensteröffnungen an allen vier Seiten".

Auch im Inneren der Neustadter Pfarrkirche gibt es Nachweise des Benediktinerklosters an der Neuen Statt, das 781 vom Erzbischof Lullus von Mainz und Bischof Willibald von Eichstätt im Beisein von Karl dem Großen eingeweiht worden war", berichtet Weyer.

Bei Heizungsarbeiten in der Neustadter Pfarrkirche sei im März 1987 nämlich in zirka zwei Metern Tiefe eine Mauer im westlichen Chorraum entdeckt worden. "Diese Mauer steht ebenfalls auf dem gleichen Bodenniveau und im gleichen Winkel wie die Vierungskirche". Sicherlich Grundmauern des Konvents der Neuen Statt.

Reliquien von Maria und Martin

Die Kapelle im Südturm beweist laut Weyer, dass das Marienpatrozinium auch beim dritten Benediktinerkloster, das samt Vierungskirche im Jahre 781 eingeweiht worden war, noch existierte. "Laut der Stiftungsurkunde erhielt das Kloster Neustadt damals von Karl dem Großen eine Reliquie der Heiligen Maria und des Heiligen Martin." Weyer vermutet, dass die neue Marienkapelle im Rahmen des von Bischof Julius Echter initiierten Klosterneubaus (1615 bis 1623) an den heutigen Standort vor den Kapitelsaal verlegt wurde. "Vielleicht war es aber auch schon beim romanischen Klosterneubau um das Jahr 1100."

Was es mit dem Grab unter der Steinplatte im Südturm auf sich hat, vermag auch Weyer nicht zu sagen. Er hofft, dass die Skelette bald von Fachleuten untersucht werden und diese deren Alter feststellen können. Und ob sie verwandt waren.

Zusätzliche Information von Klaus Weyer

Die Untersuchung der Skelette hat Kreisheimatpfleger Theodor Ruf mittlerweile im Jahr 2021 initiiert. Laut seiner Aussage sind die Skelette von 900 bis 1100. Aber
eine komplette Untersuchung der eingemauerten Kapelle vom BLfD, ist bis heute nicht erfolgt. Obwohl der Mainpost Artikel schon 2006 erschien.

Die Steinplatte des Grabes, befindet sich heute im Freien. Die Kopfseite ist abgeschlagen. Wahrscheinlich hat man dadurch die Namen der Toten entfernt.

Die Säulen und Bögen der eingemauerten Kapelle sind wahrscheinlich in allen 4 Himmelsrichtungen vorhanden. Der Bogen des südlichen Teils der Kapelle wurde damals komplett frei gegraben. Richtung Westen und Osten sind die Ansätze der quadratischen Kapelle zu sehen und der nördliche Teil wurde nicht freigelegt. Die Breite eines Bogens, von Säule zu Säule, beträgt 2 Meter und die Höhe in der Mitte des Bogens ist ca. 4 Meter.

Einen Hinweis über das Heilige Grab finden man im Standbuch 213, Seite 71ff, des Kloster Neustadt. Am 26. August 1534 wurden unter Abt Konrad Lieb neun Altäre vom Würzburger Weihbischof Johannes geweiht. Unter anderem ein Altar neben dem Heiligen Grab (iuxta sepulchrum Diii).

Ein Heiliges Grab wird auch als Kenotaphe Christi bezeichnet, zu Deutsch Scheingrab. Üblicherweise handelt es sich bei einem Heiligen Grab um eine Nachbildung der Grabeskirche in Jerusalem oder um eine Tumba Christies (Leeres Grabmal) und ein zusätzliches Grabmal von bedeuteten Personen.

Zum Artikel 4 der neuen Klostergeschichte.

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